Fahrkartenverkauf am Bahnhof soll bleiben

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 Der Servicepoint im Bahnhof Ellwangen.
Der Servicepoint im Bahnhof Ellwangen. (Foto: Rimkus)
Redakteurin Ellwangen/stellv. Redaktionsleitung

Zum Fahrplanwechsel am 9. Juni übernimmt Go Ahead den Regionalverkehr von Crailsheim über Ellwangen nach Stuttgart. Ob der Servicepoint im Ellwanger Bahnhof dann auch Go-Ahead-Fahrkarten verkauft, ist derzeit noch offen. Der Schalter soll aber auf jeden Fall erhalten bleiben, unter Umständen mit kürzeren Öffnungszeiten.

Bei einem Pressegespräch im Rathaus verbreiteten Oberbürgermeister Karl Hilsenbek, Bürgermeister Volker Grab und Reiner Maria Scheiger von Fahrbus Optimismus. Die Verhandlungen laufen noch, Go Ahead habe signalisiert, dass die Tür noch nicht zu sei. So könnte es bis Ende Mai noch zu einer guten Lösung kommen.

Alles andere können und wollen sich OB, Grab und Scheiger auch gar nicht vorstellen. „In der Dienstleistung fällt so viel weg an persönlicher Beratung, manchmal braucht man aber ein Gegenüber“, sagt Hilsenbek. Sachen, die jetzt einfach sind, wären dann kompliziert, etwa sich eine Fahrkarte erstatten lassen oder eine Fahrkarte kaufen, wenn der Automat nicht funktioniert, was ja durchaus öfter vorkommt. Mit der Übernahme des regionalen Bahnverkehrs durch Go ahead dürfe es keine Verschlechterungen geben.

Deshalb haben Grab und Scheiger seit November schon viele Gespräche geführt. Auch mit dem Go-Ahead-Geschäftsführer, den sie auf die Bedeutung des Servicepoints hingewiesen haben. Der habe immerhin versichert, dass die Tür noch nicht zu sei.

Die Tür, das sind die Fahrkarten für den Regional-Verkehr mit dem Zug. Go Ahead übernimmt die Strecke von Stuttgart über Aalen und Ellwangen nach Crailsheim. Fahrkarten für die neuen Regio-Züge gibt es am Automaten, es wird ein zweiter aufgestellt, außerdem bei einer Agentur in der Stadt – nach derzeitigem Stand aber nicht im Bahnhof. Wobei Go Ahead durchaus eine zweite Agentur beauftragen könnte, sagt Grab. Nämlich die Firma Fahrbus, die den Schalter im Bahnhof betreibt. Das Unternehmen habe auch eine Bereitschaft signalisiert.

Sollte Go Ahead keine Fahrkarten im Bahnhofsschalter verkaufen wollen, entsteht die absurde Situation, dass es dort Tickets für den Fernverkehr und den IC nach Stuttgart gibt, Karten für den Nahverkehr aber nur innerhalb des Ostalbkreises. Wer mit dem Zug von Ellwangen nach Schwäbisch Gmünd will, bekäme also eine Fahrkarte am Schalter im Bahnhof. Wer nach Stuttgart will und nicht mit dem IC fährt, müsste an den Fahrkarten-Automaten oder zur Agentur in der Stadt.

Für die Stadt ist das keine akzeptable Lösung. Sie ist deshalb auch in Kontakt mit dem Landkreis und dem Verkehrsministerium. Letzteres hat Go Ahead den Zuschlag für die Strecke gegeben und auch die Bedingungen dafür ausgehandelt. „Wir gehen davon aus, dass es Go-Ahead- und Bahn-Karten am Serivicepoint gibt und sind dafür gemeinsam mit dem Ostalbkreis und dem Verkehrsministerium unterwegs“, betont Grab. Das Land ist wichtig, weil es den Zuschlag für eine weitere Fahrkarten-Agentur geben muss. Das Geld geht nämlich ans Land, Go Ahead fährt nur und wird dafür bezahlt.

Bisher verkauft der Servicepoint Fahrkarten der Bahn für den Nah- und Fernverkehr, Busfahrkarten und macht den Abo-Service für Ostalb mobil. Betreiber des Schalters ist Fahrbus. Das Unternehmen bekommt wie jede Agentur für jede verkaufte Bahnfahrkarte Prozente. Das ist laut Scheiger nicht viel, reicht aber für eine schwarze Null. Da sich der Umsatz zur Hälfte auf Nah- und Fernverkehr verteilt, wäre ein Wegfall des Nahverkehrsgeschäfts ein schwerer Rückschlag. Dann müssten entweder die Öffnungszeiten reduziert oder Personal entlassen werden. Oder es müssten Sponsoren gefunden werden, wie Scheiger sagt. Denn Go Ahead bezahle weniger Prozente als die Bahn. Auch das müsse ja nicht so bleiben, sagt Grab, der betont, dass Go Ahead bereit sei, eine zweite Agentur zu beauftragen.

„Der gordische Knoten muss durchschlagen werden“, gibt sich der OB kämpferisch. Go Ahead wolle doch Qualtität bieten. Dazu gehöre auch, dass man am Bahnhof Fahrkarten kaufen könne. Der Service dürfe nicht wegfallen, findet auch Grab, bei dem schon der Seniorenrat und verschiedene Bürger besorgt nachgefragt hatten.

Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Winfried Mack fordert den Weiterbetrieb des Fahrkartenverkaufs am Ellwanger Bahnhofs. In einem Brief an Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) forderte er den Minister auf, den Weiterbetrieb des Fahrkartenverkaufs in die Verträge mit Go Ahead aufzunehmen. Eine Schließung wäre nicht kundenfreundlich, begründete der Abgeordnete seine Forderung: Der Bahnhof Ellwangen diene einem Einzugsbereich von über 40 000 Einwohnern. Ellwangen sei ein bedeutender Wirtschaftsstandort, die Zahl der Arbeitsplätze in den vergangenen fünf Jahren um 15 Prozent gestiegen.

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