Forstbetriebe schlagen Alarm

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 Die Fichte, bisher der „Brotbaum der Waldbesitzer“, verkraftet den Klimawandel nicht und wird schon aufgegeben.
Die Fichte, bisher der „Brotbaum der Waldbesitzer“, verkraftet den Klimawandel nicht und wird schon aufgegeben. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

Die Waldbesitzer sind in Alarmstimmung. Die Folgen des Klimawandels sind teilweise bereits existenzbedrohend. Der drohende Verlust des ganzen Ökosystems Wald hat im September viele Waldbesitzer dazu getrieben, in Stuttgart zu demonstrieren. All dies kam bei der Hauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Ellwangen im Gasthaus Lamm zur Sprache.

Vorsitzender Helmuth Waizmann begrüßte mehr als 100 Mitglieder und zahlreiche Gäste aus der Forstverwaltung, der Sägeindustrie und von Forstbetriebsgemeinschaften aus dem Ostalbkreis. Er berichtete über die Aktivitäten des abgelaufenen Jahres. Bei zahlreichen Gesprächen mit Abgeordneten des Bundestages, des Landtages und im Ministerium wurden die Sorgen der Privatwaldbesitzer vorgetragen.

Einkommensverluste bedrohen teilweise die Existenz

Die deutlich zu spürenden Folgen des Klimawandels führten demnach gerade bei größeren Waldbesitzern, die einen erheblichen Teil ihres Einkommens mit dem Wald erzielen, zu teilweise existenzbedrohenden Einkommensverlusten. Eine europaweit angefallene Menge von mehr als 100 Millionen Festmeter Schadholz – noch deutlich mehr als im Trockenjahr 2018 – führte zu einem ruinösen Preisrückgang. Preise zwischen 30 und 40 Euro pro Festmeter deckten nicht einmal mehr die Aufarbeitungskosten ab, so der Vorsitzende.

Die Lehrfahrt der Forstbetriebsgemeinschaft im September führte auf die Frankenhöhe in den Kommunalwald der Stadt Rothenburg. Dort konnten sich die Teilnehmer von den verheerenden Schäden durch Borkenkäfer und Schwammspinner überzeugen. Der vor vielen Jahren auf der roten Liste als vom Aussterben bedrohte Schwammspinner habe sich dort explosionsartig vermehrt und befalle nicht nur Eichen und anderes Laubholz, sondern auch Nadelbäume. Die Fichte ist aus dem Waldbild beinahe verschwunden und werde schon aufgegeben.

An einer Walddemonstration im September in Stuttgart nahmen viele Waldeigentümer und Forstbedienstete aus dem Ostalbkreis teil.

Waldbesitzer demonstrieren in Stuttgart

Es ist laut Waizmann ungewöhnlich, dass Leute aus diesem Personenkreis auf die Straße gehen, aber der drohende Verlust des ganzen Ökosystems Wald habe viele Waldbesitzer dazu getrieben, sich auf den Weg nach Stuttgart zu machen und ihre Anliegen vorzutragen. Der Ostalbkreis sei 2019 zwar mit einem „blauen Auge“ davongekommen, aber die Aussichten auf das kommende Jahr ließen das Schlimmste erwarten. Mittlerweile fehle im Ostalbkreis die Menge eines kompletten Jahresniederschlages. Die Waldböden sind laut Waizmann bis in die Tiefe ausgetrocknet, so dass auch tiefwurzelnde Baumarten wie Tanne und Buche stark geschädigt sind.

Das wirtschaftliche Desaster des Forstwesens und die zunehmende Sozialisierung des Waldeigentums sind laut dem Vorsitzenden Ursachen für die mangelnde Pflege der Waldbestände. Nahezu 75 Prozent der Waldflächen unterliegen mittlerweile einem Schutzstatus, viele Waldbesitzer wüssten davon nichts.

Bauen mit Holz: „Riesenchance fürs Landratsamt“

Als Konzept für die künftige Waldbewirtschaftung sollten mehrere geeignete Baumarten auf die gleiche Fläche gesetzt werden und die Bestände früher genutzt werden, denn je älter ein Baum werde, umso krankheitsanfälliger werde er auch, so der Vorsitzende. Um die künftig schadensbegingt anfallenden Holzmengen am Markt unterzubringen, müsse die Holzbauoffensive weiter verstärkt werden. Der Ostalbkreis als einer der waldreichsten Kreise des Landes sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen. Der Neubau des Landratsamtes würde hier eine Riesenchance bieten, so Waizmann.

Bei den Wahlen zum Ausschuss wurden Anton Bieg aus Leinenfirst, Georg Wagner aus Rindelbach und Johann Druckenmüller aus Jagstzell-Grünberg für drei Jahre bestätigt.

Robert Lang von der Forstaussenstelle Ellwangen gab einen Überblick über die Forstschutzsituation. Der Borkenkäfer habe sich aufgrund der Witterung nicht wie befürchtet entwickelt, so dass sich die Schadholzmenge im Ostalbkreis beherrschen ließ. Das Überangebot an Schadholzmengen aus benachbarten Bundesländern und europäischen Staaten führte aber dazu, dass das Holz teilweise nicht abgefahren wurde und zu lange im Wald liegenblieb. Die Waldbesitzer rief er dazu auf, in den kommenden Wintermonaten die Bestände auf Käferbefall zu kontrollieren und aufzuarbeiten. Der Borkenkäfer überwintert unter der Rinde, um dann im Frühling auszufliegen und weitere Bäume zu befallen.

Die Strukturreform der Forstverwaltung wurde vorgestellt. Das Einheitsforstamt gehört der Vergangenheit an. Der Staatsforst wird in eigene Gesellschaft ausgegliedert und eigenständig bewirtschaftet. Das Personal der Forstverwaltung wird aufgeteilt und wechselt von der unteren Forstbehörde beim Landkreis teilweise in die Gesellschaft des Staatsforstes. Im Ostalbkreis werden für den Kommunal- und Privatwald Verwaltungen in Aalen, Gmünd und Bopfingen ihren Sitz haben. Die Vergütung für Dienstleistungen des Forstpersonals wird neu geordnet. Die bisherigen Gebührensätze pro Festmeter werden durch eine Vergütung nach Stundensätzen ersetzt.

Abfuhr von Schadholz ist zäh und langwierig

Zum aktuellen Holzmarkt gab der Geschäftsführer der forstwirtschaftlichen Vereinigung Schwäbischer Limes (FSL) in Aalen, Helmut Stanzel, seinen Bericht ab. 2019 war demnach geprägt von der Vermarktung der Schadholzmengen und dem Preisverfall am Holzmarkt. Der Abfuhr der verkauften Hölzer gestaltete sich teilweise zäh und langwierig, da große Abnehmer ihre Transportkapazitäten auf die Anfuhr aus benachbarten Bundesländern verlagerten. Kunden mit eigenem Gleisanschluss kauften vermehrt Holz über diesen Transportweg ein und fielen deshalb bei der regionalen Transportlogistik weitgehend aus. Für das erste Quartal 2020 gebe es erste Zeichen der Entspannung am Holzmarkt, aber alles hänge wie immer vom Wetter ab.

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