Es geht um Macht und Geld, nicht um Religion

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Nahostexperte Michael Lüders mit sein Buch „Armageddon im Orient“ in der rappelvollen Buchhandlung Rupprecht vorgestellt.
Nahostexperte Michael Lüders mit sein Buch „Armageddon im Orient“ in der rappelvollen Buchhandlung Rupprecht vorgestellt. (Foto: Rapp-Neumann)

2018 hat der Nahostexperte Michael Lüders mit „Armageddon im Orient“ ein Buch vorgelegt, das für Kontroversen sorgt. In der rappelvollen Buchhandlung Rupprecht hat er eine Tour d’Horizon durch das Pulverfass Naher Osten mit durchaus provokanten Thesen unternommen.

Lüders, langjähriger Nahostkorrespondent der Wochenzeitung „Die Zeit“, Bestsellerautor und Präsident der deutsch-arabischen Gesellschaft beleuchtet den Machtkampf zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Eindringlich warnt er vor einem Angriff der „Saudi-Connection“ USA, Israel und Saudi-Arabien auf den vermeintlichen „Schurkenstaat“ am Persischen Golf.

Der Publizist schilderte den im Geflecht von Geld und Macht schwelenden Konflikt zwischen dem absolutistischen Königreich Saudi-Arabien und der Islamischen Republik Iran. Auf Raubzüge durch die Wüste, so Lüders, verzichteten die Saudis mittlerweile. Vielmehr versorgten sie die Welt mit Erdöl und einer rückwärtsgewandten Urform des Islam, dem Wahhabismus. Die wirtschaftliche Verflechtung mit den USA – Waffen gegen Öl – habe dazu geführt, dass die Terroranschläge des 11. September 2001 und Mordaufträge des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman wie im Fall des Regimekritikers Kashoggi folgenlos blieben. Trumps Besuch in Riad sei ein Ritterschlag für die Saudis gewesen, während der amerikanische Präsident mit einer „neofeudalen Oberschicht der Superreichen“ zur Jagd auf die Ajatollahs blase. Wobei klar sei, dass im Fall des Falles Flüchtlinge aus dem Iran weder in Richtung USA noch nach Israel, sondern nach Europa aufbrechen würden.

Machtpolitische Motive befeuern den Konflikt

Lüders ist überzeugt, dass es keine religiösen, sondern handfeste machtpolitische Motive sind, die den saudisch-iranischen Konflikt befeuern. Obwohl der Iran Zusagen einhalte und seine Politik „sehr gemäßigt“ habe, sei das Atomabkommen von den USA gekündigt worden. Es gehe nicht nur um die Vormachtstellung im Nahen Osten, sondern um einen größeren geopolitischen Kontext: „Alles hängt mit allem zusammen.“

Ein Angriff der „Saudi-Connection“ auf den Iran sei eine endzeitliche Katastrophe, die den Weltfrieden bedrohe. Ein Machtwechsel lasse sich nicht durch wirtschaftlichen Druck und Sanktionen herbeiführen: „Das Regime in Teheran sitzt fest im Sattel.“ Den Machtzuwachs verdanke der Iran primär den Fehlern amerikanischer und israelischer Politik.

Ungelöster Israel-Palästina-Konflikt, verfehlte amerikanische Interventionspolitik in Ländern wie dem Irak und Afghanistan, Niedergang der einstigen Weltmacht USA, China und Russland im Aufwind, Stellvertreterkrieg im zerstörten Syrien: angesichts einer Welt im Umbruch, in der der kopflose Westen seine Glaubwürdigkeit verliere, plädierte Lüders für eine klare politische Linie der Europäischen Union und Deutschlands, das die Rolle eines willigen Vollstreckers spiele. Noch lebe man in Deutschland von den Zinsen. Doch es gehe schon an die Substanz.

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