Bauernprotest in Dinkelsbühl - Gegenwind für Grünen-Chef Robert Habeck

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In Dinkelsbühl fuhren am Samstag Landwirte aus der ganzen Region vor.
In Dinkelsbühl fuhren am Samstag Landwirte aus der ganzen Region vor. (Foto: Fotos: Tippl)
Peter Tippl

In Dinkelsbühl haben am Samstag hunderte Bauern aus der gesamten Region eine Wahlkampfveranstaltung der Grünen für eine eigene Protestveranstaltung genutzt. Prominesteter Redner war bei der Kundgebung vor der Schranne der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck.

Anlass für die Wahlveranstaltung der Grünen ist der aktuelle Wahlkampf um das Oberbürgermeisteramt in der Großen Kreisstadt Dinkelsbühl. Der Grünen-Bewerber um den Chefsessel im Rathaus, Johannes Paus, hatte für 14 Uhr eine Wahlkampfveranstaltung in der Schranne angesetzt. Unmittelbar davor sollte die Protestkundgebung der Bauern steigen, zu der Landwirte aus dem gesamten westmittelfränkischen und baden-württembergischen Umkreis angereist kamen – und zwar mit ihren Traktoren.

Es geht nur um gerechte Preise, damit uns das soziale Gefüge nicht irgendwann um die Ohren fliegt.

Grünen-Bundesvorsitzender Robert Habeck

Die Schlepper wurden zum großen Teil auf dem Festplatz Schießwasen abgestellt; rund 50 Traktoren fuhren in die Innenstadt auf den Weinmarkt vor – um bei der Grünen-Kundgebung vor der Schranne Flagge zu zeigen. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf etwa 1000 Demonstranten, viele Einheimische und Interessierte gesellten sich zur Kundgebung ab 12.30 Uhr. 

Organisiert wurde die Aktion von der Gruppe „Land schafft Verbindung“ (LSV) und dem örtlichen Koordinator Heiko Schirrle aus Waldhäuslein.

Dinkelsbühl Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer sprach bei der Bauernkundgebung und plädierte in seinem Grußwort für gerechte Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und für mehr Wertschätzung für die Bauern.

Grünen-Chef Robert Habeck hatten die Landwirte ebenfalls als Redner geladen. Und der Grünen-Politiker stellte sich. Habeck sprach sich in seiner kurz gehaltenen Rede für eine Extensivierung der Landwirtschaft aus. Kleine bäuerliche Betriebe müssten stärker gefördert werden. Den „Rabattschlachten“ der Einkaufsmärkte müsste mit neuen gesetzlichen Regelungen entgegengewirkt werden. In diesem Zusammenhang betonte Habeck, dass es nicht darum gehe, den Verbraucher zum Kauf von Bioprodukten zu zwingen. „Es geht nur um gerechte Preise, damit uns das soziale Gefüge nicht irgendwann um die Ohren fliegt.“

Habeck bedankt sich für den „respektvollen Umgang“

Darüber hinaus sprach sich der Grünen-Vorsitzende in Dinkelsbühl auch noch für die sogenannte Immunokastration – die Impfung von männlichen Ferkeln gegen Ebergeruch – aus, die bei Tierschützern als eine tierschonende Alternative zur klassischen Kastration gilt. Eine Forderung, die am Samstag bei den Landwirten nicht so gut ankam. Trotzdem verlief Habecks Auftritt, der sich auch noch einigen Fragen stellte, ruhig. Es blieb bei einigen wenigen Unmutsbekundungen und vereinzelten Buh-Rufen. 

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Abschließend wurde dem Grünen-Vorsitzenden das Forderungspapier des LSV überreicht, in dem es unter anderem um die hochumstrittene Düngeverordnung und die öffentliche Wahrnnehmung und Wertschätzung der Landwirte geht.

Habeck nahm das Papier an und bedankte sich bei den Landwirten zum Schluss für den „respektvollen Umgang“ und die „faire Diskussion“ bei der Kundgebung.

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