Cyber-Versicherung: Ellwangen will sich gegen Hacker-Schäden absichern

Die Gefahr durch Angriffe auf kommunale IT-Infrastrukturen wächst. Ellwangen will sich durch eine Cyber-Versicherung absichern. (Foto: Sebastian Gollnow/dpa)
Redakteur Ellwangen

Um den Schaden durch mögliche digitale Attacken zu begrenzen, will die Stadt Ellwangen eine Cyber-Versicherung abschließen. Die Stadt hat dem Verwaltungsausschuss des Gemeinderats vorgeschlagen, das Angebot des Kölner Versicherers Cogitanda mit einer jährlichen Prämiensumme von rund 16 400 Euro anzunehmen. Obwohl der Ausschuss dem Vorschlag zustimmte, blieben Fragen offen.

Vor vier Jahren umfasste die EDV der Stadt Ellwangen noch etwa 850 Geräte. Heute sind es fast dreimal mehr, nämlich 2450. Das erklärte Stadtkämmerer Sebastian Thomer den Mitgliedern des Gremiums. Dazu komme, dass ein großer Teil der Geräte an den Schulen an externe Benutzerinnen und Benutzer ausgegeben werde.

Man habe zwar technische Sicherheitsvorkehrungen wie Virenscanner und Firewalls im Einsatz, erläuterte Thomer weiter. Dennoch gestand der Stadtkämmerer ein: „Ein erfolgreicher Angriff kann nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden.“

Zugang nur nach Lösegeldzahlung

Die Cyberversicherung soll zum Beispiel eine Absicherung bieten, falls es zu Angriffen mit sogenannter Ransomware kommt. Diese spezielle Art der Schadsoftware sperrt den Zugriff auf Daten und Systeme und gibt ihn erst nach Zahlung eines Lösegeldes wieder frei.

Aber auch andere Angriffsformen können den Betrieb eines Unternehmens oder einer Stadtverwaltung empfindlich stören oder lahmlegen. Solche Schäden sollen durch die Versicherung abgefedert werden, darüber hinaus habe man dann im Ernstfall einen Ansprechpartner, führte Thomer weiter aus. Die Deckungssumme der Versicherung beträgt drei Millionen Euro, der Vertrag soll vorerst für ein Jahr abgeschlossen werden. Auch die Stadtwerke hätten mittlerweile eine solche Versicherung abgeschlossen.

Von drei Unternehmen wurden Angebote eingeholt, die von einer Beratungsfirma bewertet wurden. Als günstigster und „inhaltlich bester“ Anbieter sei die Kölner Cogitanda aus dem Vergleich hervorgegangen, teilte der Kämmerer mit. Das Unternehmen biete „einen guten Marktstandard bei angemessener Prämie“.

Der Röhlinger Ortsvorsteher Walter Schlotter (Freie Bürger), der früher selbst eine Versicherungsagentur betrieb, entgegnete: Eine Versicherung sei nur so gut wie ihre Schadensbearbeitung. Für ihn sei nicht zu erkennen, wer bei dem Kölner Versicherer dafür zuständig sei. Zudem kritisierte er, dass Schäden aufgrund von Programmfehlern oder technischem Versagen nicht von der Police abgedeckt würden. Ebenso sei man nicht abgesichert, wenn ein Mitarbeiter der Stadt „Schindluder“ treibe und der Kommune Schaden zufügen wolle.

Das muss im Vertrag drin sein.

Walter Schlotter

Gunter Frick, der Vorsitzende der Fraktion der Freien Bürger, erkundigte sich, ob die EDV-Systeme der Stadt durch Penetrationstests auf mögliche Schwachstellen geprüft würden. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Hieber erkundigte sich weiter, ob die Firma Cogitanda Referenzen aus dem kommunalen Umfeld mitbringe und ob es hier Empfehlungen des Städtetags gebe.

Ein Mitarbeiter der städtischen EDV erwiderte, im Haus würden regelmäßig Penetrationstests gefahren. Das geschehe quartalsweise. Es gebe auch eine interne Schwachstellenanalyse sowie regelmäßige Schulungen der Anwenderinnen und Anwender. So habe man vor kurzem an einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt und der Stadtwerke speziell präparierte E-Mails verschickt. Das Ergebnis des Tests habe gezeigt, wo noch Handlungsbedarf bestehe.

Kämmerer Thomer ergänzte auf die Frage von Walter Schlotter, dass eine Tochtergesellschaft der Firma mit der Schadensabwicklung befasst sei. Er verwies auf das Ergebnis der Beratungsfirma und gehe davon aus, dass das Angebot der Cogitanda passe. Bürgermeister Volker Grab sekundierte, man werde gerne in der kommenden Gemeinderatssitzung Referenzen nachlegen.

Enthaltung bei Abstimmung

Schlotter beharrte darauf, dass man sich gegen den Fall, dass ein eigener Mitarbeiter der Stadt Schaden zufüge, absichern solle: „Das muss im Vertrag drin sein.“ Wenn dieser Fall abgedeckt sei, spreche nichts dagegen, den Vertrag abzuschließen.

Die Abstimmung ergab elf Ja-Stimmen bei einer Enthaltung. Bürgermeister Grab sicherte zu, dass der Zuschlag im Zuge der Haushaltsberatungen revidiert werden könne, falls sich die Entscheidung im Nachhinein als falsch erweisen würde.

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