Corona-Pandemie wütet in Indien besonders schlimm

 Pater Sony Mundackal, seit drei Jahren Pfarrer von Röhlingen, Pfahlheim und Beersbach, ist wegen Corona sehr besorgt um sein He
Pater Sony Mundackal, seit drei Jahren Pfarrer von Röhlingen, Pfahlheim und Beersbach, ist wegen Corona sehr besorgt um sein Heimatland Indien und um seine dort lebende Familie. (Foto: Archiv: ur)
Freier Mitarbeiter

Die Corona-Pandemie wirkt sich in Indien besonders schlimm aus. Circa 300 000 Infizierte und rund 3000 Tote werden in diesem südasiatischen Land zurzeit täglich gemeldet. Seit Beginn der Pandemie wurden dort bisher rund 200 000 Corona-Tote verzeichnet. Pater Sony Mundackal ist deshalb sehr besorgt um sein Heimatland. Indien zählt 1,3 Milliarden Menschen.

Der Pfarrer von Röhlingen, Pfahlheim und Beersbach kommt aus dem Bundesstaat Kerala, der an der Malabarküste im Südwesten Indiens liegt. Dort leben noch seine Eltern, seine Geschwister, sein Großvater und andere Verwandte, zu denen er telefonisch Kontakt hält, denn seine Eltern haben kein Internet. Viele seiner Familienangehörigen bleiben zu Hause. In Kerala gibt es pro Tag ungefähr 30 000 Neuinfizierte, weiß der 41-Jährige. Die indische Mutation des Coronavirus breitet sich schnell aus und ist sehr gefährlich, hat er in den Nachrichten gehört. „Ich habe gelesen, dass es in zwei Wochen wahrscheinlich noch mehr Kranke geben wird“, berichtet Pater Sony: „Nächste Woche oder in zwei Wochen wird es extrem schlimmer.“

Pater Sonys Eltern geht es momentan gut, sie sind bereits zweimal geimpft. „Ich habe meinen Eltern gesagt, sie sollen bitte momentan zu Hause bleiben“, erzählt der Pfarrer. Ihr Nachbar solle einkaufen gehen. Denn beide Elternteile sind über 60 Jahre alt, der Vater 65, die Mutter 63. „Mein Vater hat auch Herzprobleme“, verrät Pater Sony. Was noch dazukommt ist der Umstand, dass der halbseitig gelähmte Großvater mit seinen 95 Jahren im selben Haushalt lebt. Der Opa ist nicht geimpft. „Meine Eltern gehen nicht so viel nach draußen, weil mein Opa ein Pflegefall ist“, sagt der Pfarrer. Trotzdem habe er „momentan immer Angst und Sorge um meine Eltern“. Seine Angehörigen schließt er täglich in den Gottesdienst mit ein. Zurzeit feiert Pater Sony wegen der Restriktionen aufgrund der Corona-Pandemie die heilige Messe im Röhlinger Pfarrhaus: „Dann bete ich für die ganze Welt, für Indien, für meine Familie und meine Geschwister. Darum bekomme ich viel Kraft.“

Pater Sony schaut manchmal indische Nachrichten. „Es ist momentan sehr schlimm. Manche Infizierte sind schwer krank mit Atemproblemen. Die Krankenhäuser sind alle voll, es gibt keinen Platz auf einer Intensivstation mehr. Viele kranke Leute liegen vor den Krankenhäusern, weil kein Platz in den Krankenhäusern ist“, weiß er: „Viele liegen im Auto.“ Dazu komme das Problem mit Sauerstoff. Den erhalte Indien vom Ausland, von Deutschland, den USA, von arabischen Ländern. Viele Inder seien momentan arbeitslos, viele arbeiteten als Tagelöhner. Die Armen hätten vom Staat innerhalb eines Jahres zweimal ein Lebensmittelpaket erhalten mit zehn Kilo Reis, mit Bohnen, Erbsen, Linsen und Zucker. Das sei aber für arme Menschen ganz wenig.

Pater Sony, der seit elf Jahren in Deutschland lebt, acht Jahre im Raum Ravensburg wirkte und seit dem 6. Mai 2018 Pfarrer von Röhlingen, Pfahlheim und Beersbach ist, war zuletzt im Juli 2019 in seinem Heimatland. Eigentlich habe er im August des vergangenen Jahres wieder seine Familie in Indien besuchen wollen, aber wegen Corona ging dies nicht. Ob es in diesem Jahr klappt, weiß er nicht. Geplant hat er wiederum, im August in seine Heimat zu reisen. „Ich habe immer Angst, ich weiß nicht, ob ich fliegen und meine Eltern, Geschwister und Familienangehörige treffen kann.“

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