Ein „Eulennest“ auf der Streuobstwiese

Lesedauer: 6 Min

Die Streuobstwiese für den Naturkindergarten „Eulennest“ ist zu jeder Jahreszeit schön.
Die Streuobstwiese für den Naturkindergarten „Eulennest“ ist zu jeder Jahreszeit schön. (Foto: Kratky)

Es ist fast alles zusammengetragen für den künftigen Naturkindergarten „Eulennest“ in der Nähe des Wagnershofs. Fehlen nur noch die Kinder. Deshalb geht die Stadt Ellwangen jetzt in die Offensive. Bei einer Infoveranstaltung am 18. Januar um 18 Uhr im Palais Adelmann können sich Eltern über das neue Betreuungsangebot informieren. Mindestens fünf, maximal 20 Anmeldungen vorausgesetzt, kann’s im Frühling losgehen, sagte Bürgermeister Volker Grab bei einem Pressegespräch im Rathaus.

Eine Streuobstwiese unterhalb des Wagnershofs, ein Bauwagen, drei engagierte Erzieherinnen und ein Konzept „auf drei Beinen“: Das ist das Material fürs „Eulennest“. Eine ganz andere Form der Betreuung als früher sei das, sagte Grab beim Pressegespräch, eine Ergänzung der bislang sechs städtischen Einrichtungen, bei der man dem Wunsch von immer mehr Eltern nach alternativer Betreuung Rechnung trage.

Erstes Projekt versandet

Diesen Wunsch gab es schon lange, bereits vor mehr als zehn Jahren hatte sich einmal eine Elterninitiative für einen Naturkindergarten eingesetzt. „Aber die Sache dauerte zu lange, die Kinder dieser Eltern kamen in die Schule und dann versandete das Projekt“, erinnert sich der Bürgermeister.

Anders diesmal. Die Stadt forcierte die Idee und fand in Iris Kupfer, Sybille Kirchberger und Christa Krockenberger drei Erzieherinnen, die zusammen mit Bernd Beckler und Vera May vom Amt für Bildung und Soziales ein Konzept erarbeiteten. Die „3K“ bestanden zwei Diskussionsrunden im Gemeinderat, der am Ende „mit großem Mehrheitsbeschluss“ dem „Eulennest“ zustimmte, 80 000 Euro stehen im Haushalt 2018 dafür bereit. „Im zweiten Quartal und damit zwischen dem 1. April und dem 30. Juni möchten wir beginnen“, sagte Grab.

Bewegungsdrang ausleben

Das Eulennest ist für Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt gedacht. Sie werden fast ihre ganze Kindergartenzeit über draußen sein, und die Erzieherinnen mit ihnen. Genau richtig finden sie das, und dann erklärt Iris Kupfer die „drei Beine“: Erstens sei die Bewegung draußen wichtig, die Kinder können ihren großen Bewegungsdrang ausleben. Zweitens gehe es um den Aufenthalt in der Natur – nur was man kenne und schätze, wolle man sptäter auch schützen. Und drittens sei das freie Spiel in Kleingruppen wertvoll.

Ob draußen zu sein bei Wind und Wetter die Kinder krank mache? Im Gegenteil, versichert Sybille Kirchberger: „Sie haben ein besseres Immunsystem und stecken sich viel weniger an als Kinder in geschlossenen Räumen.“ Das habe sich in anderen Naturkindergärten betsätigt.

Parken am Wagnershof

Die Streuobstwiese findet Christa Krockenberger ideal. Der Wald sei nah, aber nicht zu nah, um bei Wind eine Gefahr darzustellen. Das Obst von der Wiese könne man verarbeiten, auch einen Kräuter- oder Gemüsegarten anlegen. Und die Nähe zum Wagnershof sei praktisch. Dort können die Eltern morgens parken, von dort führen die Erzieherinnen die Kinder zum Eulennest. Von dort kann man Wasser in Behältern zur Streuobstwiese tragen, und bei besonders widrigem Wetter biete der Hof auch Schutz.

Ansonsten dient dafür der umgebaute, beheizbare Forstwagen, den die Stadt angeschafft hat. Mit 2,40 Breite und zehn Metern Länge sei er groß genug, dass 20 Kinder hineinpassen. „Beim Vesper rücken sie halt zusammen“, schmunzelt Krockenberger. Jedes Kind hat ein Fach für Wechselkleidung, und auf einer oberen Ebene gibt’s eine Kuschelecke. Vorhanden ist auch eine Komposttoilette. Was es nicht gibt, sind Spielsachen wie in anderen Kindergärten üblich. „Unser Material finden wir in der Natur, denn die Natur ist der beste Lehrmeister. Außer Schubkarre, Schaufel und Rechen brauchen wir nicht viel“, so Krockenberger. Doch: „Ein Schnitzmesser.“ Damit gehen die Kinder natürlich nur unter Aufsicht um.

An die Beobachtungen der Kinder anknüpfen mit Liedern, Geschichten und beim Basteln wollen die „3K“, auch werden sie den üblichen Orientierungsplan erfüllen und für jedes Kind ein Portfolio anlegen. „Wir wollen eine ganzheitliche Erziehung“, sagt Krockenberger.

Von den bestehenden Kindergärten komme Zustimmung. „Einige haben bereits angefragt“, so Beckler, „ob sie auch einmal mit Gruppen kommen und eine Woche im Eulennest verbringen können.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen