Alamannen zum Anfassen und eine Dame aus Lauchheim

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Am Wochenende ist mit einem bemerkenswerten Programm 15 Jahre Alamannenmuseum gefeiert worden. Das Bild zeigt Brauer Marco Gagg
Am Wochenende ist mit einem bemerkenswerten Programm 15 Jahre Alamannenmuseum gefeiert worden. Das Bild zeigt Brauer Marco Gaggia (rechts), der Brot fürs Bierbrauen einweicht. Am Kessel ist Barbara Gaggia. (Foto: Rapp-Neumann)
Schwäbische Zeitung
Petra Rapp-Neumann

Sein 15-jähriges Bestehen hat das Alamannenmuseum in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Hauswirtschaft Ostalb mit einem Programm gefeiert, das sich sehen und schmecken lassen konnte. Getreu dem Motto „Der gedeckte Tisch der Alamannen“ erlebten die Besucher Bierbrauen im frühen Mittelalter.

Zum Gerstensaft gab‘s Brot aus dem Lehmkuppelofen und Moretum, römischen Schafsfrischkäse. Daniela Bittner aus Röhlingen informierte übers Brettchenweben, Goldschmiedin Esther Schneller aus Rosengarten zeigte, wie aus Knochen Schmuck wird. Jürgen und Doris Heinritz stellten die Wohnstube einer wohlhabenden alamannischen Familie im 6. Jahrhundert vor und zogen eine Dame aus Lauchheim an: Geschichte lebensgroß, Alamannen zum Anfassen.

Jürgen Heinritz ist als Jorge der Wanderer Geschichtenerzähler und Leierspieler aus Passion. Die Frau aus Grab 974 des Lauchheimer Gräberfelds hat es dem Pleidelsheimer Textilingenieur und Ehefrau Doris angetan. Aufwendig arbeiten sie Gürtelmuster, indigogefärbten Mantel aus handgewebter Seide mit Leinenfutter und vergoldete Fibeln aus Sterlingsilber mit Almandin-Granat nach: „Das ist Detektivarbeit.“, sagte Heinritz, stilecht im Gewand des adligen Alamannen, der mit sechssaitiger Leier und Reste gehopften Biers in der Feldflasche im Trossinger Grab 58 gefunden wurde.

Den Tisch der Alamannen deckte vor allem Getreide als Brei, Grütze oder Suppe. Beeren, Feigen, Pilze und Nüsse wurden getrocknet. Zum Speiseplan gehörten auch geräucherter Fisch und Trockenfleisch, berichtete Gyde Botsch aus Kassel. Ihre Kleidung nebst „Spinnwirtel“, einer Handspindel, hat sie Funden eines Frauengrabs bei Lauffen nachempfunden und alamannische Wohn- und Stallhäuser anhand von Grundrissen akribisch nachgebaut.

Bierbrauen mit einfachen Mitteln

Im Museumshof dampfte und brodelte es im offenen Kessel bei Marco und Barbara Gaggia von der Element Brauerei im schweizerischen Pfyn. Sie zeigten Bierbrauen mit einfachen Mitteln. Auch Mälzen war unseren Ahnen schon bekannt. Aus Gerste wurde Zucker, dem Ur-Getreide Emmer wurden Kräuter und Pilze als bewusstseinsverändernde Substanzen hinzugefügt: „Die Alamannen zogen angstfrei in die Schlacht“, versicherte Brauer Marco. Auf lebendige Frösche zum Messen der Wassertemperatur verzichtete er. Das alamannische Bier schmeckte auch ohne Reinheitsgebot. Bei den Franko-Alamannen Holger und Sandra Frauendienst aus Hannover gab’s Würzwein zu verkosten. Für Tafelfreuden römischer Provinzen in Nachbildungen der legendären Terra-Sigillata-Keramik sorgten Gabriele Hoffmann, Jürgen Kolar und Bernd Manke aus Bruchsal. Sie bewirteten mit Wein, Trauben, Datteln, Pinienkernen und Moretum, köstlichem römischen Frischkäse aus Schafsmilch.

Die Begeisterung der „Alamanni“ dieses Wochenendes steckte an. Geschichte so lebendig vermittelt macht Lust auf mehr. Mit dem Museum und seinen Schätzen sollte Ellwangen wuchern. Nicht nur die Fürstpröpste, auch unsere germanischen Vorfahren haben Stadt und Land an der Jagst entscheidend geprägt.

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