Das Hotelbetreiber-Ehepaar, Anja und Karsten Mühleck, im historischen „Herrenzimmer“ der „Rose“. Stuckdecke und Fayence-Ofenkach
Das Hotelbetreiber-Ehepaar, Anja und Karsten Mühleck, im historischen „Herrenzimmer“ der „Rose“. Stuckdecke und Fayence-Ofenkacheln bleiben natürlich erhalten. (Foto: Fotos: Josef Schneider)
Josef Schneider

Wer will fleißige Handwerker sehen, kann dies zurzeit bei der „Rose“ in Schrezheim erleben. Ein rundes Dutzend Leute vom Bau sind dort momentan im Gange. Mit Umbau, Anbau und Modernisierung der ehemaligen Gaststätte wurde im Januar 2018 begonnen. Daraus entstehen soll das „erste Ellwanger Aparthotel/Hotel garni“, wie die Hotelbetreiber Anja und Karsten Mühleck betonen. Die Neueröffnung ist für Mitte oder Ende September geplant.

„Das ganze Haus ist eine Baustelle“, sagt Anja Mühleck. Ziel des Inhaber-Ehepaares Mühleck ist es, das ortsbildprägende, geschichtsträchtige Haus nicht nur komplett zu verschönern, sondern auch die lange Historie des Gebäudes zu erhalten. Das Haus verfügt über vier Etagen: Erdgeschoss und drei Obergeschosse. Die Mühlecks investieren in das Projekt einen siebenstelligen Betrag. Mehr wird zu den Umbau- und Modernisierungskosten nicht verraten. Auskunftsfreudiger indes sind die Hotelbetreiber, wenn es um das neue Hotelkonzept geht. Denn in der „Rose“ entsteht das erste Ellwanger Aparthotel und ein neues Hotel garni mit 37 Apartments und Gästezimmern. So gibt es künftig auch Zimmer mit Kochgelegenheit.

So werden zurzeit alle bestehenden Gästezimmer renoviert und auf den neuesten technischen Stand gebracht. Die ehemals landwirtschaftlich genutzte Scheune wird mit neuen Zimmern ausgebaut. Damit alle Gästezimmer barrierefrei erreicht werden können, wird ein Aufzug eingebaut. Auch ein behindertengerechtes Zimmer soll es geben.

Ab Mitte oder Ende September soll die „Rose“ modern und dennoch traditionsbewusst in neuem Glanz erstrahlen. Das Aparthotel wird zwölf sogenannte „Serviced Apartments“ (Ferienwohnungen) und im Hotel garni 25 Gästezimmer mit insgesamt 58 Betten anbieten. Serviced Apartments sind die perfekte Alternative zu Hotels und Pensionen. Je nach Raumgröße verfügen sie über einen kombinierten Wohn-Schlafbereich mit 17 bis 24 Quadratmetern oder einen getrennten Wohn-Schlafbereich mit 25 bis 40 Quadratmetern. Die Zahl der Vollbeschäftigten wird von momentan zwei auf sechs angepasst.

„Unser 360 Jahre altes Haus ist ein Zeitzeuge der Schrezheimer Dorfgeschichte“, sagen die Betreiber des Hotels: „Wir fühlen uns verpflichtet gegenüber unserem Vermächtnis der langen Familientradition und dem geschichtlichen Hintergrund unserer Rose. Unser Ansinnen ist, die Dorfgeschichte erlebbar, anschaubar zu machen.“ Seit Ende der 1990er-Jahre steht das Gebäude am Ortseingang von Schrezheim (von Ellwangen kommend) nicht mehr unter Denkmalschutz. Nur noch das alte Wirtshausschild mit den drei roten Rosen ist Kulturdenkmal.

Das Ehepaar Anja (47) und Karsten (46) Mühleck, beide gelernte Bürokaufleute, betreibt seit 1. Juli 2010 in siebter Familiengeneration den renommierten Beherbergungsbetrieb in Schrezheim. Der Generationsbetrieb (mindestens seit 1844 im Familienbesitz) wurde von Anjas Eltern, Reinhold und Elfriede Schmitt (geborene Gloning), 28 Jahre lang geführt. Der Hausname ist „Keiß“. Die Gaststätte „Rose“ wurde im November 2014 geschlossen, nachdem die letzten Pächter aufgehört hatten. In den ehemaligen Gasträumen (mit Nebenzimmer) soll nach Umbau und Modernisierung ein Frühstücksraum mit Rezeption entstehen. Direkt am Haus befindet sich die „Fischerhütte“, die Gruppen bis zu 30 Personen Platz bietet.

Das Haus hat eine lange Geschichte. Sie reicht, historisch belegt, zurück bis ins Jahr 1660. Sie könnte aber durchaus noch älter sein. Der Schrezheimer Historiker Konrad Kugelart hat sich damit befasst. Seit 1910 ist die „Rose“ an die Kanalisation angeschlossen. Das „Brunnenhöfle“ wurde 1939 mit einem zweistöckigen Zwischenbau überbaut. An dieser Stelle entstanden ein Abort mit Pissoir und im Obergeschoss eine Wohnung. 1878 wurde eine Bierbrauerei eingerichtet. Sie wurde wahrscheinlich im Jahr 1900 aufgegeben. Aus dieser Zeit, als es im Gasthaus „Rose“ eine Brauerei gab, datiert ein unterirdischer Bierkeller (1846) in einem Waldstück zwischen Schrezheim und Espachweiler. Die Landwirtschaft wurde in den 1960er-Jahren eingestellt. Und noch etwas weiß Konrad Kugelart: 1910 kam der damalige Wirt Anton Keiß durch einen tragischen Unfall ums Leben. Nach reichlichem Alkoholgenuss waren Gäste, Bauern, in Streit geraten. Als Anton Keiß schlichtend eingriff, bekam er einen dem Kontrahenten zugedachten Schlag mit einem Stuhl auf den Rücken.Dieser Schlag verursachte eine Lungenblutung mit Blutsturz.

Stolz sind die Mühlecks auf ein historisches „Herrenzimmer“ im ersten Obergeschoss aus dem 18. Jahrhundert, mit sehr gut erhaltener Stuckdecke und originalen Ofenkacheln der Schrezheimer Fayencemanufaktur. Der ehemalige Wirt der „Rose“, Anton Wintergerst, war Teilhaber der Fayencefabrik. Auch das alte Gebälk soll im Gebäude wieder sichtbar werden. Wie Anja Mühleck berichtet, soll auch das alte Scheunentor wieder optisch dargestellt werden. Und: „Auch verschiedene andere geschichtliche Aspekte werden erhalten.“

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