Chicago Meatbar ist zu, Eiscafé öffnet

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Anja Biebl

Während gegenüber vom Bahnhof die Chicago Meatbar ihre Türen für immer geschlossen hat, gibt es in der Marienstraße einen Neuanfang. Dort laufen die Um- und Aufbauarbeiten für eine Eisdiele.

In dem einstigen Modegeschäft Cecil in der Marienstraße und in der nebenan liegenden Eggenroter Bäckerei, die ebenso leer steht, sind die Bauarbeiten in vollem Gange. Wie der Hauseigentümer Jörg Weckler berichtet, hat sich bereits ein neuer Pächter gefunden, Claudio Artusi. Dieser hat vor, die ehemalige Bäckerei als Eislabor zu nutzen. Hier wird das Eis hergestellt und angerührt. In dem benachbarten Gebäude soll dann das eigentliche Eiscafé Da Claudio einziehen.

Das Haus hatte zuvor Eberhard Veit gehört. Er hat es an Weckler verkauft, nachdem sich keine sinnvolle Vermietung im Einzelhandel ergeben habe.

Geplant war die Eröffnung schon diesen Sommer, aber wegen verschiedener Umstrukturierungen befindet sich das Da Claudio noch in der Bauphase, soll aber, laut Weckler, so bald wie möglich mit dem Eisverkauf starten.

Claudio Artusi ist im Eisgeschäft kein Anfänger. Er hat bereits einige Eisdielen, um die sich seine Belegschaft vor Ort kümmert. Doch ist die Eröffnung einer dritten Eisdiele in so naher Nachbarschaft zu den beiden anderen noch lukrativ? Weckler hat da keine Zweifel, das Geschäft mit dem Eis lohne sich immer.

Während in der Marienstraße ein Neustart bevorsteht, sind in der Chicago Meatbar in der Ellwanger Bahnhofstraße die Lichter ausgegangen. Der Gastronomiebetrieb hatte das frühere Paulaner Journal erst im Herbst 2016 übernommen, musste jedoch schon im Juni die Insolvenz beantragen. Der Verpächter, die Münchner Paulaner-Brauerei, sucht bereits nach neuen Pächtern.

„Wir sind geschlossen – Vielen Dank für die schöne Zeit in Ellwangen“ steht mit Kreide auf einer Tafel, die an der Eingangstür des Lokals lehnt. Damit ist die Geschichte der Chicago Meatbar nach weniger als zwei Jahren beendet.

Zuversicht, den Betrieb weiterzuführen, ist verflogen

Noch im Frühsommer war beim Insolvenzverwalter, der Ulmer Rechtsanwaltskanzlei Eisenbeis, die Zuversicht zu spüren gewesen, dass der Betrieb aufrechterhalten werden könne. „Wir sind damit beschäftigt, den Laden am Laufen zu halten“, hatte Rechtsanwalt Thomas Gachstetter im Juni gegenüber der „Ipf- und Jagst-Zeitung“ gesagt. Für den Biergartenbetrieb während der Fußball-WM war eigens noch ein Großbildschirm angeschafft worden, alle Spiele der WM wurden live gezeigt. Es gab sogar das Interesse, sich im Herbst an den Ellwanger Wildwochen zu beteiligen, sofern der Betrieb über den August hinaus aufrechterhalten werden könne.

Dazu kommt es jetzt nicht mehr: Das Restaurant ist geschlossen, das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit wurde am 1. September eröffnet. Auf der Pachtbörse der Paulaner-Brauerei ist das Lokal bereits ausgeschrieben. Auf der Pachtbörse firmiert es allerdings als Chicago. Das liegt daran, dass der Name Chicago Meatbar dem Gastronomen Prokopios Kavetas gehört. Er hatte das frühere Journal im Herbst 2016 übernommen und war der Eigentümer des Gaststättenbetriebs.

Kavetas spricht davon, dass Differenzen mit dem Verpächter zur Insolvenz beigetragen haben. Die 20 Jahre alte Küche sei veraltet gewesen. Darüber hinaus habe es wiederholt Probleme mit der Heizung und Lüftung des Restaurants gegeben. Die Münchner Brauerei habe jedoch die Kosten für die notwendigen Reparaturen nicht übernehmen wollen. Dazu seien allgemeine finanzielle Probleme gekommen. Auch Mathias Söllner, der letzte Pächter des Journals, hatte über hohe Unterhalts- und Reparaturkosten für das Restaurant geklagt, als er im Herbst 2015 aufgab.

Kavetas will auch erfahren haben, dass es einen Investor gegeben habe, der das Lokal weiterführen wollte. Doch die Brauerei und der Interessent hätten sich nicht einigen können. Der bisherige Eigentümer ist skeptisch, dass sich schnell ein neuer Pächter für das Lokal finden werde: Zunächst müsse nämlich viel Geld in Reparaturen gesteckt werden.

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