Chronische Schmerzen brauchen individuelle Therapie

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„Aktionstag gegen den Schmerz“ an der der St. Anna-Virngrund-Klinik Ellwangen: Die Leitende Schmerztherapeutin Dr. Christine Göp
„Aktionstag gegen den Schmerz“ an der der St. Anna-Virngrund-Klinik Ellwangen: Die Leitende Schmerztherapeutin Dr. Christine Göpfert stellte zusammen mit vier Schmerzexperten eine effektive Behandlung vor. (Foto: St. Anna-Virngrund-Klinik Ellwangen)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

An der Sankt-Anna-Virngrund-Klinik haben Ärzte und Therapeuten das schmerztherapeutische Konzept vorgestellt. Anlass war der siebte bundesweite „Aktionstag gegen den Schmerz“.

Den Beginn machte Christine Göpfert, Leitende Ärztin der Stationären Schmerztherapie. Sie ging auf die Therapiemöglichkeiten ein, die an der Sankt-Anna-Virngrund-Klinik, den Partnerkliniken in Aalen und Mutlangen oder auch den niedergelassenen Ärzten und Therapeuten angeboten werden. Die stationäre multimodale Schmerztherapie sei im Ostalbkreis und darüber hinaus einzigartig. „Multimodal bedeutet, dass eine Kombination verschiedener Verfahren zum Einsatz kommt“, berichtete Göpfert. Ein Allheilmittel gegen chronische Schmerzen gebe es nicht. Welches Verfahren zur Behandlung geeignet ist, müsse individuell und auf Basis einer umfassenden Untersuchung entschieden werden.

Ein zunächst verwunderliches Ziel ihrer Arbeit stellte die psychologische Psychotherapeutin Franziska Neukirch in den Raum: „Ich möchte mich überflüssig machen!“ Gemeint war damit: Je schneller ein Patient selbst mit seiner Situation klar kommt, desto besser.

Um Belastung und deren Grenzen ging es im Vortrag von Ulrike Metzger. Sie stellte die Rolle der Physiotherapie in der Schmerzbehandlung vor. Wichtig sei vor allem eine intensive Untersuchung vorab. In einem Checkup werden Faktoren wie Vorerkrankungen, vorangegangene Operationen und die bisherige Therapie überprüft. „Wir achten speziell auf Haltung, Bewegungsverhalten, Auffälligkeiten im Gangbild, Ausdauer und die Belastbarkeit des Patienten im Alltag“, erläuterte die Leitende Physiotherapeutin der Ellwanger Klinik.

Es gibt viele Auslöser für den Schmerz

Dr. Martin von Wachter, Oberarzt in der Psychosomatik des Ostalb-Klinikums, stellte die psychosomatische Schmerztherapie an der Aalener Klinik vor. In seinem Vortrag kam heraus, wie Gefühle, Gedanken, das soziale Umfeld und das eigene Verhalten auf den Schmerz einwirken können. Auslöser für Schmerzen können neben Angst unterschiedlichste Faktoren wie Depressionen, Alltagsbeschwerden, Unfälle, Verluste oder Mobbing sein. Daher geht auch in seinem Fachbereich der Behandlung eine umfangreiche Diagnostik voraus.

Dass „Schmerz nicht gleich Schmerz“ ist, kam im abschließenden Vortrag des Ellwanger Schmerztherapeuten Jürgen Langer zum Ausdruck. Eine pauschale Einnahme von Medikamenten sei häufig der falsche Weg. Es müsse sehr genau auf das Schmerzbild geschaut und ein individuelles Therapiekonzept aufgestellt werden. „Voraussetzung für eine erfolgreiche Schmerztherapie ist, dass Patienten sich auf die Behandlung einlassen“, so Langer.

Alle fünf Referenten hoben die gute Vernetzung der Schmerzmedizin im Ostalbkreis hervor. Bei chronischen Schmerzen gelte: Eine komplexe Krankheit erfordert eine von vielen Seiten beleuchtete Therapie.

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