Ein Loch im Lehmboden dient als Safe für den Silberschatz

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Redakteurin Ellwangen/stellv. Redaktionsleitung

So viele Menschen drängen sich selten um zwei Vitrinen. Rund 100 Gäste im Alamannenmuseum wollten gestern nach den Eröffnungsreden auch sehen, welche Funde die Tübinger Studenten für Ellwangen zusammengestellt haben.

1987 fanden Bauarbeiter einen kleinen Tonbecher voller Silbermünzen, Knöpfe und einer Gürtelschnalle in Ladenburg. Er war im Lehmboden eines Anbaus an einen mittelalterlichen Wohnturm verborgen. Irgendwann zwischen 1312 und 1355 ist er dort versteckt worden, denn nur so lange wurde die neueste Münze aus dem Fund geprägt. Es war eine Zeit voller Kriege und sozialer Unruhen, sagte Dr. Anke Scholz vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters an der Universität Tübingen, die das Projekt betreut hat. Ob der Becher deshalb vergraben wurde oder aus Angst vor Dieben, ist unklar, auch wer dort gewohnt hat und warum der Schatz nie wieder ausgegraben wurde, ließ sich nicht mehr feststellen. Er hat wohl einem Kaufmann oder Händler aus dem gehobenen Mittelstand gehört, der das Silber der kaputten Gürtelschnalle später wieder einschmelzen wollte, sagte Scholz.

So klein die Sonderschau ist, so neu ist das Konzept. Während sich sonst Münzforscher und Kunsthistoriker solcher Schatzfunde annehmen, haben jetzt die Mittelalterarchäologen versucht, sich ein Gesamtbild zu verschaffen, erläuterte Scholz den Besuchern.

Ihre Ergebnisse haben die Studenten für das Museum anschaulich gemacht, wofür sich Scholz, Oberbürgermeister Karl Hilsenbek, Museumsleiter Andreas Gut, die Prorektorin der Universität, Professor Stefanie Gropper, und die frühere Leiterin des Instituts, Professor Barbara Scholkmann bedankten.

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