Ein Seminar-Renner: „Do hosch zehn Eier“

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Frühstückseier vom eigenen Huhn: Für immer mehr Menschen scheint das reizvoll zu sein.
Frühstückseier vom eigenen Huhn: Für immer mehr Menschen scheint das reizvoll zu sein. (Foto: Fotos: Bauch)
Schwäbische Zeitung
Martin Bauch

Das Interesse an der Hühnerhaltung in Kleinbeständen ist gewaltig. Ein Beleg dafür liefert ein Seminar, das der Geschäftsbereich Landwirtschaft des Landratsamts Ostalbkreis in Zusammenarbeit mit dem Verein Landwirtschaftlicher Fachbildung anbietet. Unter dem bezeichnenden Titel „Do hosch zehn Eier“, erfahren die Menschen, wie sie Hühner richtig halten.

Das Interesse an diesem Seminar ist so gewaltig, das es jetzt zum dritten Mal angeboten wurde – dieses Mal in Aalen-Hofen, im Landgasthof Liederhalle. Wieder sollte der Platz nicht ausreichen. Über 200 Menschen kamen. Manch Interessierter musste deshalb draußen bleiben.

„Ganz ehrlich? Wir sind selbst überrascht von diesem großen Besucherandrang“, sagt Bernd Lorenz vom Verein Landwirtschaftlicher Fachbildung. Lorenz ist Landwirt in Dischingen und hat in Aalen gemeinsam mit Gabriele Regele über die Hühnerhaltung informiert. Ursprünglich sah das Konzept von Lorenz und seiner Mitreferentin Gabriele Regele vor, Teilnehmer an den Seminaren in kleinen Gruppen an das Thema heranzuführen und später mit ihnen darüber zu diskutieren. Da dieses Konzept aufgrund der großen Nachfrage schon bei den ersten Seminaren einfach nicht mehr praktikabel war, stiegen die beiden Hühnerexperten auf Vorträge um. Aber auch die sind gefragt. Das Interesse an der privaten Hühnerhaltung in Kleinbeständen habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen, sagt Lorenz. Er erklärt sich diesen Trend so: „Die Menschen sind auf der Suche nach Normalität. Sie wollen wieder was Geerdetes, der Hektik im Alltag etwas entgegensetzen“, ist der Dischinger Landwirt überzeugt.

Eierskandalezeigen Wirkung

Die eigene Hühnerhaltung, so der Landwirt, vereint alle Vorstellungen die die Menschen mit den Begriffen Natur, Landleben, Bioprodukte, kurz und gut einem stressfreien und gesunden Leben verbinden.

Die letzten Eierskandale hätten dem Thema private Hühnerhaltung einen weiteren Schub verliehen. 1999 hatten mit Dioxin verseuchte Eier die Verbraucher verunsichert; im vergangenen Jahr wurde in Hühnereier das giftige Milbenmittel mit Fipronil nachgewiesen. Die Verbraucher reagieren; wer kann, hält sich seine eigene Hühner. „Eigentlich stoßen solche Seminare, wie wir sie anbieten, vor allem bei Menschen in den Großstädten auf Interesse. Der Ostalbkreis bildet diesbezüglich eine Ausnahme und erklären können wir uns das auch nicht, warum gerade hier, in einer ländlich geprägten Region, die Nachfrage nach unserem Seminar so enorm ist“, sagt Lorenz.

In ihrem Vortrag gehen Lorenz und Regele im ersten Teil auf die Geschichte der Hühnerhaltung und die verschiedenen Hühnerrassen ein. Im zweiten Teil wird dann konkret über die Haltung gesprochen. Dabei geben die beiden Referenten ihren Zuhörern wertvolle Tipps mit auf den Weg und weisen auch auf die rechtlichen Vorgaben beim Halten von Hühnern in Kleinbeständen hin.

„Private Hühnerhaltung ist nicht kompliziert und viel leichter umzusetzen, als man vielleicht denkt“, sagt Lorenz.

„Analoge“Hühnerhaltung

Aufschlussreich war für den Landwirt vor allem die Erkenntnis, wer sich alles für die Hühnerhaltung im Kleinen interessiert. „Unter den Zuhörern waren eine Handvoll Landwirte und Kleintierzüchter. Der Rest waren komplette Neueinsteiger, die mit dem Thema bislang noch überhaupt nichts am Hut hatten “, so Lorenz, der sich in seiner persönlichen These bestätigt sieht, dass der Mensch auf der Suche nach Normalität und Entschleunigung im Alltag ist. „In unserer immer schneller werdenden, digitalisierten Welt wollen viele Mensch zurück zum Analogen, zur Natur. Und sei es nur, indem sie ihre eigenen fünf Hühner füttern und sich von ihnen mit einem frischen Frühstücksei belohnen lassen“, so Lorenz.

Wer jetzt Lust auf Hühnerhaltung bekommen hat: Ein weiterer „Do hosch zehn Eier“-Vortrag ist voraussichtlich erst wieder im kommenden Winter geplant.

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