Der Profi an der Platte

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Der Syrier Abdul Rahman Jarkas ist Tischtennistrainer des TTC Neunstadt und des TSV Westhausen. Beim Training in der Eichenfeldh
Der Syrier Abdul Rahman Jarkas ist Tischtennistrainer des TTC Neunstadt und des TSV Westhausen. Beim Training in der Eichenfeldh (Foto: af)

So kann erfolgreiche Integration aussehen: Der frühere syrische Nationaltrainer Abdulrahman Jarkas ist es vor wenigen Wochen in der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Ellwangen (LEA) gestrandet. Mittlerweile trainiert er die Tischtennismannschaft des TTC Neunstadt und die Mannschaft des TSV Westhausen. Und alle sind begeistert. Wir haben den Tischtenniscrack beim Training des TTC in der Eichenfeldhalle Neunheim besucht.

Wenn Abdulrahman Jarkas an der Tischtennisplatte steht, leuchten seine Augen. Das ist seine Welt. Kein Wunder, war er doch viele Jahre Trainer der syrischen Nationalmannschaft. Aus seinem Trainingsstall sind allein fünf Bundesligaspieler hervorgegangen und auch europaweit spielen seine Schützlinge in den oberen Ligen. Jarkasan hatte in Aleppo eine eigene Tischtennisschule mit 24 Platten in einer Sporthalle. Heute ist dort alles zerbombt; auch Jarkas ans Halle.

Das Assad-Regime zwang ihn dazu, nur bestimmte Sportler auszubilden. „Das wollte ich nicht, denn jeder, der Tischtennis spielen wollte, sollte das auch tun können“, sagt er. Er beugte sich nicht dem Regime; und wurde deswegen mit dem Tod bedroht. „Ein Zustand, der für mich nicht mehr zu ertragen war“, sagt Jarkas an.

Über Nacht floh er aus Syrien über die Türkei, Griechenland und die Balkanroute nach Deutschland. Anfang Oktober kam Abdulrahman Jarkas schließlich in die LEA in Ellwangen an. Sein neuer Freund Kai Arnold aus Westhausen wurde auf ihn bei einer Versammlung des Freundeskreises Asyl in Westhausen aufmerksam und besuchte ihn in der Landeserstaufnahmestelle.

„Als er mir dort seine Unterkunft zeigte, habe ich mich entschlossen, etwas für ihn zu tun“, erzählt Kai Arnold, der sich seit über zehn Jahren sozial engagiert. Er holte Jarkasan aus der LEA heraus, richtete ihm bei sich in Westhausen eine Wohnung ein, in der der Syrer nun gemeinsam mit seiner Frau Souzan und seinem siebenjähriger Sohn Hasan lebt. Ein Akt der Nächstenliebe, der nur mit Genehmigung des Landratsamtes möglich war. „Danach war der Schritt zum Trainer für den TTC Neunstadt und den TSV Westhausen nicht mehr groß. Wir sind wirklich froh, dass wir ihn haben“, sagen unisono Jürgen Nass, Vorsitzender des TTC und Josef Veile, Vorsitzender des TSV Westhausen. „Er spielt mit viel Herzblut und seine angeschnittenen Aufschläge sind bei unseren Spielern gefürchtet. Er spielt immer offensiv und versucht jeden Punkt zu machen. Diesen Ehrgeiz und seine Spieltechnik gibt er an unsere Spieler weiter“, erzählen Nass und Arnold. Für die Rückrunde geht Abdulrahman Jarkas für den TSV Westhausen auch als Spieler an den Start – natürlich ist er als Nummer eins gesetzt.

Liebeserklärung an die Deutschen

„Das freut mich natürlich“, sagt Abdulrahman Jarkas. „Ich will, dass die Mannschaften nach vorne kommen und gewinnen. Ein Aufstieg ist möglich. Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man das auch“, sagt er voller Euphorie und fügt abschließend noch mit Nachdruck einen Satz an, den er unbedingt veröffentlicht haben möchte: „Ich möchte, dass Sie schreiben, dass in Deutschland die besten Menschen der Welt wohnen. Hier möchte ich zu Hause sein.“

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