Behinderte Menschen regelmäßig einbinden

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Die Voraussetzungen dafür, dass Inklusion, also die Beteiligung von Menschen mit Handicap am alltäglichen Leben, gelingen kann, sind in Ellwangen gut. Zu diesem Ergebnis ist das Projekt „Inklusions-Check“ gekommen.

Damit befassen sich seit Jahresbeginn der katholische Kirchengemeinderat, die Caritas Ostwürttemberg, Seelsorger für Familien mit behinderten Kindern, Mitarbeiter der Behindertenhilfe und Menschen mit Behinderung. Sie haben einen Fragebogen ausgearbeitet, der in der katholischen Seelsorgeeinheit Ellwangen verteilt wurde.

Professor René Gründer von der Dualen Hochschule Heidenheim stellte die Ergebnisse im Festsaal der Marienpflege vor. In der Seelsorgeeinheit mit Sankt Patrizius Eggenrot, Heilig Geist, Sankt Wolfgang und Sankt Vitus wurden 5000 Fragebögen verteilt. 180 Befragte machten mit. Die meisten sind häufige Kirchgänger und in den Gemeinden aktiv.

34 Befragte sind selbst behindert. Sie schätzten ihre Situation kritisch ein. Wünsche nach haupt- und ehrenamtlichen Inklusionsbeauftragten in den Kirchengemeinden, barrierefreiem Zugang zu Kirchen und Einbindung in Vereine wurden laut.

Inklusion, so Gründer, werde in Ellwangen vorangebracht. Doch es bleibe viel zu tun. Wichtig sei vor allem, behinderte Menschen nicht nur punktuell, sondern regelmäßig einzubinden und zu vernetzen. Bürgermeister Volker Grab erklärte, in Ellwangen sei das Bewusstsein für dieses Thema groß. Stimmen aus dem Publikum waren sich einig, dass es nicht auf die Behinderung ankomme, sondern darauf, was Menschen mit Handicap alles können.

Das belegte eindrucksvoll der Lebensbericht des Augsburgers Benedikt Lika. Trotz einer schweren Körperbehinderung, die ihn in den Rollstuhl zwingt, studierte Lika Musikwissenschaft und hat 2007 mit „Roll and Walk“ eine erfolgreiche Konzertreihe ins Leben gerufen, die behinderten Menschen kulturelle Teilhabe ermöglicht. „Wer die Welt verändern will, muss auffallen“, lautet das Credo dieses Musikers, der sich als Stadtrat in der Kommunalpolitik engagiert und darauf hofft, kein Einzelkämpfer zu bleiben.

Nicht über,sondern miteinander reden

Die Diskussion machte deutlich, dass nicht über, sondern mit behinderten Menschen geredet werden muss, sollen sich die Dinge zum Besseren wenden. Caritas-Projektleiterin Anita Beck betonte, man werde auch 2015 beharrlich daran arbeiten, gleichberechtigte Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung zu ermöglichen.

Flötenmusik ehemaliger Schülerinnen der Jagsttalschule Westhausen und die „Smiling People“ der Stiftung Haus Lindenhof begleiteten den Abend musikalisch. Moderiert hat ihn Marienpflege-Vorstand Ralf Klein-Jung.

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