Eine Familie stellt aus

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Unter dem Titel „Familienbande“ zeigt der Kunstverein Ellwangen in seinem Räumen auf dem Schloss Werke von Susanne Mansen, Anna
Unter dem Titel „Familienbande“ zeigt der Kunstverein Ellwangen in seinem Räumen auf dem Schloss Werke von Susanne Mansen, Anna Mansen und Matthias Mansen (von rechts), sowie der verstorbenen Erich Mansen und Emma Schlette. Darüber freut sich Kunstvereinsvorsitzender Roland Hasenmüller (links) vor einem Triptychon von Erich Mansen im Marschallsaal. (Foto: Josef Schneider)
Josef Schneider

Die Ausstellung „Familienbande“ im Ellwanger Schloss kann bis zum 12. August besichtigt werden. Die Öffnungszeiten sind samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 10.30 bis 16.30 Uhr. Gruppen nach Vereinbarung unter Telefon 07961 / 561078 oder 9869314. Weitere Informationen im Internet unter www.kunstverein-ellwangen.de. Am 8. Juli um 11 Uhr gibt es eine Sonderführung mit Anna Mansen.

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„Familienbande“ ist die jüngste Ausstellung des Kunstvereins Ellwangen betitelt. Und das hat seinen guten Grund, denn gleich fünf Mitglieder der Familie Mansen sind mit ihren Werken in den Räumen des Kunstvereins im Schloss ob Ellwangen vertreten. Darunter ist die Ellwanger Landschaftsmalerin Emma Schlette. Die Ausstellung wurde am Sonntag im Marschallsaal eröffnet, sie läuft bis zum 12. August.

„Alle glücklichen Familien gleichen einander. Jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Art unglücklich“, zitierte Kunsthistoriker Clemens Ottnad vom Künstlerbund Baden-Württemberg aus dem 1877 veröffentlichten Roman „Anna Karenina“ des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi. Aber auf die Künstlerfamilie Mansen bezogen, müsse Tolstoi umgehend und gründlich revidiert werden. Denn hier seien fünf Mitglieder einer einzigen Sippe mit Bildarbeiten vertreten, die verschiedener nicht sein könnten.

Landschaften und Häuserschluchten

Von der Ellwanger Landschaftsmalerin Emma Schlette (1847 – 1912) sind verschiedene Landschaften in der Gegend um Ellwangen und in Bayern zu sehen. Ihre Großnichte Anna Mansen (geboren 1929 in Weingarten), die in Reutlingen Kunsterzieherin war und in Lichtenstein lebt, ist präsent mit kleinformatigen, mystischen Aquarellen, die grüne Vasen, rote Kristallgefäße, Böhmisches Glas und Lebensbäume zeigen,und mit filigranen Bleistiftzeichnungen von Disteln und botanischen Fragmenten. „Ich zeichne auf Transparentpapier“, sagt sie: „Es sind meistens getrocknete Pflanzen und Samenstände. Ich gehe gern spazieren und sammle, was mir gefällt.“

Anna Mansens 2012 verstorbener Mann Erich (Jahrgang 1929) war von 1971 bis 1995 Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Von ihm sind großformatige Ölgemälde aus der Zeit von 2002 bis 2012 ausgestellt, darunter zwei Triptychen mit reduzierter Farbigkeit und maltektonischen Verdichtungen. Teilweise sind Fächer und Augenpaare zu erkennen.

Sohn Matthias Mansen (Jahrgang 1958, Ravensburg) studierte von 1978 bis 1984 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und lebt nach Arbeitsaufenthalten in London, Paris und New York nunmehr in Berlin. Er hat sich dem Holzschnitt und dem Farbholzschnitt verschrieben und verarbeitet in seinen großformatigen Werken Großstadtimpressionen wie Häuserschluchten aus der Potsdamer und Bülowstraße. Aber auch mit „Triest oder die Götter“ und mit überlebensgroßen Figuren in Bewegung beschäftigt er sich.

Ganz anders seine Schwester Susanne Mansen, die 1959 in Flensburg geboren wurde, von 1978 bis 1984 an der Akademie der Bildenden Künste München studiert hat und jetzt in Tutzing beheimatet ist. Schon die Titel ihrer originellen, witzigen und farbenfrohen Kunstwerke mit diversen Monstern regen zum Schmunzeln an: „Schweinehund andächtig“, „Giftpilz“, „Schweinchens Himmelfahrt“ und „Erbsenzählerei“. Susanne Mansen gibt sich bei ihren Sujets bissig-ironisch und märchenhaft, und malt in Tusche auf Nessel oder mit Kohle und Öl auf Leinwand.

Hasenmüller: „Es geht aufwärts im wahrsten Sinne des Wortes“

Kunstvereinsvorsitzender Roland Hasenmüller hatte zur Vernissage („zum letzten Mal ohne Aufzug“) begrüßt und sagte: „Es geht aufwärts im wahrsten Sinne des Wortes.“ Hasenmüller dankte Adelheid und Dieter Eißmann für ihr großes Engagement im Kunstverein. Beide ziehen sich nach vielen Jahren aus ihrem Ehrenamt zurück. Und Kulturamtsleiter Anselm Grupp freute sich, dass beim Kunstverein zum ersten Mal eine Familie ausstellt. In drei, vier Jahren soll es übrigens in Ellwangen eine separate Emma-Schlette-Ausstellung geben, wie Kurator Ulrich Brauchle verriet.

Die Ausstellung „Familienbande“ im Ellwanger Schloss kann bis zum 12. August besichtigt werden. Die Öffnungszeiten sind samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 10.30 bis 16.30 Uhr. Gruppen nach Vereinbarung unter Telefon 07961 / 561078 oder 9869314. Weitere Informationen im Internet unter www.kunstverein-ellwangen.de. Am 8. Juli um 11 Uhr gibt es eine Sonderführung mit Anna Mansen.

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