Aufnahmestelle für Flüchtlinge in der Kaserne

Lesedauer: 6 Min

In den ehemaligen Kompaniegebäuden der Ellwanger Reinhardt-Kaserne könnte eine Landes-Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge einger
In den ehemaligen Kompaniegebäuden der Ellwanger Reinhardt-Kaserne könnte eine Landes-Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge einger (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
Redakteurin Ellwangen/stellv. Redaktionsleitung

Die Reinhardt-Kaserne in Ellwangen ist für eine Landes-Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge im Gespräch. Land, Landkreis und Stadt haben darüber schon beraten. Entschieden ist noch nichts. Zuvor sollen die Bürger informiert werden. Dazu kommt am Mittwoch, 1. Oktober, um 18 Uhr auch Integrationsministerin Bilkay Öney in die Stadthalle.

Der Zustrom an Flüchtlingen ist so groß, dass die bislang einzige Aufnahmestelle in Karlsruhe heillos überlastet ist. Das Land plant deshalb, in jedem Regierungsbezirk mindestens eine solche Erstaufnahmestelle einzurichten, sagte Professor Wolf-Dietrich Hammann vom Integrationsministerium beim Pressegespräch im Rathaus. Das Ministerium ist zuständig für die Unterbringung von Flüchtlingen. Deren Zahl steige extrem an, sagte Hammann. In Baden-Württemberg sind es in diesem Jahr 26000.

Das passiert in der Erstaufnahmestelle

In der Erstaufnahmestelle werden die Flüchtlinge registriert, stellen ihre Asylanträge und werden nach ihrer oft entbehrungsreichen Flucht gesundheitlich untersucht und versorgt. In der Regel bleiben sie drei bis sechs Wochen und werden dann auf die Stadt- und Landkreise weiterverteilt, bis über die Asylanträge entschieden ist. Bis zu 100 Mitarbeiter kümmern sich um sie.

In Ellwangen sollen es 500, in Krisenzeiten bis zu 1000 Flüchtlinge sein. Familien, Frauen und Männer sind in getrennten Gebäuden untergebracht. Sie bekommen nur Sachleistungen, ein Caterer sorgt für Essen. Es gibt eine soziale Betreuung, eine erste Sprachschulung und eine professionelle Betreuung für Kinder und Jugendliche, die nicht in die örtlichen Kindergärten und Schulen geschickt werden. In der Kaserne wird ein Polizeiposten des Landes und ein ärztlicher Notdienst eingerichtet. Gemeinsam mit Polizei und Stadt soll ein Sicherheitskonzept erarbeitet werden. Die Flüchtlinge, stellte Hammann klar, sind nicht kaserniert, sondern können sich frei bewegen.

Das klingt so, als sei die Erstaufnahmestelle schon beschlossene Sache. Das wies Hammann von sich. Man werde nicht gegen die Bürger entscheiden. Aber man wolle bei der Bürgerinformation auf alle Fragen eine Antwort haben.

Gremien entscheidennach der Bürgerinformation

Landrat Klaus Pavel und Oberbürgermeister Karl Hilsenbek haben den Ellwanger Gemeinderat und die Aussschüsse für Bildung und Finanzen sowie Soziales am Dienstag über das Vorhaben informiert. Beschlüsse werden in allen Gremien erst nach der Bürgerinformation gefasst: „Die Bürger müssen mitgenommen werden“, betonte Hilsenbek. Sollten die Gremien zustimmen, könnte die Aufnahmestelle im kommenden Frühjahr ihre Arbeit aufnehmen.

Dass das Angebot ans Land nicht ganz selbstlos ist, machte Landrat Pavel deutlich: „Ich möchte die Erwartung formulieren, dass hier in Ellwangen Punkte gesetzt werden, zum Beispiel mit einem Hochschulstandort Gesundheit und Pflege und der europäischen Ausbildungsakademie.“ Dem Antrag für die Ausbildungsakademie hat der Kreistag einstimmig zugestimmt, er wird am 30. September eingereicht.

Stadt und Landkreis wollten mit der Landeserstaufnahmestelle aber auch dazu beitragen, eine große humanitäre Aufgabe zu lösen, betonte Pavel. Er brachte das Krankenhaus mit seiner Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie ins Spiel, die Klinik könnte sogar eine Station auf dem Kasernengelände einrichten. Die 30 Mitarbeiter des Landkreises, die sich um die Flüchtlinge kümmern, seien auch bereit, sich einzubringen, damit das soziale Fundament stabil bleibe.

Ehrenamtliches Engagementder Ellwanger

Hilsenbek ist das ehrenamtliche Engagement der Ellwanger wichtig. Das könne über den Sport kommen, die Ellwanger Vereine nutzen schon jetzt Sporthalle und Sportplätze in der Kaserne. Dazu müsste die Halle aber mit Duschen und Toiletten ausgerüstet werden, die es bisher nicht gibt, und ein Platz in einen Kunstrasenplatz umgebaut werden, damit er das ganze Jahr nutzbar ist. Hilsenbek setzte aber auch auf das Engagement des Freundeskreises Asyl und der vielen Bürger, die sich bisher schon um die Flüchtlinge kümmern. Damit diese möglichst gut integriert werden könnten, könnte zum Beispiel der Stadtbus am Nordtor halten. Bäcker, Metzger und Bank seien in der Nähe.

Dass das bürgerschaftliche Engagement anderswo groß ist, sagte Hammann: In Messstetten, wo demnächst eine Landesaufnahmestelle ebenfalls in der Kaserne eingerichtet wird, haben die Einwohner bei der Bürgerinformation eine Kleidersammlung für den kalten Winter organisiert. Dort hat der Gemeinderat einstimmig für die Aufnahmestelle gestimmt. Messstetten hat rund 5500 Einwohner.

Wie lange die Aufnahmestellen gebraucht werden, ist offen. Ob fünf oder zehn Jahre, , da wollte sich Hammann nicht festlegen.

Die Bürgerinformation zur Landes-Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in der Reinhardt-Kaserne beginnt am Mittwoch, 1. Oktober, um 18 Uhr in der Stadthalle Ellwangen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen