Ellwangen gründet mit Virngrundgemeinden eine hausärztliche Genossenschaft

 Um das Praxissterben rund um Ellwangen zu verhindern, soll im Virngrund eine hausärztliche Genossenschaft entstehen.
Um das Praxissterben rund um Ellwangen zu verhindern, soll im Virngrund eine hausärztliche Genossenschaft entstehen. (Foto: Oliver Berg/dpa)
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Obwohl der Bedarf an Allgemeinmedizinern im Ostalbkreis nicht abnimmt, werden in den kommenden Jahren immer mehr Praxen schließen. Um einem drohenden Ärztemangel vorzubeugen, plant der Kreis, in der Region rund um Ellwangen bis Ende März 2023 eine hausärztliche Genossenschaft zu etablieren. Dieser wird sich auch die Stadt Ellwangen anschließen, wie der Gemeinderat einstimmig in seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag beschlossen hat.

„Wenn wir uns vor Augen führen, dass schon jetzt die Hälfte der Ärzte über 60 sind und in den kommenden Jahren in ihren wohlverdienten Ruhestand gehen, werden wir in eine mehr oder weniger große Unterversorgung geraten“, sagt Oberbürgermeister Michael Dambacher in diesem Zusammenhang.

Aus einer hausärztlichen Genossenschaft könnten sich über die Region verteilt medizinische Versorgungszentren (MVZ) gründen, die die bisherige, in Selbstständigkeiten organisierte Praxislandschaft ersetzen und gleichzeitig ihre dezentrale Struktur erhalten. Der Vorteil, den der Kreis darin sieht: Immer mehr Ärzte tendieren statt einer eigenen Praxis eher zur Arbeit in gemeinschaftlichen Konzepten – befreit von bürokratischen Zwängen und finanziellen Risiken. Prioritäres Ziel ist dabei, bereits bestehende Praxen zu übernehmen – sekundäres, neue zu gründen: „Wir erhoffen uns durch die Gründung dieses MVZs auch Ärzte zu gewinnen, die zum Beispiel in Teilzeit arbeiten “, betont Dambacher.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) sind für die Region rund um Ellwangen 24,25 Arztstellen mit einer eigenen Niederlassung registriert. Nach Einschätzung der KVBW ist die Versorgung damit zu 90 Prozent gesichert, 27 Ärzte wurden von der Vereinigung als Idealwert errechnet.

Die Lage im Raum Virngrund sei damit zwar noch stabil. Hinzukomme aber schon jetzt, dass sich Patienten aus Nachbarkreisen, in denen die hausärztliche Versorgung eben nicht mehr ausreichend gesichert ist, stattdessen rund um Ellwangen einen Hausarzt zu suchen. „Das verschärft die Situation natürlich ein Stück weit noch mehr“, so der Oberbürgermeister.

Ein Vorbild zur hausärztlichen Genossenschaft für Ellwangen und den Virngrund gibt es im Kreis bereits: Zwölf Gemeinden und niedergelassene Ärzte haben sich im Frühsommer 2022 in der Region Schwäbischer Wald zu dem Verbund „Medwald“ zusammengeschlossen. Dazu gehören unter anderem die Gemeinden Gschwend, Durlangen, Leinzell, Heuchlingen, Schechingen oder Abtsgmünd. Dort liegt der Versorgungsgrad gerade einmal noch bei 48,6 Prozent. 21 Ärzte fehlen dort nach Berechnungen der KVBW, damit der Bedarf optimal gedeckt werden könnte.

Die Gründung einer solchen Genossenschaft für den Virngrund stößt auch beim SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Hieber auf Zuspruch. Das Angebot, in größeren Verbünden zu arbeiten, frei vom Zwang einer Selbstständigkeit, könnte besonders für junge Mediziner ein interessantes Konzept sein. „Das ist eine Sache, die man nur unterstützen kann. Es hat in Zukunft existenzielle Bedeutung für den Ellwanger Raum und für den Virngrund, dass es einen Generationenwechsel bei den Ärzten gibt“, so Hieber.

Der Fraktionsvorsitzende regt an, dass nicht nur Haus-, sondern auch Fachärzten die Teilnahme an den Versorgungszentren ermöglicht werden sollte. Dambacher erklärte daraufhin, dass der Fokus der Genossenschaft zwar vorerst auf der hausärztlichen Versorgung liege, andere Fachrichtungen einzubeziehen, hält der Oberbürgermeister jedoch für gewinnbringend: „Je interdisziplinärer ein MVZ ausgerichtet ist und je mehr Fachrichtungen es umfasst, desto attraktiver wird es dann auch für die Bevölkerung und als Angebot für Fachkräfte in der Raumschaft.“

Der Ostalbkreis unterstützt die Gründung der Genossenschaft mit 50.000 Euro. Für die Mitglieder selbst entstehen abgesehen von einem Geschäftsanteil – im Falle der Stadt Ellwangen 5000 Euro – keine finanziellen Risiken.

Außer Ellwangen haben auch schon andere Gemeinden im Kreis ihre Mitgliedschaft in der Genossenschaft zugesichert, darunter zum Beispiel Ellenberg oder Rosenberg.

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