Ellwangen mausert sich zum Jazz-Olymp

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Axel Schlosser und das Ostalb Jazz Ochestra begeistern das Publikum.
Axel Schlosser und das Ostalb Jazz Ochestra begeistern das Publikum. (Foto: Petra Rapp-Neumann)
Schwäbische Zeitung
Petra Rapp-Neumann

Satter Sound, groovige Rhythmen, virtuose Solisten: Dass dieses Orchester gut ist, wusste man nach umjubelten Konzerten mit Jazzgrößen wie Klaus Graf, Klaus Wagenleiter und Hansjörg Fink. Wie gut das Ostalb Jazz Orchestra, vormals Ellwangen Jazz Orchestra, bei diesem Auftritt sein würde, ahnten jene, die wussten, wie intensiv sich Gerhard Otts fulminante Truppe mit Startrompeter Axel Schlosser vorbereitete. Schlosser ist gebürtiger Aalener, Leiter etlicher Combos, Solist der Bigband des Hessischen Rundfunks und als Coach zwar locker, aber nach eigener Aussage „extrem pingelig.“ Es hat sich gelohnt. Stattgefunden hat der von Thomas Frindt moderierte, restlos ausverkaufte Konzertabend da, wo geprobt wurde: im Peutinger-Gymnasium. Am Ende stand das Publikum nicht nur euphorisch Kopf, sondern auf: Standing Ovations für ein swingendes „Heimspiel in der Kulturhochburg Ellwangen“, so Bürgermeister Volker Grab.

Wie mitreißend das sein würde, war schon nach Sy Olivers Swing-Opener „Opus One“ klar. Duke Ellington stand im Mittelpunkt mit „Tutti for Cootie“ und „Concerto for Cootie“, einer Hommage an seinen Trompeter Cootie Williams. Der kultivierte, so Axel Schlosser, das Spiel mit Saugstöpsel statt eines Dämpfers. Schlosser bewies, wie es klingt, wenn man’s kann: Fantastisch.

Kubanisch wurde es mit Mike Mossmans „Dance of Denial“ im Cha-Cha-Cha-Groove mit Schlosser am Pult und Raum für virtuose Soli. Ohne Rhythmusgruppe brillierten die Blech- und Holzbläser bei Ellingtons Ballade „I got it bad“ und einem genialen Axel Schlosser am Flügelhorn. Norbert Botschek trat in Sinatras Fußstapfen mit den Klassikern „Baubles Bangles and Beads“ und „New York, New York“, Tanja Gold-Hagel entführte in elysische Gefilde mit Irving Berlins zeitlosem „Cheek to Cheek.“

Rendezvous mit dem Mond

Bigbandleader Jaco Pistorius machte Pee Wee Ellis‘ Jazzstandard „The Chicken“ berühmt, Schlossers empfindsame Trompete ließ „Das Huhn“ himmelhoch fliegen. Klaus Wagenleiters Arrangement von David Porters R&B-Klassiker „Soul Man“ sangen Karin Ott, Tanja Gold-Hagel und Norbert Botschek so mit so viel Soul in der Stimme, dass niemand die legendären Blues Brothers vermisste. Peter Herbolzheimers „Blues in Latin“, Harold Arlens „It’s only a Papermoon“, von der jungen Anna Kammerer wunderbar interpretiert, Billy Strayhorns „Take the A-Train“, Gordon Goodwins „Jazz Police“, Ellingtons Porträt von „Mister Jazz“ Louis Armstrong, Dizzy Gillespies „A Night in Tunisia“: Es war ein Abend musikalischer Höhenflüge und einem Rendezvous mit dem Mond mit Axel Schlossers lyrischer Ballade „Touching the Moon“ und seinem atemberaubenden Flügelhornsolo.

Wär’s das gewesen, wär‘s sagenhaft gut gewesen. Doch George Bensons „On Broadway“ und das unglaubliche Finale mit „Proud Mary“ setzten noch eins drauf: Rollin‘ on the River. Nur zu gerne wäre man länger mit der stolzen Mary, Axel Schlosser und dem Ostalb Jazz Orchestra auf dem Old Man River dahin geglitten. Aber mal muss Schluss sein. Es war ein unvergesslicher Abend.

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