Familiendrama endet tödlich: Mordprozess startet am Landgericht

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 Vor dem Ellwanger Landgericht wird ein Familiendrama verhandelt, das tödlich endete: Ein 49-Jähriger soll seinen Bruder erschos
Vor dem Ellwanger Landgericht wird ein Familiendrama verhandelt, das tödlich endete: Ein 49-Jähriger soll seinen Bruder erschossen haben. Die Anklage lautet auf Mord und versuchten Mord. (Foto: Peter Steffen)
Petra Rapp-Neumann

Mit einem Familiendrama befasst sich die Erste Schwurgerichtskammer des Ellwanger Landgerichts seit Montag. Es hat sich am frühen Abend des 10. September 2018 in einem Mehrfamilienhaus in Schwäbisch Gmünd abgespielt.

Der 49-jährige Angeklagte, ein deutscher Staatsbürger türkischer Abstammung, soll seinen Bruder nach einem Streit erschossen und versucht haben, auch seine Schwester zu töten. Der schmächtige Mann ist es Mordes und des versuchten Mordes angeklagt und folgt der Verhandlung mithilfe einer Dolmetscherin. Zur Tat äußerte er sich nicht.

Am Vormittag wurden Polizeibeamte vernommen, die als erste am Tatort eintrafen. Der Tote habe am Hauseingang in einer großen Blutlache auf dem Bauch gelegen. „Die Stimmung war aggressiv“, sagte ein 36-jähriger Beamter des Kriminaldauerdienstes aus.

Ich bin zerstört und sehr traurig. Ich bereue es. Der 49-jährige Angeklagte sagt vor Gericht aus

„Er hat ihn erschossen und wollte auch mich erschießen“, habe die Schwester des Angeklagten spontan zu ihm gesagt. Weil es Tage zuvor schon eine Auseinandersetzung gegeben habe, die von der Familie angezeigt wurde, sei man offenbar der Meinung gewesen, jetzt bräuchte die Polizei auch nicht mehr zu kommen.

Schwester, Mutter und Ehefrau des Angeklagten treten als Nebenklägerinnen auf. Der Neffe des Angeklagten wurde vom Vorsitzenden Richter Gerhard Ilg ermahnt, weil er zur Vereidigung einer Schöffin nicht aufstand, der Aufforderung durch einen Justizbeamten nicht folgte und sich dann vor dem Richtertisch beschwerte: „Es geht mir nicht gut.“ Unmutsäußerungen dulde die Kammer nicht, so Ilg.

Opfer versucht sich zu schützen

Wie der Rechtsmediziner erläuterte, starb das Opfer an einem Steckschuss in den Kopf aus einer halbautomatischen Pistole. Im Versuch sich zu schützen habe der Mann beide Arme vor dem gesenkten Kopf verschränkt. Die Waffe wurde, so die Sachverständige des Landeskriminalamts (LKA), aus unmittelbarer Nähe abgefeuert. Eine nicht abgefeuerte Patrone fand die Polizei im zweiten Stock des Hauses.

Die Schwester der beiden feindlichen Brüder, die sich zunächst über den Sterbenden beugte, konnte wohl nur deshalb in eine Wohnung flüchten, weil die Pistole Ladehemmung hatte. Allerdings stellte der Sachverständige des LKA, Kriminalhauptkommissar Uwe Reiber, keinen Defekt fest: „Sie hätte eigentlich funktionieren müssen.“

Vater des Angeklagten wurde ermordet - Er nahm Rache

Am Nachmittag machte der Angeklagte Angaben zur Person. Seit 1981 sei er in Deutschland und habe als Produktionshelfer für Zeitarbeitsfirmen gearbeitet. Er habe gut verdient und keine finanziellen Probleme. Sein Vater sei 2013 in Istanbul ermordet worden, angeblich von zwei Cousins. Einen habe er aufgespürt und angeschossen. Dafür sei er in der Türkei zu sechseinhalb Monaten Haft verurteilt worden.

Offenbar gibt es eine Verbindung zu dem Streit am 10. September, der seinen Bruder das Leben kostete. Anscheinend geht es um das Haus, an dem mehrere Familienmitglieder Anteile haben und in dem sie leben: „Sie haben dafür gesorgt, dass ich meine Arbeit verliere und ins Gefängnis komme“, sagte der 49-Jährige. „Ich bin zerstört und sehr traurig. Ich bereue es.“

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