Die lange Nacht der Jazz-Giganten

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Vier Stunden Jazz für Feinschmecker hat es am Samstagabend in der Ellwanger Stadthalle gegeben. (Foto: Thomas Siedler)
Schwäbische Zeitung
Petra Rapp-Neumann

Es ist eine Sternstunde des Jazz’ gewesen, als sich die Porsche Bigband, die Daimler Bigband und das Ellwangen Jazz Orchestra mit der „Bigband Battle“ in der rappelvollen Ellwanger Stadthalle einen musikalischen Wettstreit der Extraklasse geliefert haben. Mehr noch, es waren gleich vier Sternstunden in dieser langen, unvergesslichen Jazznacht, in der die Schwaben sozusagen unter sich blieben.

Die Porsche Bigband mit Meinhard „Obi“ Jenne am Pult eröffnete das Duell mit W.C. Handys 1914 komponiertem „St. Louis Blues“ und legte mit Carlos Santanas „Smooth“ und Tommy Dorseys „Song of India“ nach. Da war der Funke längst übergesprungen, das begeisterte Publikum vom Jazzfieber, das schwindelnde Höhen erreichte, und die Zuhörer am Ende von den Sitzen riss, geschüttelt. Mit Count Basies „Ya Gotta Try“, Sammy Nesticos „Windmachine“ und Ralf Hesses für die Porsche-Musiker geschriebenen „Traumfahrt“ legten die großartigen Jungs, wie ihre Kollegen keine Profimusiker, die Messlatte hoch.

In Sinatras Fußstapfen

Die erste Zugabe des Abends war fällig. David Clayton-Thomas‘ „Spinning Wheel“ heizte ein. Klaus Graf und seine vor 14 Jahren gegründete Daimler Bigband brillierten mit Sy Olivers „Opus One“, Sammy Nesticos „Hay Burner“ und Ralf Hesses „Light up my day“. Sängerin Karin Fitzel begeisterte mit „Alright, okay, you win“, Michael Wolf trat mit „Learnin‘ the blues“ in Frank Sinatras Fußstapfen.

Einer der Höhepunkte des mit musikalischen Leckerbissen und fantastischen Soli gespickten Abends war Klaus Grafs meisterhaftes Klarinettensolo beim Klassiker „Sing Sing Sing“ des legendären Benny Goodman. Mit Nat King Coles „Route 66“ verabschiedeten sich die Stuttgarter und machten die Bühne frei für das Ellwangen Jazz Orchestra mit Hansjörg Fink und Bandleader Gerhard Ott, dem die Bigband Battle zu danken ist. Er hatte die Idee und knüpfte die Kontakte. Für diesen Abend hatte das Orchester mit Soloposaunist Hansjörg Fink geprobt, der sich mit „A Nightingale sang in Berkeley Square“ in die Herzen des Publikums spielte. Das gelang auch Norbert Botschek mühelos mit Bill Robinsons Jazzstandard „Mr. Bojangles“. Mit Latin-Rhythmen fetzte „A Night in Tunisia”, Tanja Gold-Hagel großartig wie immer mit „My Baby just cares for me“. Harold Arlens „Somewhere over the rainbow“ mit Hansjörg Finks virtuosem Posaunensolo brachte die entrückte Stimmung im Saal auf den Punkt. Bei „Mustang Sally“ und Bert Kaempferts „Swinging Safari“ bebte die Halle.

Der nicht enden wollende Beifall von Zuhörern, die es nicht mehr auf den Stühlen hielt, wurde mit „Pick up Pieces“ und den Jazz-Giganten Obi Jenne am Schlagzeug, Klaus Graf am Sax und Hansjörg Fink an der Posaune belohnt . Grandios und nicht mehr zu toppen, dieser sagenhaft gute, swingende Schwaben-Jazz mit Bands, die für diese Musik brennen.

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