Der Ellwanger Peter Jung ist ein Arzt für Afrika

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Gemeinsam bereiten sie den Benefizabend für Ärzte für Afrika vor (von links):Ursula Ermisch, Jutta Krebs, Chefarzt Peter Jung,
Gemeinsam bereiten sie den Benefizabend für Ärzte für Afrika vor (von links):Ursula Ermisch, Jutta Krebs, Chefarzt Peter Jung, Sabine Rupp und Andrea Batz. (Foto: Rapp-Neumann)

Beim Benefizabend am Samstag, 15. September, um 20 Uhr im Palais Adelmann informiert Jung in Wort und Bild über Ärzte für Afrika und sein Wirken in Ghana. Ursula Ermisch und Jutta Krebs lesen internationale Geschichten. Die Krawallschachteln Andrea Batz und Sabine Rupp umrahmen den Abend musikalisch. Auf einem kleinen Basar wird „edle Kunst und feiner Krempel“ zum Verkauf angeboten. Die Theatermenschen bewirten. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende von zehn Euro zur Unterstützung der Ärzte für Afrika wird gebeten.

Mit ihrem Faible für schwarzen Humor hält Ursula Ermisch die Zuhörer mörderisch spannender Krimileseabende in Atem und begeistert als Vorleserin von Format bei den sommerlichen Geschichten zur guten Nacht. Wer sie näher kennt, der weiß, dass sie ein großes Herz hat. Sie organisierte Benefizabende für die Jugend des Ellwanger THW und für Ärzte ohne Grenzen, die jeweils 1000 Euro einspielten. Die Einnahmen des dritten musikalisch-literarischen Abends kommen den Ärzten für Afrika zugute. Peter Jung, Chefarzt der Urologischen Abteilung der Sankt-Anna-Virngrund-Klinik, ist einer von ihnen. Im November reist Jung zum sechsten Mal nach Ghana, um Patienten ehrenamtlich zu operieren und zu behandeln.

Peter Jung ist kein Mann großer Worte. Nüchtern und zugleich bewegend schildert er die Not der Kranken in Ghana. Urologische Erkrankungen wie Prostatavergrößerung, Nierensteine oder Blasenscheidenfisteln führten nicht nur zu Einschränkungen des täglichen Lebens, sondern zur Stigmatisierung: „Blasenscheidenfisteln treten bei jungen Mädchen nach frühen Schwangerschaften auf“, erläutert Jung. „Urin tritt an der Harnröhre vorbei unkontrolliert aus“. Für rund 28 Millionen Ghanaer gebe es nur etwa 25 Urologen: „Junge Fachärzte wandern nach Südafrika ab, weil sie dort mehr verdienen.“

Die Tätigkeit des Vereins Ärzte für Afrika mit Sitz in Münster konzentriert sich auf die Verbesserung der urologischen Versorgung in Ghana durch regelmäßige Operationseinsätze und Schulungen des einheimischen medizinischen Personals. Die Nicht-Regierungsorganisation entsendet zweimal im Jahr zwei urologische Teams für zwei Wochen in sechs Krankenhäuser im Süden des westafrikanischen Landes. Peter Jung ist seit 2011 Mitglied des Vereins, der sich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert. Die Anreise erfolgt in zwei Etappen über Amsterdam nach Accra. Einen Teil der Flugkosten trägt Jung selbst. Von der Hauptstadt geht die Reise im Jeep weiter in eines der Krankenhäuser im Süden Ghanas.

Sechs Monate warten bis zur nächsten Behandlung

„Nach der Ankunft am Freitag werden die OP-Instrumente sterilisiert“, so der Chefarzt. „Am Samstag geht es dann los. Oft kommen Patienten von weit her wie ein Mädchen mit einem Nierenstein, das in drei Tagen 1000 Kilometer zurückgelegt hat.“ Alle Patienten seien zuvor auf Aids getestet worden. Das Team erstelle einen OP-Plan: „Wegen der Nachsorge beginnen wir mit schwierigen Operationen.“ Am Nachmittag sei Visite und Versorgung ambulanter Patienten. Weil die meisten nicht krankenversichert seien, verfügten die Krankenhäuser kaum über finanzielle Mittel. Der Verein unterstützt die Hospitäler bei jedem Einsatz mit 2000 Euro. „In zwei Krankenhäusern haben wir ein Hygieneprojekt gestartet und wollen Notstromgeneratoren einrichten.“ Die Ärzte müssten sich damit abfinden, dass der Strom immer wieder ausfalle. Viel schwerer zu ertragen sei, dass manche Krebspatienten, die in Deutschland mit Erfolg behandelt werden könnten, dem Tod geweiht zurückgelassen werden und andere ein halbes Jahr bis zur nächsten Behandlung durch Ärzte für Afrika warten müssten.

Es wurde dem deutschen Arzt nicht leicht gemacht, zu helfen. Jung musste beglaubigte Nachweise seiner medizinischen Laufbahn und muss bei jedem Einsatz ein aktuelles Leumundszeugnis vorlegen. Nach anfänglicher Skepsis entsende die Universität in Accra Assistenz- und Oberärzte zu den Operationen: „Sie können die Nachsorge der Patienten übernehmen. Die meisten bleiben so lang im Krankenhaus, bis sie gesund sind.“ Vor der Abreise werde sämtliches OP-Equipment in Accra eingelagert: „Man geht nicht sorgsam genug damit um.“

Beim Benefizabend am Samstag, 15. September, um 20 Uhr im Palais Adelmann informiert Jung in Wort und Bild über Ärzte für Afrika und sein Wirken in Ghana. Ursula Ermisch und Jutta Krebs lesen internationale Geschichten. Die Krawallschachteln Andrea Batz und Sabine Rupp umrahmen den Abend musikalisch. Auf einem kleinen Basar wird „edle Kunst und feiner Krempel“ zum Verkauf angeboten. Die Theatermenschen bewirten. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende von zehn Euro zur Unterstützung der Ärzte für Afrika wird gebeten.

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