Fahrstuhlgerüst wird ins Schloss gehoben

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Fahrstuhlgerüst wird ins Schloss gehoben
Bald ist das Ellwanger Schloss barrierefrei: Das Stahlgerüst für den Glasaufzug ist fertig und mit einem Autokran in den Innenhof gehoben worden.
Schwäbische Zeitung
Crossmedia Volontärin

Zwei Männer in roten, robusten Arbeitsanzügen stehen am Mittwochmorgen im Ellwanger Schloss im Innenhof und blicken in den grauen Himmel. Über das Dach des Hofs ragt der ausgefahrene Arm eines Autokrans, der dicht am Residenzgebäude im vorderen Innenhof steht. Die Ketten, an denen eigentlich das Gerüst des Fahrstuhls hängen sollte, das an diesem Tag am Gebäude angebracht wird, baumeln frei vom Arm des Krans herunter.

„Wir schauen gerade nur, ob genug Platz ist, um das Fahrstuhlgerüst reinzuheben“, sagt einer der Arbeiter. Er kneift die Lider leicht zusammen, damit ihm der Nieselregen nicht in die Augen fällt. Das Fazit: Ein Gerüst an der Wand, an der der Fahrstuhl festgemacht werden soll, muss erst weg. Es diente dazu, die Übergänge vom Fahrstuhl in das Gebäude vorzubereiten.

Jetzt ist es im Weg, weil die Aufzugbauer entschieden haben, den Fahrstuhl gleich samt der Querverstrebungen, also den Verbindungen zwischen Fahrstuhl und Gebäude, in den Innenhof zu heben. „In dem Innenhof können wird die Querverstrebungen nicht anbringen, weil das Dach des Gebäudes zu weit hinausragt“, erklärt Wolgang Scharf, Obermonteur der zuständigen Stahlbaufirma.

Zweiter Versuch nach mehreren Stunden

Etwa fünf Stunden später sind die Querverstrebungen angebracht, das Gerüst im Innenhof abgebaut. Der Nieselregen hat sich verzogen und die Sonne blinzelt zwischen den Wolken hindurch.

Zweiter Versuch. Die Mitarbeiter des Stahlbauers bringen jeweils vier Schlaufen an das obere und untere Ende des Fahrstuhlgerüsts an. Mittlerweile ist ein zweiter Kran dazugekommen, um den liegenden Fahrstuhl möglichst ohne viel Geschaukel senkrecht aufzustellen.

„Das Gerüst muss ganz langsam hochgehoben werden, damit es möglichst ruhig bleibt. Denn es ist so schwer – wenn es erst mal zu schaukeln beginnt, braucht es eine Weile, bis es wieder still hängt“, sagt Harald Schmadlack vom Amt für Vermögen und Bau.

Die Metallhaken der beiden Kräne werden in die Transportschlaufen gehängt. Ein hydraulisches Geräusch ertönt, die Ketten spannen sich und das Gerüst hebt langsam vom Boden ab. Wenige Minuten später steht es senkrecht, aber noch auf der falschen Seite der Mauer. 25 Meter ist das Dach des Residenzgebäudes samt Schornstein hoch. Das Stahlgerüst des Fahrstuhls wiegt in etwa zwölf Tonnen. „Eigentlich kann der Kran rund 220 Tonnen heben. Wir haben ihn aber wegen der enormen Höhe gebraucht, auf die das Fahrstuhlgestänge hochgezogen werden muss“, erklärt Schmadlack.

Wieder ertönt das hydraulische Geräusch und nur mehr ein Kran zieht das Gestänge Richtung Himmel. Langsam schwebt es auf die Höhe des Daches und darüber hinweg, als hätte es das Gewicht einer Feder. Sobald es in den Innenhof des Residenzgebäudes abtaucht, muss sich der Kranfahrer per Funk von seinen Kollegen anleiten lassen. Ohne Sicht muss er das Gerüst zentimetergenau auf die dafür vorgesehen, freistehende Plattform stellen.

Aufzug muss völlig frei stehen

Wieso der Aufzug frei stehen muss? „Der Aufzugsturm und das historische Bauwerk dürfen sich nicht berühren. Es darf keine Kräfteübertragung zwischen dem Gebäude und dem Aufzug stattfinden, zum Beispiel durch Wind“, sagt Schmadlack. Denn dann könnten die empfindlichen, denkmalgeschützten Mauern leicht Schaden nehmen.

Deswegen wird das Gerüst sich selbst tragen müssen. Dafür wird es laut Schmadlack durch acht Stäbe, die jeweils elf Meter lang sind und in den Boden darunter gebohrt werden, verankert. Zwei verglaste Stege werden dann den Ausstieg in den zweiten und dritten Stock des Gebäudes ermöglichen. „Wir hatten immer wieder Führungen im Schloss, bei denen manche Leute nicht die Treppe hochgehen konnten und deswegen unten bleiben mussten“, sagt Matthias Steuer, zuständig für Schloss und Schlossmuseum.

Zu den Heimattagen soll das Schloss n barrierefrei sein. Bis dahin soll der Aufzug fertig sein. Im Augenblick gilt es aber erst einmal, die letzten schwierigen Zentimeter zu meistern, die das Gerüst noch über seinem Fundament schwebt. Obermonteur Scharf und einer seiner Kollegen schieben und drücken die Füße des Gestänges immer wieder hin und her. Dann ein dumpfes Geräusch und der Stahlbau steht passgenau auf seinem Fundament.

Architektin Juanita Cardenas steht im Innenhof und blickt strahlend nach oben auf das perfekt platzierte Gerüst. „Es waren jetzt zweieinhalb Jahre harte Arbeit. Da musste man viel berücksichtigen. Die Farbe, die Form, das es nicht zu sehr auffällt und sich etwas zurücknimmt. Alles, vor allem die Übergänge zum Gebäude mussten millimetergenau passen“, sagt sie.

Darüber hat Cardenas nun Gewissheit. Doch die Arbeit ist noch lang nicht zu Ende. In den nächsten Monaten gilt es, die Technik einzubauen und die Verglasung anzubringen.

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