Wie bitte?! Spaßvogel tauft Ellwanger Basilika Sankt Vitus bei Google um - Schwäbische.de reagiert

Wer steckt hinter der kuriosen Namensänderung? Hintergrund ist ein manipulierter Eintrag bei der Suchmaschine Google. Der Sakralbau hat nun diesen Namen - zugegeben, nicht ganz unlustig. (Foto: SZ/Google)
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Wurde die berühmte Basilika Sankt Vitus über Nacht umgetauft und keiner hat es bemerkt? Zu diesem Schluss könnte man kommen, wenn man den Namen des Sakralbaus in die Suchmaschine Google eingibt. In der Wikipedia-Kurzzusammenfassung neben den Suchergebnissen wird die Kirche nämlich als "Basilikum St. Virus" bezeichnet.

Wer hinter der kuriosen Namensänderung steckt, ist nicht bekannt. Auch die Intention des "Spaßvogels" scheint absolut nebulös. Vielleicht möchte er darauf aufmerksam machen, dass Kirchen im Herbst durchaus wieder zu Hotspots für Corona-Ansteckungen werden könnten.

Oder handelt es sich möglicherweise um eine geruchsempfindliche Clowns-Nase, die bei Gottesdiensten lieber Basilikum statt Weihrauch riechen will?

Wie unsere Zeitung aus dem näheren Umfeld der Basilika erfahren hat, wird bereits gemutmaßt, der "Übeltäter" könne aus dem Ellwanger Stadtteil "Scherzheim" stammen.

Gemeint ist natürlich Schrezheim, doch vor einigen Wochen sorgte der falsch geschriebene Name des Teilorts auf einem Umleitungsschild in der Haller Straße bereits für Belustigung.

Wie konnte es zu dieser kuriosen Namensänderung kommen?

Mit Wikipedia, wo hin und wieder ebenfalls Manipulationen vorkommen - aber meistens auch sehr schnell wieder korrigiert werden - hat dieser Fall aber tatsächlich nichts zu tun. Zwar verweist der Eintrag rechts am Bildschirmrand auf Wikipedia - doch dort ist der Name der Basilika im verlinkten Artikel korrekt hinterlegt. 

Auch eine zwischenzeitliche Manipulation, die bei Google noch im "Cache" - einer Art Speicher des "Echos" von Webseiten - hinterlegt wäre, kommt in diesem Fall nicht in Frage.

 "Da hat sich in der Tat jemand einen Spaß erlaubt. Doch auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag, hat es mit Wikipedia tatsächlich nicht direkt etwas zu tun", bestätigt Google-Experte Markus Walter von "tekka online ideas" den Verdacht von Schwäbische.de.

 Bei Google hat die berühmte Ellwanger Basilika einen „neuen“ Namen erhalten.
Bei Google hat die berühmte Ellwanger Basilika einen „neuen“ Namen erhalten. (Foto: Screenshot: Google)

Die Manipulation des Namens der Basilika erscheint bei einer Google-Suchabfrage rechts am Bildschirm in einem sogenannten "Knowledge Graph", einer optischen Darstellungsform von Google in den Suchergebnissen.

In diesem Fall wurde ein Account von "Google My Business" für die Basilika angezeigt. Bei diesem Google-Service können Unternehmen ein eigenes Firmen-Profil anlegen, um damit bei Suchanfragen gefunden zu werden. Ähnliches kennt man auch von Ärzten oder Restaurants. 

Hier kann normalerweise der Inhaber des Accounts Änderungen vornehmen. Im Fall der Basilika gibt es allerdings keinen Besitzer dieses Accounts. Möglich ist deshalb, dass ein Spaßvogel die Änderung dort einfach eingetragen hatte.

Google rät Seitenbesitzern zur Inhaberschaft

Diese Einträge werden von Google in der Regel auch darauf geprüft, ob Verstöße vorliegen. Die enorme Anzahl solcher täglichen Einträge im weltweiten Google-Universum macht aber eine Prüfung durch einen Menschen unmöglich.

Folglich dürfte hier eine künstliche Intelligenz nach problematischen Begriffen filtern. Die Änderung in "Basilikum St. Virus" sind dabei wohl einfach durchgerutscht.

Schwäbische.de hatte ein technisches Experiment durchgeführt, um diese Erklärung zu prüfen. Das Ergebnis bestätigte den Verdacht.

Zweifellos aber wäre es für die katholische Kirchengemeinde Sankt Vitus Ellwangen überlegenswert, sich die Inhaberschaft über diesen "Google My Business"-Account zu sichern, um derartiger Manipulation vorzubeugen. Schwäbische.de hat jedenfalls Maßnahmen ergriffen, damit die altehrwürdige Basilika ihren korrekten Namen zurückerhält.

Das Onlinemagazin Googlewatchblog kennt die Problematik mit gefälschten Google-Einträgen. Auf der Homepage wird darüber informiert, wie sich Nutzer vor Missbrauch schützen können.

Manipulation bei Google Maps vorbeugen

Und auch Google selbst ist die Thematik bewusst. Immer wieder sorgten gefälschte oder manipulierte Einträge innerhalb von Google Maps für Schlagzeilen, denn die Veränderungen seien "meist medienwirksam, teilweise unterhaltsam oder manchmal auch einfach ziemlich dreist", heißt es bei Googlewatchblog dazu.

In den vergangenen Wochen habe es aus allen Kategorien neue Beispiele gegeben: "Eine YouTuber-Villa wurde zum Obdachlosenheim, die Parteizentrale der AfD zum Karnevalsverein und in Österreich wurde die Volkspartei zu einem Aktenvernichtungsdienst."

Google bietet "jedem Unternehmen die Möglichkeit an, die Inhaberschaft über den eigenen Eintrag zu übernehmen und diesen damit in eine Art Mini-Homepage zu verwandeln". Andere könnten dann "keine Details mehr verändern".

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