Felsenkeller sollenTouristen locken

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Felsenkeller sollenTouristen locken
Felsenkeller sollenTouristen locken
Josef Schneider

„Hungerberg- und Blauhornbergwerk sind die zwei größten Sandbergwerke in Süddeutschland“, weiß Hans-Dieter Bolter. Deshalb sollen die Ellwanger Felsenkeller ab dem nächsten Jahr für den Fremdenverkehr genutzt werden. „Es ist eine Chance für den Tourismus in Ellwangen und für die Region.“ Der 68-jährige Diplom-Wirtschaftsingenieur und Oberstudienrat aus Eggenrot hat bereits zu einem sogenannten „Ellwanger Felsenkellerweg“ einen Prospekt entworfen. Mit dem Titel: „Bergwerke, Bier- und Eiskeller – Eine Reise durch die Ellwanger Unterwelt“.

Süddeutschlands größte Sandbergwerke, unzählige reizvolle große und kleine Bierkeller haben den Untergrund von Ellwangen wie ein Schweizer Käse durchlöchert“, heißt es auf dem Flyer. Der Rohstoff Sand hat in Ellwangen immer eine Rolle gespielt, er war eine wirtschaftliche Basis der Fürstpropstei. Verwendet wurde der Stubensand als Bausand und als Reinigungsmittel für die hölzernen Stubenböden und von großen Holzgefäßen der Metzger, Molker und Bauern. „Es gab früher ja keine chemischen Reinigungsmittel“, erzählt Hans-Dieter Bolter. Genutzt wurde der Quarzsand auch von der Rosenberger Glashütte als Glasgrundstoff.

„Es gibt in Süddeutschland keine großen zugänglichen Sandbergwerke“, berichtet Bolter, der bereits Vorschläge für entsprechende Informationstafeln in Ellwangen erarbeitet hat. „So eine Tafel kann man für 300 bis 400 Euro herstellen.“ Das etwa 490 Meter lange Sandbergwerk im Hungerberg betrieb die Familie Wagner (jetzt Gloning) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert. Das Blauhornbergwerk am Rübezahlweg, mit einer Gesamtlänge von 650 Metern, wurde hingegen von 1900 bis 1929 durch die Familie Blauhorn betrieben, der Sand wurde per Bahn bis in den Raum Heilbronn transportiert. „Das Bergwerk ist in einem sehr guten Zustand und gehört der Stadt“, sagt Bolter in Bezug auf eine touristische Erschließung des Blauhornkellers, in dem Fledermäuse überwintern. Führungen sollen nur in der fledermausfreien Zeit stattfinden. „Es gibt Fördermittel für diese Sache.“

Der Stubensandstein erleichterte auch die Anlage von Bier- und Eiskellern, zur Kühlung untergärigen Bieres für den Sommerausschank. Im Umfeld entstanden viele Braunbierkeller und Gartenwirtschaften mit Kegelbahnen. Alt-Ellwangern sind sie ein Begriff: Rotochsenkeller, Weißochsenkeller, Heinleskeller (alle in der Alten Steige), Grünbaumkeller (auch Freigässleskeller oder Elefantenstall, Freigasse), Buchenbergkeller, Fuchskeller (Rotenbacher Straße, beim Schießwasen), Löwenkeller (unterhalb des Krankenhauses), Rößleskeller (beim Friedhof), Hildenbrandkeller, Maucherkeller und andere. „Die Keller stehen teilweise unter Denkmalschutz. Eine gewisse Gefährdung besteht durch Überbauung“, sagt Bolter. Der 68-Jährige ist mit Geologie und Bergbau vertraut, er ist im Beirat des Fördervereins Tiefer Stollen und zweiter Vorsitzender der Geologengruppe Aalen, die das Urweltmuseum betreut.

Die Führungen im Blauhornkeller und im Weißochsen-/Kohnleskeller sind in kleinem Rahmen schon im nächsten Jahr möglich und sollen über den Abbau des Sandes, über die Geologie, die Verwendung des Sandes sowie über die Nutzung als Luftschutzraum im Zweiten Weltkrieg informieren. Laut Hans-Dieter Bolter ist es sinnvoll, einen Förderverein zu gründen und entsprechende Führer auszubilden.

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