Die Schwarze Schar zieht in Ellwangen ein

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Endlich ist es dunkel, sogar die neue Eisdiele in der Marienstraße hat jetzt ihr gleißendes Licht gelöscht. In der Ferne meint man schon Trommeln zu vernehmen. Doch zuerst ist Gesang zu hören.

Eine Gruppe von etwa zehn mutmaßlich Maskierten, den Stimmen nach sind es Frauen, zieht vom Fuchseck die Spitalstraße berg-an – in die Richtung, aus der alle die Schwarze Schar erwarten. Sie tragen dunkle Lockenperücken und gemusterte Gewänder. Mehr ist nicht zu sehen. Ihr klagender Gesang wirkt vage orientalisch-afrikanisch. Eine Protestaktion gegen die geheimnisumwitterte Schwarze Schar? Kommt es zu einem Zusammenstoß?

Der Gesang verliert sich, die Trommelschläge kommen näher. Jetzt naht im Fackelschein der Moment, auf den die Stadt ein Jahr gewartet hat. Vorweg marschieren die schwarz gewandeten Trommler, dahinter springt der Schellenbaumträger. Gemessenen Schrittes folgen die Fackelträger, nur für kurze Momente sind Augenpaare hinter den schwarzen Masken zu erahnen.

Darauf hat die Stadt ein Jahr lang gewartet

Ein paar winken mit ihrer freien Hand in die Menge. Es ist ein langer Zug, vielleicht 90, vielleicht 100 vermummte Gestalten in schwarzen Dominos mit blau-roten Schärpen. Doch viel zu schnell verhallen die Trommelschläge in der Nacht. Die Schwarze Schar ist wiedergekehrt. Wen wird der beißende Spott ihrer gereimten Vierzeiler diesmal treffen?

Die Spottverse 2019 – ein Auszug:

Müsste man sechs Reime singen, die euch gleich zum Jubeln bringen, wären das auf „Hilsenbek“: weg, weg, weg, weg, weg und weg.

Eigentlich muss zynisch klingen, wenn laut Frick vor allen Dingen Berthold Weiß befangen sei – und er selbst von Zweifeln frei.

Ruft der Renschler „Ungeheuer!“ Und es heult Matthias Steuer, dann ist’s nachts im Schloss soweit: Es erscheint der Ebbe Veit.

„Höher, besser, schneller, weiter!!“ Dies gilt nicht für Bertenbreiter und das Innenstadtniveau – jetzt mit TEDI sowieso.

Montagmorgens bringt Hans Pfeifer seine Tochter, die schon reifer, auf den Zug und denkt gerührt: „So wird sie mir nicht verführt.“

Weber jüngst im Amtsg’richt drinnen schäkerte mit Anwältinnen. Eine rief: „Lass mich in Ruh!“ Und die andere: „Me too!“

Auf dem Schloss, dort in der Stallung bringt das ganze Volk in Wallung Haasen Peter, der vergisst, dass er nicht mehr 20 ist.

Pater Philipp wird sich fragen: „Wie lang muss ich noch ertragen das Geschwätz und all den Mist, der vom Wolfgang Steffel ist?“

Dauser spricht: „Kauft Instrumente, denn das gibt für mich Prozente.“ Deshalb nennt man Wendelin jetzt auch den „Prozentelin“.

Zwischen Musch und der Muslima herrscht wohl raues Praxisklima. Er befiehlt dem armen Tropf: „Das Geschirrtuch kommt vom Kopf!“

Die Schwarze Schar zieht ein.
Eine schaurige Tradition. Maskierte Gestalten ziehen durch die dunklen Straßen in Ellwangen. Bei uns im Video gibt's einen Eindruck davon.
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