„Doc“ Werner Mai präsentiert sein Werk

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Werner Mai zieht in seiner unnachahmlichen Art die Zuhörer nicht nur mit seinen Worten, sondern dank seiner zweiten Leidenschaf
Werner Mai zieht in seiner unnachahmlichen Art die Zuhörer nicht nur mit seinen Worten, sondern dank seiner zweiten Leidenschaft, dem Theater, auch mit Mimik und Gestik in seinen Bann. (Foto: Jürgen Blankenhorn)
Schwäbische Zeitung
Jürgen Blankenhorn

Bescheiden, ja fast demütig sitzt Werner Mai im Kreise seiner Familie, während Bopfingens Bürgermeister Gunter Bühler und Laudator Stefan Lella vom Ostalb-Gymnasium Bopfingen den zahlreich erschienen ehemaligen Lehrerkollegen, Schülern und Kunstliebhabern das Schaffen und Wirken des Menschen Werner Mai nahebringen: Eine Ausstellung seiner Werke ist jetzt im Bopfinger Rathaus zu sehen.

1930 in Zittau geboren, studierte der promovierte Philosoph in Berlin und Tübingen Anglistik, Germanistik, Indogermanistik und Romanistik, ehe er, von den Schülern liebe- und respektvoll einfach nur „Doc“ genannt, ab 1958 die Bildungs- und Kulturlandschaft Bopfingens entscheidend mitprägte. Nicht nur als Lehrer, sondern auch als Bibliothekar der Schulbibliothek und Gründer der Theater AG hat das „Relikt des 20. Jahrhunderts“, wie er sich selbst bezeichnet, Generationen von Schülern die wunderbare Welt des Theaters, humanistische Bildung, Kultur und Philosophie zugänglich gemacht, wie es Stefan Lella formulierte.

Daneben war die Malerei eine Konstante seines Lebens. Eine Leidenschaft, die er mit Vergnügen auslebte, so Bürgermeister Bühler. So fand er als Kopist bekannter Werke den Einstieg in die Malerei, ehe er diese mehr und mehr zu seinem Vergnügen veränderte. Die Kopien sowie die späteren Bilder würden die philosophische Tiefe des Künstlers zeigen. Sein Lieblingsbild der Ausstellung sei das gleich doppelt vorhandene „Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci“ von Adolph Menzel, verriet Bopfingens Bürgermeister. Während das eine Bild eine originalgetreue Kopie ist, zeige das zweite Bild den Esprit und tiefgründigen Humor des Künstlers. Dazu sei das „Original“ auch das einzige der 34 Bilder der Ausstellung, das käuflich zu erwerben sei. Der Erlös soll dem Bopfinger Stadtmodell in Bronze zugute kommen.

Was sagte nun der Künstler selbst zu seinen Bildern? Eben noch der gebrechlich wirkende alte Mann, explodierte er förmlich am oder besser vor dem Rednerpult. Wie ein Stand-up-Philosoph und Schauspieler zog die Anwesenden nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gesten und seiner Mimik in seinen Bann. Und genauso wirken auch seine Bilder auf den Betrachter. Geleitet vom Grundsatz „Capriccio“ habe auch er im Laufe seines künstlerischen Schaffens die Bahnen der Konvention verlassen und sei seiner Laune gefolgt. „Auch ich wollte originell sein und hatte auch bedauerlicherweise solche Einfälle“, leitete er zu seinem Referenzbild „Grab des Hunds“ über. Inspiriert von Christian Morgenstern gleichnamigem Gedicht, in dem dieser Kant und Plato auf die Schippe genommen habe, habe er hier versucht „eine Atmosphäre des Scherzes und der Ironie zu schaffen.“ Mit einem spitzbübischen Lächeln ergänzte er: „Und wenn sie das Grab des Hunds suchen, irgendwann legte der Maler seinen Pinsel ab.“

Weiter bat er das Auditorium „nichts schweres, philosophisches oder aktuelles in seinen Bildern zu suchen.“ Ähnlich dem Duft der Rose „solle man nicht undankbar und unachtsam an der Kunst vorübergehen, sich jedoch darüber freuen und sie genießen.“ Im persönlichen Gespräch sinnierte „Doc“, der 1955 mehr aus wirtschaftlichen Zwängen Lehrer wurde „Wer weiß was passiert wäre, wenn der Knabe Künstler geworden wäre. Ich bin dem Land Baden-Württemberg dankbar. Ich habe meine Heimat mit 18 verlassen, wurde hier verbeamtet, habe in Bopfingen geheiratet, mein Haus und zwei Flügel“, zieht er in seiner typischen selbstironischen und tiefgründigen Art ein knappes Resümee. „Als Lehrer wollte ich nur, dass meine Schüler mich in guter Erinnerung behalten“, fährt er fort. Diese Einstellung eines in sich selbst ruhenden tiefsinnigen Menschen ist auch in seinen Bildern zu erkennen, wenngleich es schwer ist, die Wirkung der Bilder aus den verschiedenen Schaffensphasen in Worte zu fassen. Auf der einen Seite eine perfekte Abbildung des originalen Bildes oder der Landschaft, auf der anderen Seite schelmische und dennoch tiefgründige Details die erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind. Also Augen auf.

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