Ellwangens Unfallschwerpunkt liegt am Spitalhof

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Mit 351 Verkehrsunfällen im Stadtgebiet ist 2017 ein normales Jahr gewesen. Das zeigt die Verkehrsstatistik der Polizei. Doch zwei Trends sind den Ordnungshütern aufgefallen: Zum Einen sind Senioren über 65 immer häufiger an Unfällen beteiligt. Zum Zweiten hat die Zahl der Unfallfluchten im vergangenen Jahr ein Rekordniveau erreicht.

„Die meisten Unfälle gab’s im Mai“, sagt Polizeioberrat Gerald Jüngel, der Leiter des Ellwanger Polizeireviers, mit Blick auf die Unfallstatistik des vergangenen Jahres für das Stadtgebiet. Nicht zur Faschingszeit und auch nicht beim Kalten Markt. Auch der Wochentag mit den meisten Unfällen überrascht: Dienstags ist nach Angaben der Polizisten der unfallträchtigste Tag – nicht das Wochenende, an dem viele Jugendliche in die Kneipe oder in die Disco fahren. Und tendenziell kracht es besonders häufig zwischen 14 und 15 Uhr. Das hat auch den Leiter des Ellwanger Reviers überrascht: „Die subjektive Wahrnehmung ist doch eine ganz andere.“

Insgesamt bewegen sich die Unfallzahlen im Stadtgebiet seit Jahren auf einem gleichmäßigen Niveau. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei 351 Verkehrsunfälle. Damit war 2017 ein „normales“ Unfalljahr. Zum Vergleich: 2014 hatte mit 327 die wenigsten Unfälle der letzten Jahre, 2010 die meisten mit 381. Das vergangene Jahr lag fast genau in der Mitte.

Immer wieder Auffahrunfälle

Als Unfallschwerpunkt nennt Jüngel die Stelle am Ortsausgang von Ellwangen, wo die Landesstraße 1060 aus Eggenrot am Spitalhof in die B290 einmündet. Hier gebe es immer wieder Auffahrunfälle bei den Fahrzeugen, die aus Richtung Eggenrot kommen. „Die Leute schauen nach links – es kommt nichts. Sie fahren weiter, schauen nach rechts und dann wieder nach links, dann kommt doch etwas und sie bremsen“, beschreibt Polizeioberkommissar Alexander Engler vom Führungs- und Einsatzstab des Sachbereichs Verkehr im Polizeipräsidium Aalen die Situation. Nicht selten führe das dazu, dass die Lenker der dahinter fahrenden Autos überrascht werden und auf den Vordermann auffahren. Verschärft werde das Problem, wenn Verkehrsteilnehmer aus Richtung Jagstzell mit hohem Tempo an die Stelle heranfahren, ergänzt Engler.

Laut Ellwangens Ordnungsamtsleiter Harry Irtenkauf setzt sich die Stadt seit Jahren für einen Kreisverkehr an dieser Stelle ein, aber die Straßenbauverwaltung, sprich Bund und Land, machen da nicht mit. „Wir haben wirklich alles ausgeschöpft“, sagt Irtenkauf. Um die Situation zu entschärfen, sind an der betreffenden Stelle im März Sichtschutzwände aufgestellt worden. Die Wände sollen dazu führen, dass sich die Autofahrer in die Einmündung hineintasten, bis sie einen Überblick über die Lage haben, und erst dann weiterfahren. „Jetzt muss man beobachten, ob die erfolgreich sind oder ob man andere Maßnahmen ergreifen muss“, erläutert Revierleiter Jüngel.

Mehr Unfälle mit Pedelecs

Elektrofahrräder sind 2017 ein wenig häufiger als in den Vorjahren an Unfällen beteiligt gewesen. 2013 bis 2016 seien jeweils zwei Unfälle mit E-Fahrrädern registriert worden. 2017 waren es dagegen fünf. Möglicherweise ein statistischer Ausreißer, aber: „Man muss auch sehen, dass die Zahl der verkauften Pedelecs insgesamt steigt“, sagt Engler. Deshalb sei auch zu erwarten, dass die Zahl der Unfälle mit E-Fahrrädern zunehme.

