Der Ellwanger Religionsrat liegt auf Eis

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 Kurze Wege: Die großen Kirchen sind in Ellwangen quasi Nachbarn. Wohl auch deshalb hat das Projekt eines Religionsrats nicht di
Kurze Wege: Die großen Kirchen sind in Ellwangen quasi Nachbarn. Wohl auch deshalb hat das Projekt eines Religionsrats nicht die höchste Priorität. (Foto: fg)

In Ellwangen wird sich voraussichtlich kein lokaler Rat der Religionen bilden. Die Stadt ist eine der ersten Partnerkommunen gewesen, als das baden-württembergische Sozialministerium diese Initiative im Dezember 2017 angekündigt hatte. In Ellwangen wird jedoch die Notwendigkeit für ein solches Gremium nicht überall gesehen.

Ende des Jahres 2017 hatte das baden-württembergische Sozialministerium angekündigt, dass sich in den Städten Ellwangen, Freiburg im Breisgau, Ravensburg und Sinsheim lokale Räte der Religionen gründen werden. Die Gründung der lokalen Räte war laut einer Pressemitteilung für Anfang des Jahres 2018 erwartet worden. Über ein Jahr später ist in Ellwangen noch nichts passiert: Nach Auskunft von Anselm Grupp, dem Pressesprecher der Stadt, sei der richtige Ansatz hierfür noch nicht gefunden worden. Vielleicht sei ein institutionalisierter Rat letztlich auch nicht notwendig, denn das Miteinander der Nationalitäten und Religionen in Ellwangen klappe ja, sagte Grupp.

Das bestätigt auch Pfarrer Michael Windisch von der katholischen Seelsorgeeinheit Ellwangen. Wenn es zwischen den Religionsgemeinschaften und ihren Vertretern etwas zu besprechen gebe, „dann gibt es immer die Möglichkeit, sich miteinander an einen Tisch zu setzen“, sagt der katholische Seelsorger. Eine Institution wie den Rat der Religionen brauche es hierfür nicht unbedingt. Außerdem, so Windisch, habe er nicht den Eindruck, dass jemand einen Rat der Religionen wünsche.

Stadt ist von kurzen Wegen geprägt

In größeren Städten kann sich der katholische Pfarrer solch eine Institution durchaus vorstellen. Die Stadt Ellwangen sei dagegen von kurzen Wegen und überschaubaren Strukturen geprägt. Windisch erinnerte zum Beispiel an die ökumenische Andacht zur Friedensdekade, bei denen die Gebetsstationen von muslimischen Bewohnern der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge mitgestaltet worden seien.

„Wir sind herzlich gern bereit, mit Vertreterinnen und Vertretern aller Religionen zu sprechen, in welcher Form auch immer“, betont die evangelische Pfarrerin Uta Knauss. Ein Rat der Religionen könne solch eine Form sein, es seien aber auch andere denkbar, sagte Knauss.

Wie das Sozialministerium mitteilt, sind derzeit elf Städte daran interessiert, lokale Religionsräte einzurichten. Friedrichshafen und Ravensburg hätten bereits ihre feste Absicht dazu bekundet, erklärte der Pressesprecher des Ministeriums, Markus Jox, gegenüber der „Ipf- und Jagst-Zeitung“. Weitere interessierte Kommunen seien Biberach, Heilbronn, Karlsruhe, Neckarsulm, Offenburg, Pforzheim, Reutlingen, Rottenburg und Sinsheim.

Ellwangen habe dagegen gegenüber der Stiftung Weltethos, mit der das Ministerium kooperiert, dagegen vor Kurzem angedeutet, keinen Religionsrat gründen zu wollen. Pressesprecher Jox äußerte dafür Verständnis, „da jede Kommune bei der Gründung eines solchen Rates ihren Weg eigenverantwortlich geht und sich Rahmenbedingungen, Konstellationen und Akteure vor Ort ändern können.“ Auch Freiburg im Breisgau habe inzwischen signalisiert, diesen Weg nicht weiter gehen zu wollen.

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