Bürgerinitiativen, Stadt und Politik gründen Bündnis für Erdkabel

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Entlang der Berliner Straße werden die Hochspannungsleitungen unter die Erde verlegt. Das Bündnis für Erdverkabelung will dies a
Entlang der Berliner Straße werden die Hochspannungsleitungen unter die Erde verlegt. Das Bündnis für Erdverkabelung will dies auch für die Leitungen erreichen, die Neunheim und Mittelhof tangieren. (Foto: Archiv: Häußler)

Die Bürgerinitiativen, die Stadt Ellwangen, der Landkreis, die Bundestagsabgeordneten der Region sowie die Schulen haben ein Bündnis für Erdverkabelung gegründet. Es will erreichen, dass die Hochspannungsleitungen, die über Neunheim und den Stadtteil Mittelhof führen, unter die Erde verlegt werden. Die Beteiligten planen für Dienstag, 19, Juni, eine Demonstration.

Hintergrund für die Aktion ist die Planung des Stromnetzbetreibers Netze BW, die 110-Kilovolt-Leitungen auszubauen. Die Leitung, die von Hüttlingen zur Umspannstation in Ellwangen führt, soll neu gebaut werden. Bürgeraktionen in Hüttlingen, Neuler und Schrezheim waren mit dem Ziel erfolgreich, eine Erdverkabelung oder eine Verschiebung der Trasse zu erreichen. Entlang der Berliner Straße in Ellwangen wurde die Verlegung unter die Erde erreicht.

5,2 Millionen Euro Mehrkosten für Erdverkabelung

Bei der Leitung, von Nördlingen nach Ellwangen soll ein weiterer Stromkreis auf die Masten aufgelegt werden. Die Trasse führt über Neunheim und über den Ellwanger Stadtteil Mittelhof. Auch hier wird die Verlegung unter die Erde gefordert. Netze BW beziffert die Mehrkosten für die Erdverkabelung in Neunheim und Mittelhof auf zusammen etwa 5,2 Millionen Euro.

„Wir haben Verantwortung für die nächste Generation“, sagte Barbara Haas, die Sprecherin der Bürgerinitiativen Neunheim und Ellwangen-Mittelhof. Für Dienstag, 19. Juni, kündigte sie eine Demonstration zusammen mit dem Oberbürgermeister, den Bundestagsabgeordneten der Region sowie den Schülern der betroffenen Stadtteile auf dem Mittelhoffeld an.

Einig zeigten sich die Bundestagsabgeordneten Leni Breymaier (SPD) und Roderich Kiesewetter (CDU), bei ihrer Unterstützung für das Bündnis. „Niemand will in einem Haus wohnen, über das eine Starkstromleitung drübergeht“, sagte die SPD-Landesvorsitzende bei einem Pressegespräch im Ellwanger Rathaus. Sie sei froh, dass der Koalitionsvertrag einen Passus enthalte, der auch bei bestehenden Stromtrassen die Verlegung der Leitungen unter die Erde erlaube. Ihr CDU-Kollege sah in dem Schulterschluss zwischen den Bürgerinitiativen, der Stadt, dem Kreis, den Schulen und den Parteien ein „Aufbruchssignal“.

Wie Breymaier setzt Kiesewetter auf eine Zwei-Säulen-Strategie. Ein Standbein ist die beschleunigte Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes, das die Erdverkabelung derzeit vorsieht, wenn die unterirdische Verkabelung nicht mehr als das 2,75-fache einer Freileitung kostet. Das zweite Standbein ist der Versuch, mit dem Netzbetreiber zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Bürgermeister Volker Grab zeigte sich zuversichtlich, dass auf diesen Schienen das Ziel erreicht werden könne, die Leitungen unter die Erde zu verlegen.

Neues Gesetz ist nicht in 14 Tagen zu haben

Breymaier und Kiesewetter warnten, dass selbst ein rasches Gesetzgebungsverfahren seine Zeit brauche. „Das ist nicht innerhalb von 14 Tagen möglich“, gab die SPD-Landesvorsitzende zu bedenken.

Landrat Klaus Pavel sagte: „Es kann nicht sein, dass wir Produktionsstandort für erneuerbare Energien sind und die Bürger dann die Nachteile beim Transport haben.“ Aus Sicht von Pavel steht die Tür für Gespräche mit den Netzbetreibern „noch einen Spalt weit offen“: Er habe Vertrauen zu den Energieversorgern und sehe Möglichkeiten für eine einvernehmliche Lösung.

„Die Stadt steht von Anfang an hinter den Bürgerinitiativen“, ergänzte Oberbürgermeister Karl Hilsenbek. Er stellt sich auf den Standpunkt, dass in bebauten Bereichen nur Erdverkabelung erfolgen solle. Deshalb habe er die Vertreter des Netzbetreibers bei der Gemeinderatssitzung am 8. März gebeten, mit dem Planfeststellungsantrag zu warten und keine vollendeten Tatsachen zu schaffen, bis das Energiewirtschaftsgesetz neu gefasst worden sei.

Der Antrag sei jedoch inzwischen beim Regierungspräsidium eingegangen. Hilsenbek erwartet, dass der Gemeinderat und die Ortschaftsräte klar Position beziehen werden. Auch die Bürger sollten Einwendungen vorbringen. Unterstützung signalisierten auch die Gemeinderäte Manfred Braig (CDU) Herbert Hieber (SPD) und Franz Ostermeier (Freie Bürger).

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