Am Samstag ist Welthospiztag

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Barbara Sittler ist die hauptamtliche Koordinatorin des ambulanten ökumenischen Hospizdienstes in Ellwangen.
Barbara Sittler ist die hauptamtliche Koordinatorin des ambulanten ökumenischen Hospizdienstes in Ellwangen. (Foto: Schneider)
Freier Mitarbeiter

Im Klosterhospiz in Neresheim gibt es zum Welthospiztag am Samstag für Ehrenamtliche einen „Stärketag“ mit Vorträgen und verschiedenen Workshops. Weitere Informationen im Internet unter www.hpvbw.de und unter www.dhpv.de.

„Weil du wichtig bist“, so lautet das Motto des diesjährigen Welthospiztages. Der ambulante ökumenische Hospizdienst in Ellwangen präsentiert sich dazu am Samstag, 13. Oktober, von 8 bis 12.30 Uhr auf dem Ellwanger Wochenmarkt mit einem Informationsstand. „Wir wollen bei einer Tasse Kaffee mit den Menschen ins Gespräch kommen und über unsere Arbeit informieren“, sagt die hauptamtliche Koordinatorin des Hospizdienstes, Barbara Sittler.

„Unser Anliegen ist es, die Hospizarbeit und den Hospizgedanken bekannt zu machen“, unterstreicht Barbara Sittler. Berührungsängste mit Sterben und Tod sollten so abgebaut werden. Denn viele Menschen hätten immer noch eine gewisse Scheu, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Man braucht wirklich keine Angst zu haben vor dem Sterbeprozess. Das Sterben ist meistens ein sehr friedvoller Prozess. Man will doch das Leben auskosten bis zum Schluss“, weiß Barbara Sittler aus Erfahrung. Und: „Es muss niemand allein sterben und unter Schmerzen.“ Ziel sei es, das Sterben zu lindern. Vom Sterben werde man aber auch als Angehöriger betroffen. „Wir begleiten auch in der Trauer“, sagt Barbara Sittler.

Am Infostand am Samstag auf dem Marktplatz werden Mitarbeiterinnen des Hospizdienstes vor Ort sein und über ihre Tätigkeit berichten. „Die Besucher sollen sehen: Da stehen ganz normale Menschen, die auch fröhlich sind und lachen können“, so Sittler. Am Stand kann man sich auch über die kommende Ausbildung zum Hospizhelfer informieren.

Wichtige Pioniere

„Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben.“ Das war das Leitmotto der großen Pionierin der Hospizbewegung, Dr. Cicely Saunders (1918 – 2005). Sie gründete 1967 auf Wunsch und mit dem Vermögen eines Patienten ein Sterbehaus, das St. Christopher's Hospice in London, und widmete ihr Leben der Begleitung schwer kranker und sterbender Menschen. Und dieses Motto prägt die Hospizbewegung bis heute. Diese Bewegung möchte den Menschen ein würdevolles Sterben zu Hause und in stationären Hospizen ermöglichen.

Saunders habe zum ersten Mal die ganzheitliche Betrachtung des sterbenden Menschen in den Mittelpunkt gestellt, sagte Diplom-Sozialpädagogin Barbara Sittler, hauptamtliche Koordinatorin des ambulanten ökumenischen Hospizdienstes in Ellwangen. Denn nicht nur die körperlichen, sondern auch die psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse eines Menschen seien wichtig. Einer von Saunders Aussprüche lautet: „Du zählst, weil du bist. Und du wirst bis zum letzten Augenblick deines Lebens eine Bedeutung haben.“

Als zweite Pionierin der Hospizbewegung nannte Barbara Sittler die 2004 verstorbene Schweizer Psychiaterin und Forscherin Elisabeth Kübler-Ross: „Die hat den Tod aus der Tabuzone herausgeholt.“ Denn der Tod sei ein Teil vom Leben, genauso wie die Geburt. Elisabeth Kübler-Ross beschäftigte sich intensiv mit den psychischen Vorgängen im Sterbeprozess. Mit ihrem Buch „Interviews mit Sterbenden“ und weltweiten Vortragsreisen holte sie das Thema Sterben und Tod erstmals aus der Tabuzone und half dadurch vielen Betroffenen, bestimmte Verhaltensweisen besser zu verstehen und besser mit dem Geschehen zurecht zu kommen. 1985 wurde in Köln die erste Palliativstation in Deutschland gegründet, 1986 in Aachen das erste stationäre Hospiz.

Laut Sittler ist die Hospizbewegung als Bürgerschaftsbewegung aus dem Bedürfnis heraus entstanden, den teils menschenunwürdigen Zuständen beim Sterben ein Ende zu setzen und das Sterben zu enttabuisieren. Barbara Sittler arbeitete Mitte der 1980er Jahre als Sozialarbeiterin im Krankenhaus in Crailsheim. Dort habe es damals keinen würdigen Raum zum Sterben gegeben.

Heute engagieren sich in Deutschland rund 120 000 Menschen ehrenamtlich und hauptamtlich in der Hospizbewegung. In Baden-Württemberg engagieren sich 7850 Ehrenamtliche bei 11 500 Begleitungen im Jahr. Es gibt deutschlandweit rund 300 Palliativstationen und rund 1500 ambulante Hospizdienste.

Im Klosterhospiz in Neresheim gibt es zum Welthospiztag am Samstag für Ehrenamtliche einen „Stärketag“ mit Vorträgen und verschiedenen Workshops. Weitere Informationen im Internet unter www.hpvbw.de und unter www.dhpv.de.

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