Bei der Unfallhäufigkeit stehen vor allem zwei Altersgruppen im Fokus: Die jungen Erwachsenen unter 25 Jahren und zunehmend die Senioren über 65. Junge Erwachsene waren im vergangenen Jahr an 87 Unfällen beteiligt. Während sich diese Zahl über die letzten fünf Jahre auf einem konstant hohen Niveau bewegt, haben die Senioren fast aufgeholt: Hier wurden im vergangenen Jahr 76 Unfälle gezählt. In den Jahren zuvor habe sich diese Zahl meist zwischen 56 und 60 Zwischenfällen bewegt, mit einer Ausnahme: 2015 sei das Niveau mit 83 Unfällen mit Seniorenbeteiligung sogar noch höher gewesen.

Ältere fahren defensiver

Einen Unterschied gebe es allerdings zwischen Junioren und Senioren: Unfälle mit Personenschäden seien bei der Altersgruppe 65-plus deutlich geringer als bei den jungen Erwachsenen. Die Generation 65 plus war 2017 nur an 14 Unfällen mit Personenschaden beteiligt, junge Erwachsene dagegen an 30. „Man kann feststellen, dass die Folgen eines Unfalls bei jungen Erwachsenen schwerwiegender sind als bei einem Senior“, schließt Jüngel daraus.

Die steigenden Unfallzahlen bei Senioren haben aus seiner Sicht mit der alternden Gesellschaft zu tun: „Die Folgen sind aber noch nicht so dramatisch wie bei den jungen Fahrern.“ Jüngel führt das auf eine etwas defensivere Fahrweise der älteren Generation sowie ihre Erfahrung zurück. Die helfe dabei, bestimmte kritische Situationen zu vermeiden.

Ein unschöner Trend zeichnet sich aus Sicht der Polizei bei den Unfallfluchten in Ellwangen ab. Im vergangenen Jahr setzten sich 225 Unfallverursacher unerlaubt ab, 2013 waren es noch 182 gewesen. In neun Fällen hatte es sich 2017 sogar um Unfälle mit Personenschäden gehandelt. Hinter dieser Entwicklung vermutet Gerald Jüngel eine mangelnde Verkehrsmoral: „Vielleicht gibt es eine gewisse Mentalität in der Gesellschaft: Parkplatzrempler – keiner sieht’s, ich fahr’ davon.“ Für das laufende Jahr erlaubt sich der Revierchef allerdings vorsichtigen Optimismus: Nach acht Monaten zeichne sich hier ein gewisser Rückgang ab.

Ursache: Geschwindigkeit

Unangepasste Geschwindigkeit ist aus Sicht der Ellwanger Polizei die wichtigste Unfallursache. Danach folgen Verstöße gegen die Vorfahrtsregelungen und gegen das Rechtsfahrgebot, ungenügender Sicherheitsabstand sowie Fehler beim Wenden und beim Rückwärtsfahren.

Im Vergleich dazu spielte Alkoholeinfluss bei den Unfällen oberflächlich nur eine geringe Rolle: 2017 waren es nur elf. Drogen waren nur in einem Fall im Jahr 2016 im Spiel. Dennoch gibt es aus Sicht von Gerald Jüngel keinen Grund zur Entwarnung: So gab es im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich des Ellwanger Reviers 30 Blutentnahmen wegen Verdachts auf Alkoholeinfluss, 23 Blutentnahmen erfolgten im Zusammenhang mit Drogen. Es gab 19 Anzeigen wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss, 55-mal wurde eine geringe Alkoholisierung oder geringer Drogeneinfluss festgestellt. Und bei Kontrollen wurden 26 Führerscheine eingezogen.

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