36-Jähriger postet bei WhatsApp NS-Bilder und muss jetzt zahlen

 Ein 36-Jähriger hatte bei WhatsApp unter anderem Hakenkreuzbilder geteilt. Dafür muss er jetzt Strafe zahlen.
Ein 36-Jähriger hatte bei WhatsApp unter anderem Hakenkreuzbilder geteilt. Dafür muss er jetzt Strafe zahlen. (Foto: Zacharie Scheurer/dpa)
Redakteurin Virngrund

Ein 36-Jähriger aus einer Virngrundgemeinde hat sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Ellwangen wegen Volksverhetzung und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verantworten müssen.

Der gelernte Bürokaufmann hatte an in einer geschlossenen WhatsApp-Chatgruppe unter anderem Bilder von NS-Runen, Hakenkreuzen und Adolf Hitler geteilt. Ein Mitglied der Gruppe stellte daraufhin Strafanzeige.

Mann will Strafbefehl nicht akzeptieren

Normalerweise wäre es am Dienstag gar nicht zu einer öffentlichen Verhandlung gekommen. Aber der 36-Jährige hatte dem Strafbefehl der Ellwanger Staatsanwalt widersprochen. Die hatte den Mann wegen der Chat-Aktion zu einer Geldstrafe von 4500 Euro verdonnert.

Das war dem 36-Jährigen, der aktuell nur über eine Zeitarbeitsfirma beschäftigt ist und knapp 1000 Euro im Monat verdient, entschieden zu viel. Er legte Widerspruch ein.

In der Verhandlung am Dienstag wollte er sich zunächst nicht zu dem Vorfall äußern. Sein Verteidiger übernahm deshalb das Zepter und betonte, dass sein Mandant keine rechtsradikale Gesinnung habe.

Vielmehr habe er diese „Geschmacklosigkeiten“ an einem Abend im Dezember 2020 unter Alkoholeinfluss gepostet – und das in einer geschlossenen Gruppe namens „Schwarzer Humor 2.0“. Der Strafbefehl sei deshalb zu hoch ausgefallen. Ohnehin könne der Geringverdiener diese Summe kaum aufbringen.

Auf die freundliche Aufforderung von Richter Norbert Strecker, der „gerne verstehen“ wollte, was den 36-Jährigen denn überhaupt zu dieser Aktion veranlasst hat, ließ sich der Zeitarbeiter dann doch noch erweichen. Er sei tatsächlich etwas angetrunken gewesen.

„Peinliche Aktion“ unter Alkoholeinfluss

Außerdem habe es so etwas wie eine Gruppendynamik gegeben. „Wir haben uns da gegenseitig angestachelt, wer die krasseren Sachen bringt. Da wurde ganz viel Schwachsinn geteilt.“

Der Typ aus Hamburg, der ihn angezeigt habe, hätte sich in der Gruppe kurz zuvor beispielsweise noch über Menschen mit Down-Syndrom lustig gemacht. Deshalb könne er die Anzeige auch nicht nachvollziehen. „Ich habe in dieser Gruppe wirklich schon viele Dinge gesehen, die strafwürdig gewesen wären, aber ich habe nie einen Screenshot gemacht und dann jemanden hinten rum das Messer in den Rücken gerammt“, erklärte der 36-Jährige.

Sein Credo laute diesbezüglich: „Leben und leben lassen.“ Gleichwohl sehe er ein, dass das Posten der NS-Bilder – eines hatte einen KZ-Häftling mit dem Hinweis „Konzentriert Euch“ gezeigt – eine „peinliche Aktion“ gewesen sei. Er habe die Gruppe mittlerweile auch verlassen.

Richter Norbert Strecker erkannte Reue und ließ am Ende Milde walten. Er reduzierte die Geldstrafe auf 90 Tagessätze à zehn Euro. Damit gelte der Mann als nicht vorbestraft. „Es ist gut, dass Sie sich vor Gericht erklärt haben. Sie sind nicht rechtsradikal. Deshalb mussten wir Sie hier anders bestrafen“, erklärte Richter Strecker. Der 36-Jährige akzeptierte noch im Gerichtssaal den neuen Strafbefehl.

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