Beim Stadtbrand 1828 hatte Ellwangen viel Glück

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Beim Stadtbrand von 1828 in Ellwangen sind trotz dichter Bebauung nur sieben Häuser abgebrannt.
Beim Stadtbrand von 1828 in Ellwangen sind trotz dichter Bebauung nur sieben Häuser abgebrannt. (Foto: afi)
Redakteurin Ellwangen/stellv. Redaktionsleitung

Ein Feuer in der Ellwanger Innenstadt ist ein Albtraum für die Feuerwehr. Die Häuser stehen dicht an dicht, unterm Putz ist Fachwerk. In Windeseile kann alles lichterloh in Flammen stehen. Umso erstaunlicher, dass der Stadtbrand 1828 noch einigermaßen glimpflich ausgegangen ist.

Obwohl es noch keine Feuerwehr gab, sie wurde erst 1851 gegründet, gelang es den Helfern, die Flammen so weit in Schach zu halten, dass „nur“ sieben Häuser abbrannten. Ein Helfer kam dabei ums Leben.

Eine Feuerwehr gab es damals noch nicht, dafür musste jeder Bürger einen Löscheimer haben, je nach Vermögen aus Leder oder Stroh. Dann wurden Löschketten gebildet. Das Wasser kam vermutlich aus der Jagst und den Ziehbrunnen. Zudem gab es ein Wasserreservoir am Schönen Graben. Die Helfer kamen nicht nur aus Ellwangen, sondern sogar bis aus Zöbingen und Reichenbach an. Wie sie verständigt wurden, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.

Über die Löscheimer wurde Buch geführt

Buch geführt wurde dagegen über die Löscheimer. Sie mussten alle in Ellwangen bleiben. Danach wurde auseinander klamüsert, wem welcher Eimer gehörte. Dann wurden die Eimer von auswärts zurückgeschickt oder konnten in der Stadt abgeholt werden. Das wurde fein säuberlich in den Akten vermerkt. Akten gibt es auch über den Helfer, der beim Brand ums Leben kam. Dessen Geschwister forderten Schadenersatz von der Stadt. Die wollte sich drücken und behauptete, der Mann sei schon krank angekommen. Gefehlt hat nach dem Brand auch der Vorderwagen der Feuerspritze von Schneidheim. Wobei sich Stadtarchivar Christoph Remmele fragt, wie die Schneidheimer ihre Feuerspritze denn ohne Ziehwagen nach Hause gebracht haben wollen. Wie der Konflikt ausgegangen ist, ist nicht überliefert.

Von dem Feuer betroffen war damals ein Karrée zwischen Spitalstraße, Kürschnergasse und Marktplatz. Heute stehen hier die Häuser vom Reisebüro Mack, dem Antiquitätengeschäft, dem ehemaligen Männerladen??? und der Goldene Adler. Ein aufmerksamer Spaziergänger könne die Brandfolgen noch heute entdecken, sagt Remmele: Der Goldene Adler ist nämlich das einzige Gebäude am Marktplatz, das quer steht. Bei allen anderen zeigt der Giebel zur Basilika. Was daran liegt, dass beim Wiederaufbau aus zwei, eigentlich sogar drei kleineren Häusern ein großes wurde.

Ausgebrochen ist das Feuer in der Nacht vom 19. August 1828 gegen 23 Uhr im Haus des Seilmachers Xaver Reiniger im ersten Stock (heute Reisebüro Mack). Dort wohnten Mieter. Sie sollen gerade noch rechtzeitig herausgekommen sein, bevor der Dachstuhl zusammenbrach. Warum es brannte, wurde nie ganz geklärt, schnell war aber die Rede von Brandstiftung. Befördert wurde das Gerücht durch einen Brief, der nach dem Brand bei einer Durchsuchung zum Vorschein kam. Darin hatte Reinigers Sohn seinem Vater geschrieben, dass es in Rottweil schöner Brauch sei, sein baufälliges Haus anzuzünden, um danach die Versicherung zu kassieren.

Damals mussten alle Hausbesitzer in eine Brandversicherung einbezahlen. Darüber wurde Buch geführt, genauso über den Wert des Hauses. Der fiel nach dem Brand auf null. Das betraf zum Beispiel die Lebzelterei von Georg Richter, die ursprünglich 1800 Gulden wert war. Seine beiden Häuser standen an der Ecke Kürschnergasse / Marktplatz. Der Goldene Adler daneben am Marktplatz und wurde sogar auf 6000 Gulden taxiert.

Sechs Familien und 36 Kinder sind betroffen

Er gehörte Carl Käfer, der später für den Wiederaufbau Richters Brandruinen kaufte, darunter das kleine Haus in der Kürschnergasse, in dem heute das Restaurant des Goldenen Adlers ist. Georg Richter kaufte als Ersatz die beiden Häuser am Marktplatz, in denen heute Foto Phositiv und das Schreibwarengeschäft seiner Nachfahren sind.

Von dem Brand waren sechs Familien mit 36 Kindern betroffen. Sie waren obdachlos und es gab Aufrufe, diesen „fleißigen und ehrlichen Leuten“ zu helfen.

Damals wie heute hatten die Hausbesitzer, die alles verloren hatten, das gleiche Problem: Die Versicherung zahlte nicht sofort. Bäckermeister Josef Schneider schrieb deshalb an die Innungen im Umkreis vorgedruckte Briefe, dass er nicht genug Geld habe, um seine Bäckerei wieder aufzubauen.

Da er sich das Porto gespart hatte, kamen viele dieser Briefe ungeöffnet zurück. Damals bezahlte nämlich der Empfänger das Porto und das waren immerhin stattliche sechs Kreuzer, ein Drittel des Tagesverdiensts eines Handwerkers. Also gingen die Briefe zurück an die Stadt und finden sich heute im Archiv. Aufgeräumt wurde erstaunlich schnell. Für September findet sich ein Vermerk, dass der Steinschutt im Sebastiansgraben und das Altholz auf dem Schießwasen gelagert wurden. Das Material wurde versteigert und verwertet.

Ein Jahr später standen die Häuser wieder

Genauso schnell wurde wieder aufgebaut. Nach Remmeles Unterlagen standen schon 1829 alle Häuser wieder. Das jedenfalls zeigt ein Stadtplan aus der Zeit. Wer auf die Idee kam, in den Brandruinen zu plündern, wurde hart bestraft. Ein Ellwanger, der mit einem Lot Zinn erwischt wurde, wurde scharf ermahnt und 24 Stunden in den Bürgerarrest im Torhaus gesteckt. Das ging damals ohne Gericht, die Anordnung des Magistrats oder Schultheißen genügte.

Der Bäcker Joseph Schneider kam übrigens auch wieder zu einem Haus. Er kaufte sogar das abgebrannte Haus von Schuhmacher Johann Staudenbacher dazu, das in seinem Hinterhof gestanden hatte.

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