Feuerwehr bevorzugt? Rotkreuz-Verband fühlt sich von Stadtrat diffamiert

Lesedauer: 4 Min
 Das Ellwanger Wellenbad von außen. Mitglieder der Feuerwehr haben freien Antritt, Mitglieder anderer Blaulichtorganisationen ni
Das Ellwanger Wellenbad von außen. Mitglieder der Feuerwehr haben freien Antritt, Mitglieder anderer Blaulichtorganisationen nicht. Die DRK-Kreisbereitschaft erwartet besonders von FBE-Stadtrat Franz Josef Grill mehr Wertschätzung. (Foto: Bädergesellschaft)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

Die Mitglieder der Feuerwehr haben freien Eintritt ins Ellwanger Wellenbad. Die Stadtverwaltung möchte es dabei belassen und lehnt einen von der SPD geforderten Bonus für die Vertreter der anderen Blaulichtorganisationen ab.

Franz-Josef Grill sieht das genauso. Werde die bisherige Praxis ausgeweitet, dann seien auch die Ehrenamtlichen dabei, „die einen Eisbeutel übers Fußballfeld ziehen“. Das sagte der Allgemeinmediziner und Stadtrat der Freien Bürger Ellwangen am vergangenen Donnerstag im Gemeinderat – und hat sich damit ziemlichen Ärger eingehandelt.

In einem offenen Brief drückt die Kreisbereitschaftsleitung des DRK-Kreisverbands Aalen ihre „großer Verwunderung“ über Grill aus. Hunderte ehrenamtliche Rotkreuzhelferinnen und -helfern seien durch medizinisches Fachpersonal in der Gemeinderatssitzung herabgesetzt und zu Eisträgern diffamiert worden. „Diese Beleidigung können und werden wir so nicht hinnehmen.“

Für die Kreisbereitschaftsleitung steht außer Frage, dass jede Helferin und jeder Helfer Großartiges leiste. Sie seien 24 Stunden und 365 Tage im Jahr für die Bevölkerung da und hätten in der Vergangenheit zahllose Notlagen gemeistert.

Das Ziehen von Eisbeuteln gehört nicht zu unserem professionellen Einsatzspektrum.

Offener Brief des DRK-Kreisverbands

Die ehrenamtlichen Helfer erwarten, wie es heißt, keine große Anerkennung, keine tiefgehenden Vorteile, keine Sonderbehandlung. Aber: „Was wir jedoch erwarten, ist ein ordnungsgemäßer und wertschätzender Umgang mit uns.“ Und weiter: „Das Ziehen von Eisbeuteln gehört nicht zu unserem professionellen Einsatzspektrum.“

Die DRK-Kreisbereitschaft sei weiterhin mit Freude und Selbstlosigkeit für den ganzen Kreis zur Stelle, ist in dem offenen Brief zu lesen. Die Äußerungen gegenüber den Helfern würden jedoch „aufs Schärfste“ verurteilt.

Die Kreisbereitschaftsleitung findet ferner, dass ein Politiker, der als Mediziner und ärztliche Einsatzkraft eng mit den DRK-Einheiten kooperiere, derartige Aussagen mit großem Bedacht treffen sollte. „Jede ehrenamtlich geleistete Stunde, egal in welchem Dienst oder Einsatz, ist für uns kostbarer als alles andere.“

Dabei darf nach Meinung der DRK-Funktionäre nicht zwischen Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen in der „unwürdigen Art und Weise“ unterschieden werden, wie es in der Gemeinderatssitzung geschehen sei. „Nur wenn alle Hilfsorganisationen gemeinsam arbeiten, können wir ein bestmögliches Ergebnis für die Bürger erreichen. In der Praxis funktioniert das zum Glück kameradschaftlich und tadellos.“

Der von den Kreisbereitschaftsleitern Philipp Schappacher und Nicole Sorge sowie deren Stellvertreter Mike Mann unterzeichnete offene Brief endet mit den Worten: „Das Ehrenamt lebt nicht von Dank und Anerkennung, es lebt von unseren Taten.“

Meist gelesen in der Umgebung

Mehr zum Thema

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen