Das Jahr des Sommers

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 Im trockenen Sommer 2018 haben viele Pflanzen die Köpfe hängen lassen.
Im trockenen Sommer 2018 haben viele Pflanzen die Köpfe hängen lassen. (Foto: Archiv- dpa)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

2018 war für die Landwirtschaft wieder einmal ein besonderes Jahr – nicht nur wegen der ausgeprägten Trockenheit. Es wurde auch das 100. landwirtschaftliche Hauptfest in Stuttgart begangen. Es wurde 1818 zusammen mit dem Volksfest ins Leben gerufen, um nach Missernten, Hunger und Not ein Fest zu feiern.

Das Wetter 2018 war zwar nicht wie vor 200 Jahren durch einen Vulkanausbruch geprägt, aber durch andere Extreme. Der Winter war mild mit viel Regen. Danach begann eine lang anhaltende Trockenheit. Von Mitte April bis Mitte Oktober bewegten sich die Temperaturen auf sommerlichem Niveau. Dazu fehlten von Januar bis November rund 150 Millimeter Niederschläge, außer März und Februar waren alle Monate wärmer als im Durchschnitt.

Das warme Frühjahr förderte zunächst das Pflanzenwachstum. Die Niederschläge durch Gewitter waren aber ungleich verteilt, reichten in der Summe aber bis Ende Juli aus. Die Ernte war früher als sonst, die Getreideerträge waren trotz der Trockenheit befriedigend. Auch der Silomais wuchs schnell und musste deutlich früher geerntet werden.

Dramatisch wurde die Situation im August für das Grünland. Ohne Regen wuchs kein Gras, was zu Einbußen zwischen 30 und 50 Prozent führte. Die Futterbaubetriebe mussten sich durch Zukäufe oder verstärktes Verfüttern von Stroh helfen. Darunter leidet die Wirtschaftlichkeit. Dennoch heißt es für die Landwirtschaft auf der Ostalb: Noch einmal davon gekommen.

Gute Bodenstrukutur gegen wetterbedingte Ertragsausfälle

Alle langfristigen Wetteraufzeichnungen zeigen einen Anstieg der mittleren Jahrestemperaturen und die Landwirte merken dies an der immer früheren Ernte. Die meisten Experten erwarten künftig mehr und stärker ausgeprägte Extremwetterereignisse. Wie kann sich die Landwirtschaft an den Klimawandel anpassen? Im Grunde sind die Strategien bekannt. So verringert eine vielfältige Fruchtfolge mit Kulturen, die die Bodenstruktur verbessern, das Risiko von wetterbedingten Ertragsausfällen. Auffällig war, dass Luzerne, eine tiefwurzelnde Futterpflanze, 2018 am längsten durchgehalten hat. Eine echte Alternative zum Mais ist sie aber nicht.

Die Bodenbearbeitung ist darauf auszurichten, dass die Pflanzen möglichst viel Wurzelraum haben und wenig Wasser verdunstet. Auch die Pflanzenzüchtung kann einen Beitrag leisten, allerdings ist dieser Weg lang und aufwendig.

Bei den Ursachen für den Klimawandel wird auch die Landbewirtschaftung genannt. Tatsächlich ist die Landwirtschaft in Deutschland mit rund acht Prozent am Ausstoß von Treibhausgasen beteiligt. An vorderster Stelle steht Lachgas, das im Boden beim Umsatz von stickstoffhaltigen Verbindungen entsteht und besonders klimaschädlich ist. Danach kommen schon die Methanemissionen durch Wiederkäuer wie Rinder. Die Emissionen an Treibhausgasen aus der Landwirtschaft sind aber rückläufig.

Die Land- und Forstwirtschaft trägt auch zum Klimaschutz bei. Pflanzen nehmen bei ihrem Wachstum Kohlenstoffdioxid auf und entlasten die Atmosphäre. Auch beim Aufbau von Humus wird Kohlendioxid im Boden gespeichert. Zudem erzeugt die Landwirtschaft nachwachsende Rohstoffe. 2017 stammten rund acht Prozent des Stromes aus Biomasse, dadurch werden jährlich 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart. Die Einsparungen fallen am größten aus, wenn Mist oder Dünger vergoren werden. Derzeit werden nur noch Biogasanlagen gebaut, die überwiegend mit Reststoffen betrieben werden.

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen im Müll

Im Agrar- und Ernährungsbereich landen elf Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Zwei Drittel davon könnten vermieden werden. Auch der Kauf regionaler und saisonaler Lebensmittel entlastet die Umwelt, weil die Transportwege wegfallen. Beim Klimaschutz gibt es nicht Opfer und Täter. Alle sind aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten.

Die Folgen des Klimawandels sind auch Teil der agrarpolitischen Diskussion. Gegenwärtig werden die Regeln für die EU-Ausgleichsleistungen ab 2020 diskutiert. Denkbar ist die verstärkte Förderung von klimaschützenden Produktionsmethoden. Doch auch für die Vorsorge vor witterungsbedingten Einkommensverlusten gibt es Überlegungen. Bereits jetzt können Mehrgefahrenversicherungen mit EU-Mitteln gefördert werden. Sie sind aber teuer. Deutschland hat von dieser Möglichkeit bisher keinen Gebrauch gemacht. Derzeit findet allerdings ein Umdenken statt.

Unabhängig davon müssen sich die Betriebe auch auf der Ostalb darauf einstellen, mehr als bisher vorzusorgen, sprich in guten Jahren Rücklagen zu bilden. Das ist nicht neu, wird aber bei den erwarteten starken Ertragsschwankungen wichtiger. Helfen könnte dabei eine Risikorücklage bei der Einkommensteuer, die seit Jahren von den Landwirten gefordert wird.

Zunächst hoffen alle Landwirte auf ein Normaljahr 2019. Es wäre wichtig, dass die Wasservorräte im Boden über den Winter aufgefüllt werden. Die Niederschläge im Dezember waren ein guter Anfang und für viele Landwirte ein vorweggenommenes Weihnachtgeschenk.

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