Hell, mit Holzboden und einem Einbauschrank - für die damalige Zeit lebte die Kammerzofe auf Schloß Baldern sehr luxuriös
Hell, mit Holzboden und einem Einbauschrank - für die damalige Zeit lebte die Kammerzofe auf Schloß Baldern sehr luxuriös (Foto: Blankenhorn)

Trotz aller Umbauten und Sanierungen kann Schloss Baldern seine ursprüngliche Funktion als Burg nicht leugnen. Im Innern ist Baldern aber ganz Schloss mit edel ausgestatteten Räumen, herrlichen Holzböden, filigranen Stuckdecken und Stofftapeten, die die Besucher an den Sonderführungen zum Tag des offenen Denkmals zu sehen bekamen.

Sonja Heinen stellte nicht weniger als 17 Räume vor. Zu jedem hatte sie eine kleine Geschichte parat und brachte den Besuchern das angenehme Leben der Fürstenfamilie nahe. Da durften dann auch Bilder und Geschichten über bis nach Speyer bekannte Schlossgespenster oder trinkfreudige Pfarrer nicht fehlen.

So erfuhren die Besucher, wieso es nur drei Prinzen- und drei Prinzessinnenzimmer gab und wieso diese verschieden ausgestattet und unterschiedlich groß sind. Oder wieso in manchen Zimmern weiße und in anderen schwarze Öfen stehen. Wieso wurde abends im Salon nur französisch parliert?

An der Wand hängen Bilder der 17 Schlossgespenster

Durch die Türe des imposanten, 46 Meter hohen Treppenhausturms ging es vorbei an Exponaten der größten privaten Waffensammlung Europas. Es folgten die Empfangshalle, das Audienz-Wartezimmer und der beeindruckende Rauchsalon, in dem Geschäfte von Mann zu Mann und per Handschlag gemacht wurden, ehe diese im angrenzenden Schreibzimmer, in dem die Prinzen unterrichtet wurden, besiegelt wurden. Geschäfte wie etwa der Versuch in Oettingen Tabak anzubauen, der nicht von Erfolg gekrönt war.

Im ersten Stock warteten unter anderem der beeindruckende Rote Salon und das fürstliche Schlafzimmer auf die Besucher. Daran angrenzend die Zimmer der Kammerdiener und -zofen. Mit Holzboden, Kamin, vielen Fenstern und sogar einem Einbauschrank ausgestattet, lebten diese für die damalige Zeit und ihre Stellung fast schon luxuriös, im Vergleich zu den Zimmern der Herrschaft jedoch in bescheidenen Verhältnissen. Aber auch innerhalb der Fürstenfamilie gab es zwischen Prinzen- und Prinzessinnenzimmern und auch hier dem Alter entsprechend große Unterschiede in Größe und Ausstattung.

In den Räumen des letzten Fürsten zu Oettingen-Baldern, Franz-Wilhelm, warteten noch die Bilder dreier der insgesamt 17 (drei guten und 14 bösen) Schlossgespenster auf die Besucher die, glaubt man den Worten einer Raumpflegerin, auch heute noch ihr Unwesen auf Schloss Baldern treiben. Als Dompropst zu Köln machte Franz-Wilhelm sein Haus durch die Rettung des Domschatzes und des Dreikönigsschreins im Dreißigjährigen Krieg für die deutsche und die Kölner Stadtgeschichte unsterblich.

Eine heute noch funktionsfähige Toilette mit Wasserspülung belegt, dass man auf Baldern aufgeschlossen für technische Neuerungen war. Nach über einer Stunde endete die kurzweilige und humorvolle Führung im Fürstensaal, der die Besucher mit prachtvoller Ausstattung und Panoramablick beeindruckte.

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