Eine sagenhafte Rettung wird gefeiert

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Der Überlieferung nach wurde Dinkelsbühl im Dreißigjährigen Krieg durch die Kinderlore gerettet.
Der Überlieferung nach wurde Dinkelsbühl im Dreißigjährigen Krieg durch die Kinderlore gerettet. (Foto: Archiv)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

In den Jahren 1618 bis 1648 wurden im Dreißigjährigen Krieg weite Teile Deutschlands zerstört, in Teilen Süddeutschlands etwa überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Die Stadt Dinkelsbühl aber blieb durch glückliche Fügung von Vernichtung und Plünderung verschont. Die sagenhafte Rettung vor den Schweden, die im Jahr 1632 die Reichsstadt bedrohten, bildet daher noch heute den Hintergrund für ein farbenprächtiges Fest: die Kinderzeche. Ab 13. Juli ist es wieder soweit. Dann beginnt in der ehemaligen Reichsstadt die Kinderzech-Woche. Auf die Besucher wartet ein gigantisches Programm.

De Kinderzeche ist in Dinkelsbühl seit 1897 Höhepunkt eines jeden Jahres und nimmt unter den Kinder- und Heimatfesten in Süddeutschland einen herausragenden Rang ein. Der Überlieferung nach ist es dem beherzten Eingreifen der Türmerstochter Lore zu verdanken, das die Stadt im Dreißigjährigen Krieg vor Elend und Zerstörung bewahrt wurde. Während der katholische Rat damals gezögert hatte und die Stadttore verschlossen hielt, war Lore der Legende nach mit allen Kindern Dinkelsbühls kurzerhand Richtung Feind gezogen und konnte so die Herzen der schwedischen Krieger erweichen.

Ein Stadtim Ausnahmezustand

Zum Dank an ihre Kinder feiert die Stadt seither alljährlich ihre Rettung mit einem ergreifenden Schauspiel. der Kinderzeche. Eine ganze Woche lang herrscht dann Ausnahmezustand an der Wörnitz. Denn dann lagern wieder schwedische Truppen vor den Stadtmauern, das Wörnitztor wird von Stadtsoldaten bewacht und das historische Festspiel lässt die dramatische Ratssitzung noch einmal aufleben.

Nach der dramatischen Stadtübergabe und dem Einzug der Schweden beginnt ein großer Festzug in historisch-getreuen Gewändern durch die Gassen der festlich geschmückten Stadt. Darbietungen, wie der Schwertertanz des Zunftreigens begleitet von den Trommlern und Pfeifern, machen das Schauspiel perfekt.

Großer Zapfenstreich zum Abschluss

Dankbarkeit für die Errettung zeigt die Stadt auch in Form der sogenannten „Kinderzechgucken“, bunter Papiertüten gefüllt mit Süßigkeiten, die an alle Kinder im Festzug verteilt werden.

Am Abend des 22. Juli schließlich versammeln sich Einheimische und Gäste auf dem feierlich beleuchteten Weinmarkt und die Knabenkapelle beendet mit einem Großen Zapfenstreich die Festwoche.

Das Programm

in Auszügen:

Freitag, 13. Juli: 18.30 Uhr: Eröffnung des Volksfestes auf dem Schießwasen mit Bieranstich, danach Volksfest auf dem Schießwasen.

Samstag, 14. Juli: 15 Uhr: historisches Festspiel „Die Kinderzeche“ im Schrannen-Festsaal, anschließend „Stadtübergabe“ auf dem Altrathausplatz mit kleinem Zug der historischen Gruppen zur Schranne, ab 14 Uhr: Volksfest auf dem Schießwasen.

Sonntag, 15. Juli: 7 Uhr: Wecken durch die Dinkelsbühler Knabenkapelle, 8.30 Uhr Lagerleben auf der Schwedenwiese, 14 Uhr: historischer Festzug, 15.15 Uhr: Fahnenübergabe am Rathaus, 10 bis 24 Uhr: Volksfest auf dem Schießwasen

Montag, 16. Juli: 8 Uhr: ökumenischer Festgottesdienst im Münster Sankt Georg, ab 8.30 Uhr: Lagerleben auf der Schwedenwiese, 12 Uhr: historischer Festzug, 10 bis 24 Uhr: Volksfest auf dem Schießwasen.

Dienstag, 17. Juli: 9 Uhr: großer Kinderfestzug mit der Dinkelsbühler Knabenkapelle, 9.30 Uhr Tänze der Jugend auf dem Weinmarkt anschließend Beschenkung der Kinder mit den traditionellen Kinderzechgucken am Rathaus, 10 bis 24 Uhr: Volksfest auf dem Schießwasen.

Das komplette Programm ist abrufbar unter www.kinderzeche.de/programm-2018.

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