Ellwanger Vesperkirche beginnt: Eine „unglaublich gute Institution“

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 Eine Woche lang gibt es bei der ökumenischen Ellwanger Vesperkirche täglich im Jeningenheim ein warmes Mittagessen sowie Kaffee
Eine Woche lang gibt es bei der ökumenischen Ellwanger Vesperkirche täglich im Jeningenheim ein warmes Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen um zwei Euro. (Foto: Schneider)
Freier Mitarbeiter

Es ist Tradition, dass die ökumenische Ellwanger Vesperkirche in der Woche nach Aschermittwoch stattfindet. Zum Auftakt am Montag gab es Fleischküchle mit Reis und Erbsen, alternativ vegetarische Küchle. Rund 160 Portionen gingen im Jeningenheim über die Theke. Das preiswerte Essen für zwei Euro, einschließlich einem Glas Wasser oder Tee sowie Kaffee und einem Stück Kuchen gibt es noch täglich bis Sonntag, 17. März, jeweils von 11.30 bis 13.30 Uhr.

„Du deckst mir den Tisch! Herzlich willkommen“ ist auf einem blauen Schild am Eingang zum Jeningensaal zu lesen. Angebracht ist die Einladung als Blickfang auf einer Birkenholzleiter mit farbenfrohen Primeln, Narzissen und Gänseblümchen. Nebenan strahlt in einer weißen Laterne eine brennende Kerze Wärme aus. Auch auf den Tischen im Saal ist die Dekoration frühlingshaft. Annelore Schips hat beim Blumenschmuck wieder ihre Fantasie walten lassen.

Ein halbes Dutzend Frauen ist emsig in der Küche beschäftigt

Der städtische Integrationsbeauftragte Jürgen Schäfer und Ordnungsamtsleiter und Ausländerbeauftragter Thomas Steidle sitzen wie immer zu Beginn der Vesperkirche an der Kasse. In der Küche ist derweil ein halbes Dutzend Frauen mit der Ausgabe des Essens aus der Küche der Anna-Schwestern beschäftigt. Auffallend sind ihre bordeauxroten Schürzen mit der Aufschrift „Ökumenische Ellwanger Vesperkirche“.

Unter die emsigen Bedienungen haben sich sieben Schülerinnen der Klasse 7b der Mädchenrealschule Sankt Gertrudis gemischt, die an diesem Tag um 12 Uhr mittags auch den Impuls übernehmen und das zur Vesperkirche passende Lied anstimmen: „Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht“. Die zwölfjährigen Schülerinnen Lena Prel und Mara Schrade sind von ihrem sozialen Engagement begeistert. „Unsere Lehrerin Karin Ziegler hat es uns angeboten“, erzählen die beiden. Noch bis einschließlich Freitag sind Schülerinnen im Team eingesetzt. Die Leitung des ehrenamtlichen Vesperkircheteams liegt in den Händen von Angelika Mai, Angelika McVeigh-Grupp, Ute Krombholz, Gertrud Nord und Margret Abele.

Viele Menschen haben die Vesperkirche sehnlichst erwartet

„Die Vesperkirche ist dieses Jahr zum 18. Mal. Sie hat sich von Anfang an als eine Einrichtung in der Stadt bewährt und wird von vielen Menschen schon erwartet“, berichtet Pfarrer Michael Windisch, dass sich viele Leute schon auf die nächste Vesperkirche freuen, wenn eine Vesperkirche zu Ende geht. „Das zeigt, dass die Leute dankbar sind, dass es so ein Angebot gibt.“ Dabei unterstreicht der Geistliche, dass die Vesperkirche ein Angebot für alle sei: „Und das spiegelt sich auch an den Tischen wider, dass es eine bunt gemischte Tischgemeinschaft ist.“

„Es ist schade, dass viele Menschen der Meinung sind, dass man nur die Armen, die Bedürftigen einlädt“, findet Annemarie Wengert aus Eggenrot, denn: „Wir sind alle eingeladen. Damit unterstützt man das Ganze auch.“ Und: „Es ist wichtig, dass man den alten Leuten die Gelegenheit gibt, zu reden und zusammenzukommen.“ Die agile Seniorin lobt die Vesperkirche darum als eine „unglaublich gute Institution“. Und mit ihrem rheinischen Humor plaudert Annemarie Wengert aus dem Nähkästchen und verrät: „Das ist so eine Redewendung: 'Ist dein Herd auch kaputt?'“ Das sei quasi eine Entschuldigung, dass man Gast der Vesperkirche sei.

Man treffe immer jemanden, und das Essen sei auch gut, meint Stammgast Gerhard Utz aus Rindelbach. „Wie es morgen wird, wird man sehen.“ Der 50-Jährige kommt immer mit dem Fahrrad. Nur wenn es Linsen und Spätzle gibt, kommt er nicht, denn die mag er nicht. Die Masse denkt da anders. „Die Leute fragen, wann es Linsen und Spätzle gibt“, verrät die fleißige Bedienung Ute Dostal: „Das scheint das Leibgericht zu sein. Doch wir wissen es auch nicht.“ Manfred Braig aus Neunheim hat das Essen am Montag hervorragend geschmeckt. „Sehr ausgewogen“, meint der Sankt-Gertrudis-Lehrer. Und Angelika McVeigh-Grupp vom Leitungsteam freut sich, dass trotz des kalten, regnerischen Wetters so viele Leute zum Essen gekommen sind.

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