Das Schlossmuseum braucht Unterstützer

Lesedauer: 6 Min
Das Schlossmuseum in Ellwangen ist ein Schmuckstück für die Stadt. Um es weiter zu erhalten, wirbt der Geschichts- und Altertums
Das Schlossmuseum in Ellwangen ist ein Schmuckstück für die Stadt. Um es weiter zu erhalten, wirbt der Geschichts- und Altertumsverein um neue Mitglieder. Von links: Manfred Saller, Matthias Steuer und Joachim Renschler vor einem Teil der historischen (Foto: gr)
Redakteurin Ellwangen/stellv. Redaktionsleitung

Ellwangen ohne Schlossmuseum? Nicht vorstellbar. Seit über 100 Jahren zeigt der Geschichts- und Altertumsverein hier seine Sammlung zur Stadtgeschichte und Fürstpropstei. Die Kosten sind bisher aus den Mitgliederbeiträgen bestritten worden. Weil dem Verein die Mitglieder wegsterben, wird das immer schwieriger.

730 Mitglieder hatte der Verein noch vor zehn, zwölf Jahren. Jetzt sind es noch 592. Sie bringen jedes Jahr die 6000 bis 8000 Euro auf, die das Schlossmuseum kostet. Zwar zahlt der Verein – wie alle Museen in den staatlichen Schlössern – keine Miete. Aber Strom, die Wartung der Alarmanlagen, Versicherungen und Restaurierungen, das alles kostet. Nur die Heizung fällt nicht ins Gewicht, weil die meisten der 16 Räume des Museums gar nicht beheizt werden können.

Ein Unikum in der Museumslandschaft

Ein Teil wird über Eintritte finanziert. 6000 bis 8000 Besucher kommen jedes Jahr ins Schlossmuseum. Etwa die Hälfte zu Führungen, die Matthias Steuer für alle Altersklassen und zu ganz unterschiedlichen Themen anbietet.

Wenn Figuren restauriert oder Rollos und Folien angeschafft werden müssen, um die wertvollen Exponate vor der Sonne zu schützen, zahlt das Land die Hälfte. Und die Stadt unterstützt den Verein, in dem sie Matthias Steuer als Museumsleiter quasi stundenweise an den Verein ausleiht. Bei allem anderen ist der Verein gefordert. Es ist übrigens der einzige Verein, der in einem der staatlichen Schlösser in Baden-Württemberg ein Museum betreibt, sagt Matthias Steuer. „Wir sind ein Unikum“, sagt Manfred Saller. Doch davon kann man sich nichts kaufen.

Früher, sagt Vorsitzender Joachim Renschler, war es selbstverständlich, dass die Familie die Vereinsmitgliedschaft übernimmt, wenn jemand gestorben war. Heute ist das nicht mehr so. Das Geld fürs Museum muss trotzdem aufgebracht werden. Deshalb wurde der Jahresbeitrag von 30 auf 40 Euro erhöht. Und der Verein versucht, neue und jüngere Mitglieder zu gewinnen.

„Wir machen uns Gedanken, wie wir junge Leute motivieren können beizutreten und wie wir mehr Besucher bekommen“, sagt Renschler. Dabei helfen Kooperationen. Zum Beispiel mit Michael Hoffmann vom Peutinger-Gymnasium. Er war schon mehrfach mit seinen Klassen im Museum und hat sie dort über die neuere Ellwanger Geschichte forschen lassen. Es ließe sich auch Unterricht halten im Museum. Zum Beispiel beim Thema Absolutismus. „Aber der Lehrplan gibt das nicht her“, bedauert Renschler. „Dabei haben wir so tolle Dinge, die auch über Ellwangen hinausgehen.“ Der Verein möchte auch eine Anlaufstelle für private Sammlungen sein, wenn er auch nicht alles ausstellen kann.

Einfacher ist es bei den Seminarkursen in den höheren Klassen. Aber da begegnet der Verein immer wieder dem Vorwurf, er mache ja nur die Zeit vor und während der Fürstpropstei, sagt Saller. Er möchte diese Grenze und den Verein öffnen auch für die Zeit nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Räume dafür gibt es im Schloss. Auch für die Forschungen von Hans-Dieter Bolten über die Sandbergwerke in der Stadt und die Gaststätten, die immer auf großes Interesse stoßen und denen eine Sonderausstellung gewidmet wird.

Inhaltliche Neuorientierung mit neuem Vorstand

Kooperationen gibt es auch mit dem Stiftsbund (zum Beispiel bei den Schlosskonzerten) und dem Kunstverein. Saller könnte sich eine ganze Kulturetage im Schloss vorstellen. Schon jetzt teilen sich Museum und Kunstverein die oberste Etage. Da ließen sich sicher noch mehr Verbindungen finden, glaubt er. Zu gemeinsamen Exkursionen laden Stiftsbund und Geschichtsverein jetzt schon ein, manchmal ist auch noch das Alamannenmuseum mit im Boot. Mit der Musikschule gibt es Konzerte, für die dann eigens die historischen Instrumente aus den Vitrinen geholt und gespielt werden.

Eine inhaltliche Neuorientierung soll der neue Vorstand in Angriff nehmen. Im September wird gewählt. Renschler tritt als Vorsitzender nicht mehr an. Eine Nachfolge zeichnet sich ab. Und eine neue Struktur, bei der nicht mehr einer alles macht, sondern die Arbeit auf ein Team verteilt wird. Denn die Aufgaben werden vielfältiger und die Bürokratie größer. Allein die neue Datenschutzrichtlinie für Vereine hat 34 Seiten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen