Buchhandel hilft durch die Flut der Neuerscheinungen

Lesedauer: 5 Min

Carola Praxl in der BuchBar. Als sie das Geschäft übernommen hat, ist sie ins kalte Wasser gesprungen.
Carola Praxl in der BuchBar. Als sie das Geschäft übernommen hat, ist sie ins kalte Wasser gesprungen. (Foto: Rapp-Neumann)
Petra Rapp-Neuman

Kleine, privat geführte Buchläden haben es schwer. In Ellwangen gibt es neben der Buchhandlung Rupprecht mit mehreren Filialen nur noch Bückerkiste und die BuchBar in der Marienstraße 17. Die gibt es nur, weil Hausbesitzerin Carola Praxl vor einigen Jahren den Sprung ins kalte Wasser gewagt und so einen weiteren Leerstand in der Innenstadt verhindert hat.

Weil die Vorgängerin der BuchBar schließen musste, hätte sich die damalige Auszubildende Simone Pabst für das letzte Jahr einen neuen Arbeitsplatz suchen müssen – nahezu aussichtslos. Auch das bewog Carola Praxl dazu, die Buchhandlung für zunächst ein Jahr weiter zu betreiben. Als ausgebildete Buchhändlerin arbeitet Simone Pabst bis heute hier.

70 000 neue Titel in jedem Jahr

Zweite im Bunde ist Praxls erfahrene Mitarbeiterin Annette Mond, die vor allem für die Kinderbuchabteilung zuständig ist. Barbara Thumm sorgt mit Glasschmuck fürs Tüpfelchen auf dem i. Sie führen Kunden durch die gigantische Flut von jährlich mehr als 70 000 Titeln. Wie Bücher entstehen und was eine Buchhandlung ausmacht, konnten Schulklassen bei einer Aktion des Börsenvereins zum Tag des Buches hautnah in der BuchBar erleben.

Abenteuerlustig, ganz im Sinne des Zitats der Schriftstellerin Ursula Poznanski, das Besuchern ins Auge fällt: „Wer sich heutzutage darauf einlässt, eine unabhängige Buchhandlung zu betreiben, hat einen Hang zum Abenteuer. Vielleicht macht es deshalb so viel Spaß, dort einzukaufen.“

Die BuchBar mehr als „nur“ eine Buchhandlung. Dabei ist das Raumangebot keineswegs optimal. Wer es schafft, diesen langen Ladenschlauch so geschickt zu nutzen, der will nicht nur Bücher verkaufen, sondern auch Atmosphäre schaffen. „Es kam eins zum anderen“, erinnert sich Carola Praxl, gebürtige Ellwangerin und studierte Juristin. „Den Anfang machte der Wein zum Buch. Dann kamen Steiff-Tiere, weil es in Ellwangen keinen Laden mit Spielsachen gibt.“ Dabei blieb es nicht. Es ist die Mischung, die die BuchBar außergewöhnlich macht.

Immer mehr Kunden nutzen auch den Über-Nacht-Gratisservice. Was bis 17 Uhr bestellt ist, wird bis fünf Uhr morgens zuverlässig geliefert. Die BuchBar öffnet regulär um 9 Uhr: „Wir kommen auch früher, wenn jemand zum Beispiel um 8 Uhr zum Zug muss“, sagt Carola Praxl. Dieser Service ist einer der Gründe, warum sich die BuchBar erfolgreich gegenüber dem Onlinehandel behauptet. Dass man hier auch Karten fürs kulturelle Angebot in Ellwangen reservieren lassen kann, versteht sich da fast von selbst.

Die monatlich stattfindende Lesbar bereichert das Ellwanger Kulturleben und gibt außerdem regionalen Autoren ein Forum, um ihre Werke vorzustellen. Auch bildende Künstler und Fotografen finden hier eine willkommene Plattform.

Erfolg trotz Internet

Die BuchBar ist eine Ellwanger Erfolgsgeschichte, trotz Internet- und sonstiger Konkurrenz und trotz des Verschwindens der Buchkäufer. Getrübt wird sie von einem Wermutstropfen. Die Stadt erlaubt keinerlei Außenwerbung. Das macht es der nach außen unscheinbaren BuchBar schwer, in der Fußgängerzone präsent zu sein. Wenn in den Herbst- und Wintermonaten die Türe geschlossen ist, übersehen Kunden den schmalen Eingang und das kleine Schaufenster oft. „Wir haben Sie nicht gefunden“, hören Carola Praxl und ihr Team immer wieder. Bücher und Karten dürfen zwar draußen aufgestellt werden, vertragen aber keine Nässe. Hier sollten die Stadtväter unbedingt nachbessern, denn einen weiteren Leerstand kann sich die Ellwanger Innenstadt nicht leisten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen