Der FCV feiert 55. Geburtstag

Lesedauer: 6 Min
Freier Mitarbeiter

Der Fastnachts-Club Virngrundkrähen (FCV) feiert sein 55-jähriges Bestehen. Einer der Gründer war der gebürtige Kölner Robert Saupp. Gemeinsam mit Kurt Debler hat der mittlerweile 90-Jährige 1964 den Verein ins Leben gerufen. Doch der FCV hat eine Vorgeschichte.

„Die Ellwanger müssen die Fastnacht beleben.“ Das hatte sich Bürgermeister Alois Rothmaier vorgenommen, als er 1954 sein Amt antrat. Er stammt aus Bad Wurzach und kannte die alemannische Fastnacht. Der Bürgermeister sprach einige Ellwanger an, wie Kürschnermeister Anton Eberle, „Leder Böcker“, Kunstmaler Erich Pörner, Drogist Wilhelm Gutekunst, Meinrad Mächler, „Zigarren Sperrle“ und Anna Fischer. Mit ihnen gründete er 1955 die Tintenschlecke. Pörner entwarf das Kostüm voller Kleckse und Drogist Gutekunst braute einen blauen Likör, das war die Tinte. Kopfbedeckung war ein Paragraphenzeichen und jeder Tintenschlecker hatte einen Federhalter, erzählt Robert Saupp: „Die Tintenschlecker sollten eine Persiflage auf die Bürokratie sein.“ Die kannte Saupp selbst ganz gut. Er war seit 1953 Kassenleiter der Stadt, ab 1958 Stadtkämmerer und von 1979 bis zur Pensionierung 1988 zweiter Bürgermeister.

1955 gab es den ersten Faschingsumzug in der Stadt und die erste Prunksitzung der Tintenschlecker in der Stadthalle. Der damalige städtische Musikdirektor Bayer textete und komponierte dafür zwei Lieder: auf die Amtsstuben den Marsch „Muffig, muffig ist die Luft“ und auf den Virngrund-Elch den Walzer „Der Elch, der ist ein treues Tier“. Bei den Tintenschleckern machte Saupp als Hofnarr und hielt er seine erste Büttenrede.

Karrussellpferdchen dienten als Amtsschimmel

Tintenschlecker und Harlekine saßen bei den Sitzungen auf Karussellpferdchen, die sollten Amtsschimmel darstellen. „Wenn ich eine Rede gehalten habe, hieß es, der Amtsschimmel wiehert“, so Saupp. 1960 gründete die Belegschaft der Stadt mit Kurt Debler, Theo Preker, Dieter Mendler, Doris Mende und anderen den Virngrundkrähenchor. Aus den Fastnachtsveranstaltungen der Schützen, des Tennisclubs, des TSV und der Kolpingsfamilie pickte sich Rothmaier die Rosinen raus und engagierte sie für die Prunksitzungen. Einer der ganz großen Macher war der Kolpingbruder und Schmied „Ruppa Schorsch“.

Rothmaier starb 1962 bei einem Verkehrsunfall, damit nahm die Bereitschaft der Vereine, an Prunksitzungen teilzunehmen, ab. So gründete der Virngrundkrähenchor den FCV am 12. Juni 1964 im „Wilden Mann“. Bis zur ersten Hauptversammlung1965 war die Mitgliederzahl von zwölf auf 133 angewachsen.

Doch wie aus den „Virngrundkrähen“ einen spritzigen Vereinsnamen machen? Da kam das Ehepaar Hans und Renate Hirschmiller ins Spiel. Renate Hirschmiller stammte aus dem Mainzer Raum und nahm regelmäßig an den Mainzer Karnevalsitzungen teil. Den Schlachtruf „Helau“ übernahm man auch für Ellwangen.

„Dann habe ich vorgeschlagen, als Name Fastnachts-Club Virngrundkrähen zu wählen, abgekürzt FCV, weil FCV sich auf Helau wunderbar gereimt hat“, berichtet Saupp, der auch die Satzung entwarf und Vizepräsident wurde. Erster Präsident wurde Max Steinacher, als gebürtiger Riedlinger von Jugend an Fastnachter.

Die erste FCV-Prunksitzung in der Stadthalle ging 1965 über die Bühne, sie wurde ausschließlich von Vereinsmitgliedern getragen. „Da habe ich immer den Prolog gemacht“, erzählt Saupp. Jahrelang trat er bei den ausverkauften Prunksitzungenals Philosoph auf und philosophierte wortgewandt und humorvoll über alles Mögliche. Zwischendurch begeisterte er als Gepäckträger oder Flitterwöchner.

Auch für andere Büttenredner schrieb er Texte. Und mit Kurt Debler, dem politischen „Michele“, verfasste er für den Virngrundkrähenchor, bei dem er auch mitsang, Persiflagen auf lokale, nationale und internationale Ereignisse. Im Männerballett glänzte der Kölner Import ebenfalls.

Jedes Jahr ein neuer Fastnachtsschlager

Otto Weber („Farben Weber“) und Josef Pfitzer glossierten als „Häfele und Säuerle“ auf Schwäbisch alles, was ihnen unterkam. Die Texte stammten von Walter Braun. Ebenfalls aus der ersten FCV-Sitzung stammt der Faschingsschlager „Diogenes“. Und weil der so gut ankam, schrieb Engelbert Hölzle jedes Jahr einen neuen.

Die Tintenschlecker sind heute Mitglieder im FCV, aber mit eigener Abteilung. Von„Der Pennäler Schnitzelbank“ hingegen wurde der neue Verein argwöhnisch beobachtet und als Konkurrenz betrachtet. „Die haben sich gewaltig verrechnet. Aus dem FCV ist ein schöner, großer Verein geworden“, bilanziert Robert Saupp.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen