16 Moslems befreien die Innenstadt vom Silvestermüll

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Neujahrsputz in der Ellwanger Innenstadt: Moslems sammeln den Silvestermüll auf.
Neujahrsputz in der Ellwanger Innenstadt: Moslems sammeln den Silvestermüll auf. (Foto: sj)

Während andere am Neujahrsmorgen noch verkatert im Bett gelegen sind, haben 16 Mitglieder der Jugendorganisation der „Ahmadiyya Muslim Jamaat“, der islamischen Ahmadiyya-Gemeinde in Ellwangen, bereits zum vierten Mal die Ellwanger Innenstadt vom Silvestermüll befreit. Mit ihrer freiwilligen und unentgeltlichen Reinigungsaktion begannen sie frühmorgens um halb sieben. Am Ende ihrer zweistündigen Putzete konnten die Moslems am Fuchseck 14 dunkelgraue Säcke voll mit Müll präsentieren.

Bei nasskaltem Wetter und dichtem Nebel machten sich 16 Moslems, die fast alle ihre Wurzeln in Pakistan haben, nach einem gemeinsamen Gebet und Frühstück auf zu ihrem Einsatz in die wie ausgestorben wirkende Ellwanger Innenstadt. Ausgestattet mit Arbeitshandschuhen, Greifzangen, Besen, Schaufeln und Säcken, rückten sie den traurigen Überresten von Raketen, Böllern und Feuerwerksbatterien, den vielen Getränkedosen und Sekt- und Bierflaschen, den achtlos weggeworfenen Zigarettenschachteln, den Papp- und Plastikbechern, den vielen Kartonagen und dem Papier zu Leibe.

Zu ihrem Revier gehörten die Marien-, die Spital-, die Schmiedstraße mit den jeweiligen Seitengässchen und der Marktplatz. „Am Fuchseck und auf dem Marktplatz lag am meisten“, berichtet Aftab Daud aus Röhlingen und fragt sich, weshalb „so viel Geld verballert“ wird.

Ein Dankeschön für Ellwangen

Der 34-Jährige hat die Leitung der Putz- und Aufräumaktionen. „Viele von uns sind in Ellwangen geboren und aufgewachsen“, erklärt Daud: „Das ist unsere Heimat, hier fühlen wir uns wohl.“ Die Aktion solle deshalb ein Dankeschön an die Stadt Ellwangen sein, „dafür, dass wir hier leben dürfen“. Über die Landes-Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Ellwangen (LEA) sei in letzter Zeit so viel Negatives berichtet worden, und viele Menschen hätten ein schlechtes Bild vom Islam. „Durch solche Aktionen möchten wir das Gegenteil beweisen. Unsere Gemeinde ist total gegen Gewalt und Terrorismus.“ Das Motto der Ahmadiyya-Gemeinde sei: „Liebe für alle, Hass für keinen.“

Für den Abtransport der Müllsäcke sorgte der Baubetriebshof, der auch eine große Kehrmaschine im Einsatz hatte. Dieses Mal habe es etwas weniger Müll gegeben als die vergangenen Jahre, hatte Mohammad Iqbal (50) den Eindruck.

Diese Reinigungsaktion der Jugendorganisation der „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ wurde laut Adnan Mohammad, dem Leiter und Sprecher der Jugendorganisation der islamischen Reformgemeinde Ellwangen, nunmehr bereits im 19. Jahr am ersten Tag des Kalenderjahres in nahezu allen 250 Gemeinden der Jugendorganisation deutschlandweit organisiert, darunter auch in Aalen, Crailsheim, Heidenheim und Schwäbisch Gmünd. Die Jugendorganisation der „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ sei, so Adnan Mohammad, eine friedvolle und tolerante islamische Reformgemeinde und in über 200 Ländern vertreten. Putzaktionen liefen deshalb an Neujahr auch in London und Paris.

„Der Islam lehrt, dass der Mensch geboren wurde, um Gott und seinen Menschen zu dienen. Diese Maxime gilt als Leitsatz der ehrenamtlichen Tätigkeiten im Rahmen unserer Abteilung Waqar-e-Amal, welche wörtlich übersetzt 'ehrenvolle Arbeit' heißt“, sagt Adnan Mohammad. Waqar-e-Amal bedeute, sich selbst und anderen ohne Gegenleistung mit eigener Hand zu helfen. Dieser Grundsatz habe einen tiefgehenden philosophischen Hintergrund, welcher unter anderem zum Ziel hat, Barrieren sozialer Unterschiede zu brechen und somit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten. „Dieses Ziel können wir nur gemeinsam mit den Mitbürgern unserer Stadt Ellwangen erreichen.“

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