Die Beamten waren in Berufung gegangen. Jetzt hat das Landgericht Augsburg die Urteile abgemildert.
Die Beamten waren in Berufung gegangen. Jetzt hat das Landgericht Augsburg die Urteile abgemildert. (Foto: dpa)
Verena Mörzl

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat Anklage gegen den Ehemann einer Birkhausenerin, die im September 2018 tot in der Nähe einer Güllegrube gefunden worden ist, erhoben.

Mehr als ein halbes Jahr liegt der Fall inzwischen zurück. Mehr als ein halbes Jahr Ermittlungsarbeit. Im September 2018 ist eine Landwirtin tot neben einer Güllegrube des Hofes aufgefunden worden, den sie gemeinsam mit ihrem Mann betrieb. Seither gab es viel Trubel im und um das 400-Seelen-Dorf Birkhausen bei Wallerstein. Seit mehr als einem halben Jahr sitzt der Ehemann als dringend tatverdächtig in Untersuchungshaft. Erst gestern hat die Augsburger Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 54-Jährigen erhoben. Doch nicht wegen Totschlags – wegen dieses Tatverdachts sitzt er in der Justizvollzugsanstalt in Gablingen – sondern wegen Mordes.

Gülle soll zum Tod beigetragen haben

In einer Presseerklärung teilt die Staatsanwaltschaft mit, dass der Mann verdächtigt wird, am Vormittag des 20. Septembers 2018 seine Ehefrau mit Schlägen gegen den Kopf getötet zu haben. Auf RN-Nachfrage sagte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai, dass auch Gülle zum Tod der Frau beigetragen haben muss. Wie genau, wollte er nicht mitteilen. Die Ergebnisse der Obduktion hätten diesen Zusammenhang allerdings gezeigt.

Unser Mandant beteuert weiter die Unschuld am Tod seiner Frau. Verteidigerin Martina Sulzberger

Vor wenigen Tagen äußerte sich die Verteidigerin des Landwirts, Martina Sulzberger, zum ersten Mal öffentlich. Sie sagte: „Unser Mandant beteuert weiter die Unschuld am Tod seiner Frau.“ Daran ändere sich auch nach den Mordvorwürfen nichts, wie Sulzberger gegenüber den „Rieser Nachrichten“ am Montag sagte. Sie vertritt den Mann zusammen mit ihren Kollegen Carolin Arnemann und Nico Werning von der Kanzlei „Witting, Conzen & Kollegen“ aus München. Die Juristen wollen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für die Freiheit des Riesers kämpfen. Sie rechnen mit einem langen Indizienprozess.

Noch kein Termin zur Hauptverhandlung

Über die Eröffnung des Verfahrens wurde noch nicht entschieden und daher wurden auch noch keine Termine zur Hauptverhandlung bestimmt, teilt die Staatsanwaltschaft außerdem mit. Das bedeutet, dass das Augsburger Schwurgericht entscheiden muss, wie es weiter geht. Das Strafgesetzbuch sieht für Mord eine lebenslängliche Freiheitsstrafe vor.

Habgier als Mordmotiv

Die Staatsanwaltschaft begründet die Anklage des Rieser Landwirts mit dem Mordmotiv Habgier. Genau darin liegt auch der Unterschied zum Totschlag. Erst mit einem Mord-Merkmal wird Totschlag zu Mord. Oberstaatsanwalt Nickolai sagte, dass der Angeklagte befürchtet haben soll, Geld zu verlieren. Demnach hätte der Mann aufgrund einer bevorstehenden Trennung das gemeinsam ersparte Vermögen in Höhe von mehr als 130 000 Euro nicht für sich allein beanspruchen können.

Ein ganzer Ort steht unter Schock

Vor mehr als einem halben Jahr hat sich die Tragödie in Birkhausen abgespielt. Eine ganze Region, aber besonders der kleine Ort, standen unter Schock. An besagtem Donnerstag, aber auch in den Tagen danach waren sowohl Feuerwehren als auch Bereitschafts- und Kriminalpolizei auf dem Hof. Die Ermittler setzten sogar Drohnen ein. Das 51-jährige Opfer war nach den damaligen Erkenntnissen mit Gülle beschmiert. Schnell war auch klar, dass die Frau nicht eines natürlichen Todes gestorben war, deshalb ermittelte die Kriminalpolizei in Dillingen, die auch für das Ries zuständig ist. Einige Tage später wurde der Ehemann verhaftet. Ein Tatmotiv lag bis vor Kurzem nicht vor.

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