Erster öffentlicher Blick auf den spektakulären Silberschatz von der Ostalb

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 Der Münzschatz kehrt noch in diesem Jahr an die Jagst nach Ellwangen zurück.
Der Münzschatz kehrt noch in diesem Jahr an die Jagst nach Ellwangen zurück. (Foto: Melin Güler)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG
Deutsche Presse-Agentur
Das gezielte Suchen nach Kulturdenkmälern ist in Baden-Württemberg in der Regel nicht erlaubt. Dabei spielt es keine Rolle, ob mit einem Metallsuchgerät gesucht wird oder ohne. Nur von der Landesdenkmalpflege ausgebildete Menschen dürfen mit einer Erlaubnis auf vorgegebenem Gebiet mit einer Metallsonde nach Kulturdenkmälern suchen. Baden-Württemberg habe seit vielen Jahren ein Problem mit Sondengängern, heißt es zu diesem Thema aus dem Landesdenkmalamt. „Wenn wir über illegale Archäologie sprechen und Zerstörungen von archäologischen Kulturen, müssen wir eben nicht bis nach Syrien oder in den Irak fliegen“, sagte Amtspräsident Claus Wolf. Schatzsucher, die sich Bodenfunde ohne Genehmigung der zuständigen Behörden aneignen, werden als „Raubgräber“ bezeichnet, sie machen sich strafbar. Dies gilt auch auf eigenem Grund und Boden oder bei Einverständnis des Grundstückseigentümers.

Im vergangenen Jahr haben zwei Militariasammler aus dem Ostalbkreis einen der bedeutendsten Münzschätze Baden-Württembergs entdeckt. Sie fanden die Münzen mithilfe einer Sonde in einem Waldstück bei Ellwangen. Noch in diesem Jahr kehrt der Schatz an die Jagst zurück – und wird in einer Sonderausstellung im Sommer im Alamannenmuseum ausgestellt.

Das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg stellt den Schatz am Dienstag erstmals der Öffentlichkeit vor. Das teilt das Regierungspräsidium Stuttgart in einer Pressemitteilung mit. Die beiden Schatzsucher hatten den Fund damals untereinander aufgeteilt. Erst später meldeten sie ihren spektakulären Treffer.

„In der Tat handelt es sich um einen beeindruckenden Fund, der mit mehreren tausend Münzen wesentlich umfangreicher ist als erwartet. Ein einzelner Ring, Keramikscherben von mindestens zwei Gefäßen sowie verschiedene Textilien gehörten ebenfalls noch dazu“, wird Claus Wolf, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart, in der Mitteilung zitiert.

Auffällig ist, dass wir fast ausschließlich regionale Münzen vorliegen haben. Jonathan Scheschkewitz, Fachbereichsleiter

Der Fachbereichsleiter fürs Mittelalter beim Denkmalamt, Jonathan Scheschkewitz, sagte, dass der Fund im Vergleich zu den letzten Jahren deutschlandweit in der obersten Liga spiele. Für Baden-Württemberg ist es bislang der größte Münzschatzfund in der Zeitepoche von 1260 bis 1330 – die meisten übrigen Funde enthielten weniger als 1000 Münzen.

Strafbefehle gegen Schatzsucher erlassen

Die Sondengänger hatten die Münzen bereits im Sommer 2017 gefunden – einer von ihnen meldete sich allerdings erst Monate später bei den Behörden. Zunächst soll unklar gewesen sein, ob weitere Funde von der zweiten beteiligten Person zurückgehalten wurden. Deshalb informierte das LAD das Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA).

Im Rahmen der daraufhin erfolgten Ermittlungen konnte die Identität des zweiten Beteiligten festgestellt werden. An dessen Wohnanschrift stellten die Ermittler des LKA im Mai 2018 weitere aus dem Schatz stammende Münzen sicher. Die Staatsanwaltschaft Ellwangen leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren wegen Unterschlagung gegen die beiden Finder des Schatzes beim Amtsgericht Ellwangen ein. Beide wurden zu einer Geldstrafe verurteilt.

Münzen stammen auch aus Konstanz und Schwäbisch Hall

Der Münzschatz besteht, wie sich aus seinem Gewicht erschließen lässt, aus mehr als 9200 Silbermünzen, die aneinander haften. Nach derzeitigem Kenntnisstand des RPs wurde er in den Jahrzehnten um 1300 vergraben.

„Auffällig ist, dass wir fast ausschließlich regionale Münzen vorliegen haben“, sagte Scheschkewitz. Deshalb könne man einen Fernhändler, der das Geld vergraben hat, eigentlich ausschließen. Vorstellbar wäre, dass Einnahmen – beispielsweise Steuern oder aus Verkäufen – versteckt worden waren.

Bisher seien rund 100 Münzen restauriert. Es handle sich dabei um 14 Brakteaten – Münzen aus einem dünnen Metallblech, die einseitig geprägt wurden der Bistümer Augsburg und Konstanz, einem Denar aus Würzburg, drei französischen Turnospfennigen sowie geschätzt etwa 9200 Hellern aus Schwäbisch Hall.

Kulturdenkmale von hervorragendem wissenschaftlichem Wert werden nach dem baden-württembergischen Denkmalschutzgesetz mit Entdeckung Eigentum des Landes.

Das gezielte Suchen nach Kulturdenkmälern ist in Baden-Württemberg in der Regel nicht erlaubt. Dabei spielt es keine Rolle, ob mit einem Metallsuchgerät gesucht wird oder ohne. Nur von der Landesdenkmalpflege ausgebildete Menschen dürfen mit einer Erlaubnis auf vorgegebenem Gebiet mit einer Metallsonde nach Kulturdenkmälern suchen. Baden-Württemberg habe seit vielen Jahren ein Problem mit Sondengängern, heißt es zu diesem Thema aus dem Landesdenkmalamt. „Wenn wir über illegale Archäologie sprechen und Zerstörungen von archäologischen Kulturen, müssen wir eben nicht bis nach Syrien oder in den Irak fliegen“, sagte Amtspräsident Claus Wolf. Schatzsucher, die sich Bodenfunde ohne Genehmigung der zuständigen Behörden aneignen, werden als „Raubgräber“ bezeichnet, sie machen sich strafbar. Dies gilt auch auf eigenem Grund und Boden oder bei Einverständnis des Grundstückseigentümers.
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