Domkapitular kritisiert deutsche Waffenexporte

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Domkapitular Heinz Detlef Stäps (links) zusammen mit Samuel Almardini, einem Flüchtling aus Syrien.
Domkapitular Heinz Detlef Stäps (links) zusammen mit Samuel Almardini, einem Flüchtling aus Syrien. (Foto: Josef Schneider)
Josef Schneider

Nicht erst seit Beginn der Flüchtlingskrise engagiert sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart mit verschiedenen Projekten, um Menschen in ihren Heimatländern zu helfen und ihnen dort ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Domkapitular Heinz Detlef Stäps berichtete darüber am Donnerstagabend vor über 50 Interessierten im Jeningenheim. Stäps ist Leiter der Hauptabteilung Weltkirche im Bischöflichen Ordinariat.

Jesus habe sich mit allen Menschen in Not identifiziert, mit den Fremden, den Obdachlosen und den Flüchtlingen, sagte Stäps. 46 Prozent der Flüchtlinge weltweit seien unter 18 Jahre alt. In Afrika flüchteten Menschen nur mit dem, was sie auf dem Leib tragen, durch die Sahara. „Ich möchte nicht wissen, wie viele schon im Sand der Sahara liegen.“ Stäps sprach sich deshalb dafür aus, die Fluchtursachen zu bekämpfen. Dies seien Armut, Hunger, Krieg, Gewalt, politische, ethnische und religiöse Verfolgung, Naturkatastrophen und Umweltzerstörung.

1031 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte

„Die Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein“, ging der Kirchenmann auf die Konflikte in der Ukraine, im Irak und im Jemen, in Palästina, Syrien, Libyen, Nigeria, Kongo, Burundi, Südsudan und anderen Ländern ein. Er sei bestürzt, dass Deutschland an so vielen gewalttätigen Konflikten beteiligt sei, kritisierte Stäps die deutschen Waffenexporte. 2015 habe es 1031 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland gegeben. „Flüchtlinge sind der Gewalt direkt ausgesetzt.“ Ausländerfeindlichkeit gebe es auch in der Mitte der Kirche.

Der Libanon habe rund vier Millionen Einwohner und über eine Million Flüchtlinge aus Syrien bei sich aufgenommen, sagte Stäps. Wenn man diese Zahlen in Bezug auf die Bevölkerung von Deutschland zu Grunde legte, müssten wir 20 Millionen Flüchtlinge aufnehmen. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart sei mit Hilfsprojekten in 80 Ländern präsent, berichtete der Domkapitular von 26,15 Millionen Euro, die 2015 dafür ausgegeben wurden. „Wir bekommen pro Jahr etwa 1200 Anträge aus aller Welt.“ 50 Prozent davon könne man machen.

Menschen eine Chance geben

Die Hilfen reichen von Nahrungsmittel-, Hygieneartikel- und Kleidungshilfen über Zelte und Betten bis hin zum Bau von Häusern, Schulen, Kindergärten, Kirchen und Containersiedlungen für Flüchtlinge. Man wolle nicht nur Soforthilfe leisten, sondern auch die Nachhaltigkeit und Zukunftsperspektiven im Blick halten und Versöhnungsprozesse fördern. Schulbildung für Kinder und Ausbildung für Frauen und Mädchen liegen der Diözese am Herzen, um mit Bildung Menschen eine Chance zu geben.

Stäps berichtete über seine Auslandsreisen 2015 und 2016 in Flüchtlingsgebiete, so in den Nordirak: Die Stadt Erbil habe mehr Flüchtlinge aufgenommen als Deutschland im ganzen Jahr 2015.

Der Katholik Samuel Almardini, ein Flüchtling aus Damaskus in Syrien, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Westhausen lebt, berichtete über die Gründe seiner Flucht: „Der Tod war allgegenwärtig.“ Die Kirche solle sich gegen deutsche Waffenexporte einsetzen, forderte ein Zuhörer, denn: „Alle Waffen geraten in falsche Hände.“ Und Comboni-Missionar Pater Reinhold Baumann zitierte Papst Franziskus: „Rüstung tötet.“

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