Fünf Kirchengemeinden unter einem Dach

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 Es war der Höhepunkt des Abends: die Errichtung einer großen Holzkirche auf der Bühne des Bürgerhauses, die symbolisch das geme
Es war der Höhepunkt des Abends: die Errichtung einer großen Holzkirche auf der Bühne des Bürgerhauses, die symbolisch das gemeinsame neue Kirchendach für alle fünf Gemeinden darstellen sollte. (Foto: Bauch)
Martin Bauch
Freier Mitarbeiter

Bisher waren sie alle selbständig: die fünf evangelischen Kirchengemeinden Benzenzimmern, Goldburghausen, Kirchheim, Pflaumloch und Trochtelfingen. Beim Gemeindeforum in Trochtelfingen haben sie ihre geplante Fusion besiegelt.Seelsorgearbeit ist heute ein Kraft- und Verwaltungsakt sondergleichen. Da ist es nur legitim, wenn sich Pfarrer und Gemeindemitglieder kleinerer Seelsorgeeinheiten Gedanken darüber machen, wie sie ihre Zukunft besser gestalten wollen und ihren Fokus wieder verstärkt auf ihre eigentliche Kernaufgabe, die Seelsorge, lenken können. Aus Gedanken und vielen Gesprächen ist im Ries jetzt etwas Handfestes entstanden.

Ab dem Jahr 2020 wollen sich die fünf Kirchengemeinden Benzenzimmern, Goldburghausen, Kirchheim, Pflaumloch und Trochtelfingen zu einer großen Gesamtkirchengemeinde am Ries zusammenschließen. Die künftige Seelsorgeeinheit wird dann an die 2000 Gemeindemitglieder umfassen, die von 250 Mitarbeitern betreut werden. Die Beschäftigten in den einzelnen Gemeinden behalten alle ihre Aufgaben und werden Angestellte der Gesamtkirchengemeinde. Ändern wird sich aber die Zusammensetzung des Gesamtkirchengemeinderates, der künftig aus 18 Mitgliedern bestehen wird, die von den Mitgliedsgemeinden in das Gremium entsandt werden. Die ersten Wahlen sollen schon am ersten Advent 2019 stattfinden.

Beibehalten werden sollen auch die beiden Pfarrämter in Trochtelfingen und Kirchheim. Zumindest bis 2030 soll sich an dieser Struktur nichts ändern. Das wurde beim Gemeindeforum in Trochtelfingen vereinbart.

Schlanke Strukturen sollen für mehr Schlagkraft sorgen

Die Fusion ist nach Aussage von Pfarrer Nicolai Gießler „notwendig“, um den stetig zurückgehenden Zahlen bei den Gemeindemitgliedern und den ehrenamtlich tätigen Personen etwas entgegensetzen zu können. Schlankere Verwaltungsstrukturen und flexiblere Aufgabenbewältigung sollen Kirchen- und Seelsorgearbeit wieder schlagkräftiger machen. „Bei den sonntäglichen Gottesdiensten in den fünf Gemeinden soll es auch künftig keine Abstriche geben“, verspricht Gießler.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die einzelnen Kirchengemeinderäte grünes Licht für die Fusion gegeben. Auch sie sind der Überzeugung, dass mit einem freiwilligen Zusammenschluss die Herausforderungen in den nächsten Jahren besser bewältigt werden können.

Schon vor der jetzt beschlossenen Fusion wurde in einzelnen Bereichen bereits erfolgreich kooperiert. Dies soll nach der Fusion noch einfacher und vor allem effektiver werden. Große finanzielle Vorteile kann sich die neue Gesamtkirchengemeinde von ihrer Fusion allerdings nicht erwarten. „Die Kirchensteuerzuweisung im Kirchenbezirk Aalen ist so geregelt, dass eine Gesamtkirchengemeinde nicht schlechter oder besser gestellt ist, als die bisher fünf einzelnen Kirchengemeinden“, sagt Gießler. Auch die vier Gemeindehäuser sollen, soweit von allen gewünscht, weiter vor Ort bestehen bleiben.

Note 1 bei der Gemeindevisitation

Im Rahmen des evangelischen Gemeindeforums im Wilhelm-Hahn-Bürgerhaus in Trochtelfingen ist das Zusammengehen der fünf Kirchengemeinden gemeinsam mit allen Verantwortlichen und Gemeindemitgliedern groß gefeiert worden. Als Ehrengäste durfte Gießler den Bürgermeister von Bopfingen, Gunter Bühler, die Ortsvorsteher der einzelnen Gemeinden sowie die beiden Kirchenverantwortlichen für den Kirchenbezirk Aalen, Dekan Ralf Drescher und Schuldekan Harry Jungbauer, in Trochtelfingen begrüßen. Höhepunkt an diesem Abend war die Errichtung einer großen Holzkirche auf der Bühne des Bürgerhauses, die symbolisch das künftige Kirchendach für alle fünf Gemeinden darstellte.

Drescher und Jungbauer lobten in ihren Reden das große Engagement der fünf Kirchengemeinden und ihrer Mitglieder. „Wir beide konnten uns bei unserer persönlichen Visitation einen umfassenden Überblick über die kirchliche Arbeit hier im Ries verschaffen. Ich hatte nie Zweifel daran, dass diese Arbeit hier sehr erfolgreich und engagiert ist. Für uns beide steht fest: Sie haben sich ohne Einschränkungen die Note Eins verdient“, sagte Drescher unter Beifall.

Viele Vereine trugen an dem Abend zum Gelingen dieser Feier bei, darunter unter anderem der gemeinsame Kirchenposaunenchor, der Heilig-Abend-Chor Pflaumloch, der Holzsägerverein Trochtelfingen, der Christbaumlobverein Goldburghausen und das Flötenensemble Flauto da Capo.

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