Carmen Stumpf erzählt Märchen vom Spinnen und Weben

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Bianca Oettlin aus Giengen spann bei der Führung mit Märchen und Musik im Alamannenmuseum Wolle zu Garn.
Bianca Oettlin aus Giengen spann bei der Führung mit Märchen und Musik im Alamannenmuseum Wolle zu Garn. (Foto: Josef Schneider)
Freier Mitarbeiter

Um Flachsanbau und Flachsbearbeitung, um Spinnen, Weben und Nähen ist es im Alamannenmuseum gegangen. Es war eine runde Sache: Monika Hartmann sang alte Lieder aus der Spinnstube, Carmen Stumpf von der Erzählgemeinschaft Ostalb erzählte passende Märchen, Museumspädagogin Sigrid Radler informierte über alamannische Handwerkskunst und Bianca Oettlin aus Giengen führte das Spinnen mit Rocken und Handspindel vor.

„Es war einmal ein Mädchen faul und wollte nicht spinnen, und die Mutter mochte sagen, was sie wollte, sie konnte es nicht dazu bringen.“ So beginnt das Märchen „Die drei Spinnerinnen“ der Gebrüder Grimm. Wie die Königin auf das Mädchen aufmerksam wurde, es in ihr Schloss brachte und ihm ihren ältesten Sohn als Gemahl versprach, das erzählte Carmen Stumpf. Allerdings sollte das Mädchen erst drei Kammern voll Flachs spinnen. Das faule Mädchen fand hilfreiche Geister in drei alten, seltsamen Spinnerinnen: Die eine hatte vom Treten des Spinnrades einen breiten Plattfuß, die zweite vom Lecken des Flachses eine so große Unterlippe, dass sie über das Kinn herunterhing, die dritte vom Fadendrehen einen breiten Daumen. Dafür muss der Prinz dann schon sehr nett sein.

Handarbeit als Heiratsargument

Konnte eine Frau gut spinnen, stiegen ihre Heiratschancen. „Unsere Vorfahren waren versierte Handwerkerinnen in der Webkunst. Das war alles Handarbeit. Sie mussten die Muster im Kopf haben“, sagte Sigrid Radler, die den Nachmittag konzipiert und vorbereitet hatte. Sie berichtete, wie mühsam und gesundheitsschädigend das Ganze war: „Frauen, die hier gearbeitet haben, hatten alle Rheuma.“ Im Mittelalter wurde die Kunst des Bleichens entdeckt, das den weißen Stoff besonders wertvoll machte. So nehme die Farbe Weiß in der Religion einen besonderen Stellenwert ein, wie das weiße Kleid des Täuflings und der Braut.

Viele Märchen befassen sich mit der aufwendigen Flachsverarbeitung. Faszinierend war die Geschichte „Das singende Meerweib“, in dem eine Fischerwitwe aus ihrem eigenen Haar einen Wundermantel für das Meerweib im Kristallpalast weben muss, um ihre vom Meer verschlungene Tochter wieder mit nach Hause nehmen zu können. Monika Hartmann unterhielt mit originellenVolks-, Wander-, Wiegen- und Liebesliedern aus der Spinnstube wie „Es wollt ein Schneider wandern“, „Es dunkelt schon in der Heide“, „Drei Zigeuner fand ich einmal“ und „Ich hab die Nacht geträumet“.

Zum Abschluss der interessanten, rund eineinhalbstündigen Führung mit Märchen und Musik gab es für die rund 25 kleinen und großen Besucherinnen und Besucher leckere, süße Flachswickel, die Renate Herzog aus Lauchheim gebacken hatte.

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