Freude über bekannte Autokennzeichen im Urlaub – Wir-Gefühle mit Helmut Schmidt

Der Bundeskanzler a. D., Helmut Schmidt, zündet sich auf diesem Bild eine Zigarette an. Das war im Jahr 2012. 2021 ist er immer
Der Bundeskanzler a. D., Helmut Schmidt, zündet sich auf diesem Bild eine Zigarette an. Das war im Jahr 2012. 2021 ist er immer noch nicht vergessen, wie man an der aktuellen Gloss von Quintus B. Scheble unschwer erkennen kann. (Foto: Angelika Warmuth)
Quintus B. Scheble

Unerwartet Übereinstimmung entdecken, zwischen Mensch und Mensch, da kommt Freude auf. Etwa dann, wenn man – hoffentlich bald wieder völlig frei – mit seinem Auto irgendwo fern des Virngrunds unterwegs ist. Plötzlich kommt einem ein Wagen entgegen mit hektischer Lichthupe. Warnung vor Radar? Vermutet man. Bis man auf die Schnelle das zugehörige Nummernschild entziffert: Es beginnt ebenfalls mit AA! Also auch ein Ostälbler! Sofort wird in gleicher Schlagzahl zurückgeblendet, ebenfalls gewinkt, freundlich gelächelt. Selbst wenn alles sekundschnell und namenlos über die Bühne geht, die gleiche Provenienz in so ungewohnter Umgebung, sie geht einem zu Herzen.

Solche Erfahrungen sind noch intensiver, wenn, zufallsbedingt oder vom Schicksal begünstigt, mindestens zwei vorerst fremde Individuen in der Fremde aufeinandertreffen. Mir so geschehen auf einem Athener Campingplatz, wo mich jemand hinterrücks anspricht. „Hallo Sie, send Sie net au wie I von Ellwanga?“, mutmaßt er. Was ich, mich umwendend, prompt und gerne mit „ond ob“ bejahe. Es folgt, was folgen muss: Wir beide, deren Wege sich bislang nie gekreuzt haben, tauschen uns aus, glückselig über unsere gemeinsame Herkunft und Heimatstadt. Und dann stoßen wir auf unsere Begegnung an, natürlich mit Retsina. Wieder so ein Stichwort, das nach Ellwangen klingt!

Gelegenheiten, spontan Parallelen mit seinem Gegenüber festzustellen, bieten sich zuhauf: Ob sich bei einem Zusammentreffen herausstellt, dass man der gleichen Partei angehört, das gleiche Glaubensbekenntnis ablegt, den gleichen Sport treibt, die gleiche Musik liebt, und, und, und, man versteht sich dann schneller, kommt sich näher, spürt Harmonie. Wer es indes weniger mit der apollinischen Weisheit „Erkenne dich selbst“ hält, sondern sich lieber von anderen orten lässt, der mag sich auch, sobald er außerhäusig unterwegs ist, eine Vereins- bzw. Clubnadel ans Revers heften. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ihn jemand, der das gleiche Abzeichen trägt, auf die Gemeinsamkeit anspricht.

Nicht zu vergessen jene Situation, dass man eine Person, sei sie unerreichbar prominent oder aus dem näheren Umfeld, gunstvoll bewertet, obwohl man gar nicht weiß, weshalb. Ein Beispiel für eine solches – zunächst unerklärliches – Wirgefühl führt zurück in die Bonner Republik. Auf Ellwanger Seite handelt es von einer Frau, die ihrer Funktion halber auf dem einst fürstpröpstlichen Schloss residierte. Jedenfalls konnte besagte „Schlossherrin“ während der Kanzlerära Helmut Schmidts partout nicht verstehen, warum sie ausgerechnet diesem Staatsmann nicht so kritisch gegenüberstand, wie es ihrer eigentlichen politischen Einstellung entsprochen hätte. Für ihre positiven Gefühle fand sich einfach kein nachvollziehbarer Grund. Bis ihr ein Zeitungsartikel zu Augen kam, der ihr dieselben öffnete. Heilfroh über des Rätsels Lösung, geradezu erleichtert, griff sie, wie es vor Facebook und Twitter Usus war, zur Feder und schickte einen Brief in die damalige Bundeshauptstadt. In der für sie typischen „Kurz“-Fassung: „Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Lange schon überlege ich mir, woher das Fünkchen Sympathie, das ich für Sie empfinde, herrührt. Jetzt endlich weiß ich es: Wir sind derselbe Jahrgang.“

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