Carrington-Brown begeistern Publikum

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 Im ausverkauften Atelier Kurz haben Rebecca Carrington und Colin Brown mit ihrem Programm „10“ das Publikum hingerissen.
Im ausverkauften Atelier Kurz haben Rebecca Carrington und Colin Brown mit ihrem Programm „10“ das Publikum hingerissen. (Foto: Rapp-Neumann)

Sie sind ein schönes Paar: schwarz und weiß, liebenswert und geistreich, hochmusikalisch und sexy. Kurz: Sie sind Carrington-Brown. Im ausverkauften Atelier Kurz haben Rebecca Carrington und Colin Brown, Partner auf der Bühne und im Leben, mit ihrem Programm „10“ das Publikum hingerissen. Dritter im Bunde war Carringtons ständiger Begleiter, zartbesaitet und mit bauchiger Figur: ein Cello namens Joe.

Als Ältestem – Joe wurde vor 237 Jahren gebaut – ließen Carrington-Brown dem Cello den Vortritt. „Wir sind füreinander gemacht“, schwärmt Joe als Stimme aus dem Off. Dann lernte die Britin ihren „schwarzen Prinzen“ aus Jamaica kennen, Mister Colin Brown, Sänger und Schauspieler in Londons West-End und gefeiertes Mitglied der ehrwürdigen Royal Shakespeare Company. Seit zehn Jahren stehen Carrington und Brown gemeinsam auf der Bühne. Seit zehn Jahren sind sie verheiratet und leben in Berlin.

Urkomisch widmen sie sich den Untiefen der deutschen Grammatik, die Rebecca ihrem Colin „kurz“ erklärt: „Haben Sie Zeit?“ Es sei wie mit dem Cellospielen: „Man muss viel üben.“ Sie nicht, sie beherrscht das Instrument virtuos, auch wenn sie Joe zur Gitarre umfunktioniert. C & B lieben alles, was deutsch ist: aufgeräumte Fußgängerzonen, Drängeln an Supermarktkassen („Ihr löffelt“) und Pfandflaschen.

Brown zählt Shakespeares sämtliche Werke in einem Song auf, mit samtweichem Bariton und einem Hüftschwung, der Elvis vor Neid hätte erblassen lassen. Und er liebt seinen „Blasesack“, sprich Dudelsack, den er im schottischen Kilt in den deutschen Nationalfarben so großartig spielt, dass ihm das Publikum zu Füßen liegt. Die Zuhörer sind mindestens so „happy“ wie Browns Landsleute auf Jamaica, vom glücklich machenden Reggae in eigentlich traurigen Songs wie Bob Marleys „I shot the Sheriff“ verwöhnt.

Die magische Zehn: „Wir fühlen uns komplett“, gesteht das wohl ungewöhnlichste Comedy-Duo der Welt. Nur die Oper vermissen sie – und legen los mit ihrem „Oper-Mega-Mix“, garniert mit Browns unwiderstehlichem „Falling in Love“, das die Damen zart erröten lässt. Rebecca Carringtons Stimme würde sowieso auf jeder Opernbühne der Welt überzeugen. Zwischendurch mal am Gin nippen, nach dem Motto des „Dinners for One“: „I’ll have a Gin. Fuck the Tonic.“

Satchmo, Liberace, Jacques Brel, der „Sick of Home Blues“ von Carolin No und Chopin – sie alle klingen an im „Best of C & B“. God save the Queen und den Blasesack. Mit einem Rezept für die Liebe und Zugaben wie „One Note Samba“ oder Ed Sheerans „Shape of you“ verabschiedete sich das charmante Paar vom „besten Publikum in zehn Jahren“, und Joe geht ins Bett. Yeah. Wir haben’s genossen. Bitte kommt wieder.

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