Das passt auf keine Elefantenhaut – Ausflug in das Gehirn eines Onliner-Redakteurs

 Die gesamte Bibel auf die Haut eines Elefanten geschrieben? Das klingt so unwahrscheinlich, dass es nicht stimmen kann. Tut es
Die gesamte Bibel auf die Haut eines Elefanten geschrieben? Das klingt so unwahrscheinlich, dass es nicht stimmen kann. Tut es auch nicht. (Foto: Christoph Soeder/dpa)
Redakteur / Regio-Onliner Ostalb

Diese Kolumne begibt sich mit viel Gewicht auf dünnes Eis. Sie könnte sprichwörtlich der Elefant im Porzellanladen werden. Unter Umständen wächst eine Mücke auf die Größe eines eben solchen Tieres an. Sie müssen Dickhäuter sein. Denn versprochen: Es ist weder das eine, noch das andere. Auch nicht das Dritte. Und überhaupt.

„Bitte tun Sie das nicht missdeuten“, wie Gerhard Polt sagen würde. Oder auch gerne zitiert: „Bitte missverstehen Sie mich richtig“. Heikle Themen benötigen etliches an Vorrede, um später, wenn nötig, noch den rettenden Rüssel kurz vor dem Ertrinken im See der Entrüstung zu greifen. Denken Sie jetzt nicht an einen Elefanten. Und? Ach, Sie haben bereits zuvor an einen gedacht? Dann hat sich Ihnen derselbe Gedanke in den Kopf gepflanzt, der bereits während der Redaktionskonferenz gesät wurde, keimte und – in sich zusammenfiel.

Und wenn ein solcher Gedanke zusammenfällt, dann rumst es. Vergleichbar mit einem dieser großen, oft grauen Tiere. Wenn ein solches umfallen würde – vergessen Sie’s. Machen Sie es anders als der Elefant, der, so sagt man, ein vortreffliches Gedächtnis hat. Sie merken, hier wird ganz gezielt herumgeeiert. Denn es geht um den Tod, eventuell Tierquälerei und Kunst. Und ein elefantengroßes Missverständnis. Begeben Sie sich in das Gehirn eines Online-Redakteurs. Keine Angst, Sie finden wieder heraus.

Die tägliche Redaktionskonferenz läuft bereits. Ein halbes Ohr (ein kleineres als, na, Sie wissen schon) hört den Satz: „Es gibt da einen Pater, der hat die Bibel auf einen Elefanten geschrieben.“ Wie bitte? Ein Satz, der wie aus einem Rüssel trompetet im digitalen Oberstübchen widerhallt. Bilder entstehen, Worte verschwimmen. Lebt das Tier noch? Hat die ganze Bibel darauf gepasst? Ist das legal? Wie viel Meter Haut hat so ein Elefant überhaupt? Und die wichtigste Frage: „Was zum...?!“ Die Konferenz läuft noch. „... er hat es auf Elefantenhaut geschrieben.“ Bilder entstehen, Worte verschwimmen.

Wir brauchen Fotos. Und den Text. Schnell. Die Klicks der User sind geradezu hörbar. So laut wie das Trampeln einer ganzen Herde. Ebenso platt liegt man da, wenn die Stampede der Ernüchterung über einen hinweggefegt ist. „Das hat nichts mit Elefanten zu tun. Das heißt nur so“, sagt der zuständige Kollege auf Nachfrage, ob der Text schon da ist und die Bilder und überhaupt, wann geht es damit online. Auf die Enttäuschung folgt irgendwo auch ein wenig Erleichterung. Immerhin geht es dem Elefanten gut.

Nicht so Pater Hugo Weihermüller, der zwölf Jahre seines Lebens damit zugebracht hat, die Bibel auf 1600 Seiten „Elefantenhaut“ (Pergamentpapier) abzuschreiben. Er starb im vergangenen Jahr in Ellwangen. Ihm soll hiermit Respekt und Anerkennung zuteilwerden. Die Gedanken eines Online-Redakteurs möge er verzeihen. Das Werk des Paters wird in die Bibliothek oder ins Archiv des Klosters Neresheim aufgenommen. Besichtigen Sie es, wenn es denn möglich ist. Und lassen Sie sich keinen Elefanten aufbinden. Was ein Bärendienst.

Der Jüngste der Redakteure behelligt Sie jede Woche mit seiner Kolumne "Häußlers Homeoffice". (Foto: Weinert / Lämmerhirt)

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